Bei Corona-Verdacht: Diese Anlaufstellen gibt es in Wiesbaden

Immer mehr Wiesbadener melden sich beim Gesundheitsamt aus Angst, sich mit dem Corona-Virus infiziert zu haben. Welche Schritte notwendig sind, wenn der Verdacht begründet ist, erklärt die Leiterin des Wiesbadener Gesundheitsamtes.

Bei Corona-Verdacht: Diese Anlaufstellen gibt es in Wiesbaden

Nicht erst seit am Dienstagabend der erste bestätigte Fall von Corona in Mainz bekannt wurde (wir berichteten), sind viele Wiesbadener vorsichtig geworden: Anzeichen einer Grippe nehmen sie in diesen Tagen besonders ernst, zum Teil, weil sie fürchten, sich mit dem Virus angesteckt zu haben und dringend die passende Behandlung benötigen, zum Teil aber auch aus Angst, andere in ihrem Umfeld anzustecken.

Vorsichtige Wiesbadener

So ging es auch einer Wiesbadener Apothekerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Sie erzählt gegenüber Merkurist, dass sie an ihrer Arbeitsstelle in Taunusstein täglich in Kontakt mit vielen Kunden kommt. Die meisten von ihnen sind krank und haben deshalb ein schwaches Immunsystem. Um sie bei eigener Krankheit nicht anzustecken, muss die Wiesbadenerin an ihrer Arbeitsstelle in Taunusstein immer strenge Hygienevorschriften einhalten und achtet von sich aus darauf, nur gesund zum Dienst zu erscheinen.

Weil sich die Grippefälle unter ihren Kunden derzeit häufen, habe die Wiesbadenerin schnell Alarm geschlagen, als auch sie vergangene Woche erste Anzeichen einer Erkältung spürte — vor allem, weil sie erst vor Kurzem von einer Reise nach Venedig zurückkam, das von Robert-Koch-Institut (RKI) als Risikogebiet für das Coronavirus eingestuft wurde. Vom Arbeitgeber wurde sie schnell vorerst vom Dienst befreit.

Hilfestellung vom Gesundheitsamt

„Wir haben die Infohotlines inzwischen schon intensiviert.“ - Kaschlin Butt, Gesundheitsamt

Obwohl ihre Symptome noch nicht stark ausgeprägt waren, suchte die Apothekerin nach Hilfe beim Wiesbadener Gesundheitsamt. Dort stehen derzeit die Telefonleitungen kaum still, wie Amtsleiterin Dr. Kaschlin Butt auf Nachfrage von Merkurist berichtet. „Wir haben das Infotelefon inzwischen stärker besetzt, sodass wir mit mehr Menschen die Leitungen bedienen und Anrufe annehmen können“, sagt sie. Die Hotline sei nämlich ein wichtiges Instrument, um Fragen von Betroffenen zu klären, oder gegebenenfalls Ärzte zu vermitteln.

Wichtige Anamneseschritte

„Viele, die anrufen, beschreiben Grippesymptome.“ - Kaschlin Butt, Gesundheitsamt

„Viele, die anrufen, beschreiben Grippesymptome. Eine Anamnese am Telefon kann schon helfen, einzustufen, wie wahrscheinlich ein Corona-Fall ist“, sagt Butt. So werde nach vergangenen Reisezielen gefragt, oder ob die Personen zu bestätigten Fällen Kontakt hatten. Wenn ein Anrufer in den vergangenen zwei Wochen in einem Risikogebiet war, könne das ein Anzeichen für eine Ansteckung sein, denn so lange betrage die sogenannte Inkubationszeit des Virus’. Gemeint ist damit die Dauer, die zwischen der Ansteckung und den ersten Symptomen liegt.

Bei der Apothekerin aus Wiesbaden lag die Reise schon länger zurück, doch wer innerhalb der Inkubationszeit des Virus’ Kontakt zu den Erregern gehabt haben könnte, muss auf eine Ansteckung getestet werden. „Das geht derzeit nicht bei jedem Arzt“, erklärt Butt. „Die Mittel sind begrenzt, wir sind derzeit auch dran, neue Tests und Materialien zu beschaffen“. Grundsätzlich vermittle das Gesundheitsamt aber zwischen Patienten und durchführenden Arztpraxen.

Beschränkte Mittel

„Wir müssen mit unseren Mitteln gut haushalten.“ - Kaschlin Butt, Gesundheitsamt

„Wir müssen mit unseren Mitteln gut haushalten. Deshalb können wir nicht jeden, der erste Anzeichen hat, aber eigentlich noch fit ist, direkt in eine Klinik stecken“, sagt Butt. Sie rät allen, die einen Verdacht haben, sich entweder über das Infotelefon beraten zu lassen oder mit dem eigenen Hausarzt in Kontakt zu treten— am besten ebenfalls per Telefon. „Sich einfach in ein volles Wartezimmer oder in eine Notaufnahme zu setzen, ist in diesem Fall auch keine gute Idee“, sagt Butt und verweist darauf, dass die Eindämmung des Virus’ zur wichtigsten Aufgabe des Amtes gehört.

Wenn ein Verdachtsfall nach der Anamnese am Telefon durch die Berater oder einen Hausarzt nach den Richtlinien des RKIs als begründet eingestuft wird, solle der Patient am besten direkt in häuslicher Quarantäne bleiben. Auch für den Besuch beim Arzt seien dann unter Umständen bestimmte Hygienemaßnahmen notwendig. Darüber, so Butt, entscheide der Arzt dann von Fall zu Fall. Auch die Apothekerin aus Wiesbaden konnte sich Anfang der Woche schließlich von einem Hausarzt testen lassen. Dafür wurden Proben von ihren Schleimhäuten auf den Erreger getestet. Nach wenigen Tagen gab es schließlich Entwarnung: Sie hatte sich nicht mit dem Virus angesteckt. (nl/ts)

Alle Infostellen auf einen Blick:

Service-Nummer des Gesundheitsamtes (montags bis freitags, 8 bis 16 Uhr): (0611) 312828

Infotelefon (täglich 6 bis 8 Uhr und 16 bis 22 Uhr): (0611) 318080

Infotelefon des Infektionsschutzes (montags bis freitags 8 bis 16 Uhr): (0611) 312801

Hessenweite Hotline (täglich 8 bis 20 Uhr): (0800) 5554666

Logo