Wie ein Wiesbadener Amateurfußballer Nationalspieler wurde

Aaron Krüger spielt für den SV Wiesbaden. Weil die Familie seines Vaters Wurzeln im asiatischen Guam hat, dürfte er theoretisch auch für die dortige Nationalmannschaft auflaufen. Am Donnerstag stand er im Kader.

Wie ein Wiesbadener Amateurfußballer  Nationalspieler wurde

Wenn Aaron Krüger für den Gruppenligisten SV Wiesbaden auf dem Platz steht, geht es vor rund 300 Zuschauern gegen Teams wie Würges, Walluf oder Okriftel. Am Donnerstag, den 10. Oktober, nahm Krüger im Tianhe Stadium in Guangzhou auf der Bank Platz. Dort war er für die Nationalmannschaft von Guam im Einsatz.

Wie es dazu kam, erzählte der 30-Jährige jüngst dem Fußballmagazin „11Freunde“. Denn eigentlich wollte sich Krüger, dessen Familie väterlicherseits aus Guam stammt, lediglich bei einem Besuch in Guam fit halten und mit einer lokalen Fußballmannschaft mitkicken. Als er dort ankam, wurden aber gerade die Try-Outs für die Nationalmannschaft abgehalten. Bei solchen Veranstaltungen haben Spieler die Möglichkeit, sich vor den Augen der Scouts für die Nationalmannschaft zu empfehlen.

Mit Glück und Zufall in die Nationalelf

Wer bis hierhin denkt, die Geschichte sei skurril, dem sei verraten: Es wird noch abenteuerlicher. Mit dem damaligen Trainer verscherzte es sich Krüger ungewollt aufgrund von Missverständnissen, entstanden durch die Sprachbarriere. Dafür freundete er sich — ohne es so recht zu wissen — bei einem Bier mit dem Kapitän des Nationalteams an. „Hey, eigentlich kannst Du doch auch für die Nationalmannschaft spielen!“, habe dieser ihm gesagt, wie er gegenüber „11Freunde“ verriet.

Der Kapitän war es auch, der bereits die Gespräche mit dem Trainer der Nationalelf geführt hatte und alles für einen Einsatz Krügers in die Wege brachte. Lediglich seine Geburtsurkunde musste er noch vorweisen. In der Folge musste Krüger Videoaufnahmen von seinen Spielen in Wiesbaden anfertigen und dem Verband zukommen lassen, an seiner Fitness arbeiten und einige kleine Rückschläge verarbeiten.

WM-Quali gegen China

Doch vor kurzem — und damit rund drei Jahre nach dem Tryout-Turnier — klingelte Krügers Telefon. Am anderen Ende war der Nationaltrainer Guams. „Richtig geil“, sei das gewesen, so Krüger. Zwar endete das letzte Aufeinandertreffen Guams gegen China mit einer 19:0-Niederlage. Und auch das Qualifikationsspiel am Donnerstag endete mit einer 0:7-Niederlage. Für Krüger reichte es zwar nur für einen Platz auf der Bank. Den konnte er in dem beeindruckenden Stadion aber sicherlich trotzdem genießen. Und wer weiß, was die Zukunft für den Wiesbadener Stürmer bringt. (nl)

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