2500 Landwirte demonstrieren in Wiesbaden für mehr Anerkennung

Landwirte aus ganz Hessen sind am Dienstag in Wiesbaden auf Traktoren unterwegs. Bei einer Demo forderten sie mehr Anerkennung durch die Politik. Am Nachmittag machen sie sich auf den Rückweg, was zu Staus führen kann.

2500 Landwirte demonstrieren in Wiesbaden für mehr Anerkennung

Am Dienstag herrschte Ausnahmezustand in der Mainzer Straße. Weil sich dort Landwirte aus ganz Hessen und den angrenzenden Bundesländern zu einer Demonstration getroffen haben, war die Straße von 8 bis 16 Uhr gesperrt.

Sperrung seit 8 Uhr

Statt Autos blockierten im Berufsverkehr Traktoren die Fahrbahn. Insgesamt rund 1000 Fahrzeuge waren gekommen, bis zum Treffpunkt vor dem Landwirtschaftsministerium hatten sie zum Teil mehrstündige Fahrten über Landstraßen hinter sich. Seit etwa 15 Uhr machen sich die geschätzten 2500 Demonstrationsteilnehmer wieder auf Heimweg. Die Mainzer Straße ist deshalb wieder für den Verkehr freigegeben. Dennoch rechnet die Polizei am späten Nachmittag und frühen Abend noch mit etlichen Staus und Verkehrsbehinderungen — besonders während des Feierabendverkehrs.

Zu der Aktion hatte das Bündnis „Land schafft Verbindung“, einem Zusammenschluss von Landwirten in ganz Deutschland, aufgerufen. Ziel der Teilnehmer war es, auf die Lage der Landwirte aufmerksam zu machen, und mit Politikern ins Gespräch zu kommen. Bei einer Kundgebung am Mittag erzählten deshalb mehrere Bauern und Viehzüchter aus ihrem Alltag und von ihren Sorgen.

Teils weite Anfahrt

Martin Schmidt, Landwirt aus Nordhessen, erzählte etwa, dass er in seiner Region Angst hat, dass Wölfe wieder heimisch werden und das Leben seiner rund 200 Kühe und Schafe und die Arbeitsstellen seiner Familie und Mitarbeiter gefährden. Ein Schäfer aus der Rhön äußerte ähnliche Bedenken. Er wünscht sich mehr Unterstützung durch die Politik, um seine Tiere zu schützen und den Betrieb am Laufen halten zu können. Zudem kritisierten viele Teilnehmer, dass die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit oft als nicht nachhaltig genug dargestellt wird. Ein Landwirt, der in der Nähe des Hessischen Rieds wohnt, versicherte deshalb, dass weder Dünger noch Pflanzenschutzmittel in den vergangenen Jahren zu verschlechterten Werten im Grundwasser geführt haben.

„Sie brauchen mehr Respekt.“ - Umweltministerin Priska Hinz

Mit ihren Beiträgen verschafften sich die Landwirte auch bei den Politikern im Ministerium Gehör. So äußerte sich auch Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Grüne) auf der Bühne. Sie zeigte vor allem für die finanziellen Ängste der Bauern Verständnis, denn viele Produkte aus landwirtschaftlichen Betrieben bringen den Bauern nicht mehr genug Geld ein, um ihren Hof langfristig aufrecht erhalten zu können. „Die Preise sind nicht in Ordnung. Sie brauchen mehr Respekt und diesen sollen Sie auch bekommen.“

Hinz kündigte öffentlich an, dass das Land im kommenden Jahr mehr Geld in den Klimaschutz, die Verbesserung der Artenvielfalt und in die Landschaftspflegeverbände stecken will. Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV) äußerte gegenüber Hinz aber auch den Wunsch, nach mehr Anerkennung für Landwirte in der Gesellschaft: „Ebenso wichtig wäre allerdings, dass Sie unseren Bauernfamilien in der öffentlichen Diskussion den Rücken stärken und sich klar zu unserer Landwirtschaft bekennen. Das vermissen wir.“

Weitere Demo in Mainz

Für Mittwoch hat das Bündnis „Land schafft Verbindung“ eine weitere Demonstration im Rhein-Main-Gebiet angekündigt. Dann werden bis zu 700 Traktoren in Mainz erwartet. Sie treffen sich von 11 bis 15 Uhr auf dem Ernst-Ludwig-Platz. (nl)

Logo