Wären Bienen-Haltestellen auch in Wiesbaden möglich?

Mit bienenfreundlich bepflanzten Haltestellen-Dächern nimmt Utrecht aktuell eine Vorreiterrolle ein. Die Idee gefällt vielen Menschen — aber wäre das auch in Wiesbaden realistisch?

Wären Bienen-Haltestellen auch in Wiesbaden möglich?

Seit einigen Wochen kursieren Bilder aus der niederländischen Stadt Utrecht auf Facebook, Twitter und in den Medien. Denn dort gibt es seit kurzem bienenfreundliche Bushaltestellen. Deren Dächer sind begrünt und bepflanzt, bieten Bienen und anderen Insekten Lebensraum und sollen die Luftqualität verbessern. Was in Utrecht ein Beitrag zum Natur- und Klimaschutz ist, gibt es in Deutschland — zumindest in dieser Form — noch nicht. Aber könnte sich das schon bald ändern?

Auch viele Wiesbadener können sich bienenfreundliche Haltestellendächer an Bushaltestellen vorstellen. Unter ihnen ist auch Merkurist-Leser Christian. In seinem Snip fragt er: „Utrecht verwandelt 316 Bushaltestellen in grüne Oasen und begrünt die Dächer mit Mauerpfeffern. Kann Wiesbaden auch?“

Die Statik wird zum Problem

„Sie erfüllen die erforderlichen statischen Voraussetzungen nicht“ - Michael Spannaus, Sprecher ESWE

Nur ein kleiner Teil der Wiesbadener Haltestellenhäuschen gehören ESWE Verkehr selbst. Für diese gilt aber: Grüne Dächer bleiben vorerst nur ein Wunschtraum. „Sie erfüllen die erforderlichen statischen Voraussetzungen nicht und können auch nicht nachgerüstet werden“, so Michael Spannaus, Sprecher der ESWE. Für bienenfreundliche Haltestellen müssten neue Wartehäuschen aufgestellt werden. Doch das sei momentan nicht geplant — denn die Haltestellen seien teilweise erst vor kurzem modernisiert worden.

Und was ist mit den restlichen Haltestellen? Verantwortlich für die übrigen Wiesbadener Wartehäuschen ist die Stadt gemeinsam mit einem externen Dienstleister, der Wall GmbH aus Berlin, die die Häuschen als Stadtmöbel zur Verfügung stellt. Sowohl das Unternehmen als auch die Stadt sind sich einig: Änderungen am Design der Häuschen müssen, so will es der Vertrag, mit beiden Seiten abgestimmt werden.

Stadt steht Idee aufgeschlossen gegenüber

„Jeder Maßnahme, die der Förderung der Artenvielfalt dienlich ist, steht das Umwelt- und Verkehrsdezernat grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber“ - Sprecher des Umweltdezernats

„Jeder Maßnahme, die der Förderung der Artenvielfalt dienlich ist, steht das Umwelt- und Verkehrsdezernat grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber“, so ein Sprecher des städtischen Umweltdezernats. Prinzipiell sei eine Begrünung von Haltestellen denkbar — abgesehen von der Abstimmung mit dem Dienstleister müsse man aber noch einige Dinge abklären. „In weiteren Schritten wäre technisch zu prüfen, inwiefern die vorhandenen Wartehallen für eine solche Begrünung in Frage kämen“, so der Sprecher, „und abhängig davon, wie hoch die für die Umsetzung einer solchen Maßnahme notwendigen finanziellen Bedarfe wären.“

Günstiger und effektiver für Bienen und Insekten könnten laut Umweltdezernat blühende Wiesen in der Stadt sein. Dabei werden Blühwiesen angelegt oder Rasenflächen umgewandelt, um neuen Lebensraum für verschiedene Insektenarten im städtischen Raum zu schaffen. In Wiesbaden gibt es das bereits — auf der rund 5000 Quadratmeter großen Grünfläche zwischen Erstem Ring und den Gebäuden am Gustav-Stresemann-Ring mit den Hausnummern 11 bis 15.

„Die zuständigen Fachämter planen derzeit, weitere Grünflächen insektenfreundlicher zu gestalten“ - Sprecher des Umweltdezernats

Dabei soll es aber nicht bleiben. „Die zuständigen Fachämter planen derzeit, weitere Grünflächen insektenfreundlicher zu gestalten“, so der Sprecher des Dezernats. Und auch wenn die Haltestellen vermutlich noch etwas warten müssen — zumindest auf Privathäusern in Wiesbaden sind grüne Dächer schon gern gesehen. Beim Umweltamt können sich Wiesbadener zu Dachbegrünungen beraten lassen. Die Stadt unterstützt das mit Fördermitteln. (ts)

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