Der Luisenplatz und seine Bedeutung für die Innenstadt

Bushaltestelle, Parkhaus, Trinkertreff oder Flaniermeile - Der Luisenplatz in der Innenstadt hat viele Gesichter. Wir haben ihn mit Ortsvorsteher Roland Presber besucht und uns vor Ort ein Bild gemacht.

Der Luisenplatz und seine Bedeutung für die Innenstadt

Wer heute mit dem Rücken zur Bonifatiuskirche steht und über den Luisenplatz schaut, blickt auf einen mehrere Meter hohen Obelisken und auf die Rheinstraße. Umsäumt ist der Platz von Ministerien und Bürogebäuden, in der Nähe des Oraniendenkmals stehen im Sommer Tische und Sonnenschirme vor dem „Gastwerk Degenhardt“.

Herzögliche Route

So sah es auf dem Luisenplatz nicht immer aus. Vor allem die Aussicht, war ursprünglich ganz anders gedacht. „Der Platz wurde angelegt als Sichtachse zum Biebricher Schloss“, erzählt Ortsvorsteher Roland Presber (SPD). Als Politiker und auch als Stadtführer kennt er den Ort gut. „Herzog Wilhelm zu Nassau ließ die Anlage errichten. Über die Adolfsallee und die Biebricher Allee war sie die kürzeste Verbindung zur Sommerresidenz am Rheinufer“, erzählt er.

„Hier ist immer was los. Doch genau das stört auch viele.“ - Ortsvorsteher Roland Presber

Die Sicht wird inzwischen durch das Hochhaus des „Motel One“ neben dem Hauptbahnhof verdeckt. Doch der Stil des Platzes erinnert seit den frühen 1980er Jahren wieder an seine Entstehungszeit im frühen 19. Jahrhundert. Im klassizistischen Stil verlaufen kleine Hecken und Geländer über den Luisenplatz. Und auch Sitzgelegenheiten gibt es genug, um von einem reinen Aufenthaltsort zu sprechen. „Hier ist immer was los. Doch genau das stört auch viele“, erklärt Presber.

Aufenthaltsort

In der Stadt habe der Platz den Ruf eines Trinkertreffpunkts. „Hier kommen viele her, die sich regelmäßig auf eine Flasche Bier treffen“, weiß Presber. Vielen Spaziergängern sei das ein Dorn im Auge, „aber es kann sich nicht jeder regelmäßige Besuche in Cafés und Bars leisten.“ Die Folge der Aufenthalte stellen sich häufig als Kronkorken und Scherben auf dem Boden dar. „Es gab hier mal ein öffentliches WC“, nennt Presber ein weiteres Problem. „Doch weil Vandalen es immer wieder umgetreten oder verschmutzt haben, ist inzwischen keine Firma mehr bereit, hier etwas aufzustellen“, bedauert er.

Stattdessen gingen jetzt viele auf die Toilette in der Tiefgarage unter dem Luisenplatz. „Aber nicht nur deshalb sind wir froh, das Parkhaus zu haben“, sagt der Ortsvorsteher. Er erinnert sich noch gut an die 1970er Jahre, als die Autos auf dem Platz noch überirdisch standen. Das Stadtlexikon spricht über den Parkplatz sogar als „den Tiefpunkt des Erscheinungsbildes des Luisenplatzes“.

Verkehrsachse und Treffpunkt

Dass unmittelbar auf dem Platz aber immer noch Busse im Minutentakt an der großen Haltestelle halten, findet Presber gut: „Der Platz ist verschrien. Besonders abends wenn die Büros leer sind und der Platz kaum beleuchtet, haben viele Wiesbadener Angst hierher zu kommen.“ Diesen Eindruck bestätigte vor Kurzem auch eine groß angelegte Studie der Stadt, bei der viele Teilnehmer den Platz ganz konkret als Angstplatz nannten. „Aber durch die Haltestelle ist immer was los“, sieht Presber einen Sicherheitsaspekt in den vielen Bussen. „Die Polizeistatistiken zeigen allerdings auch, dass hier selten etwas passiert“, betont Presber.

Für den Ortsvorsteher ist der Luisenplatz viel mehr ein Ort, an dem die Wiesbadener zusammenkommen. „Jeden Sonntag kommt die private Obachlosenhilfe vorbei. Diese mobile Tafel ist sehr wichtig für unsere Stadt und wir sind froh, dass dieses Engagement hier so regelmäßig stattfindet“, freut sich der Ortsvorsteher. (nl)

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