„Erschütterung auf dem Arbeitsmarkt“: Drei von zehn Wiesbadener Unternehmen in Kurzarbeit

Das Gastgewerbe ist besonders betroffen

„Erschütterung auf dem Arbeitsmarkt“: Drei von zehn Wiesbadener Unternehmen in Kurzarbeit

Rund drei von zehn Unternehmen haben seit Beginn der Coronavirus-Pandemie Kurzarbeit angemeldet. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Bezug auf neueste Zahlen der Bundesagentur für Arbeit mit.

Bis Ende April haben demnach 2396 der insgesamt 8291 Betriebe in Wiesbaden Kurzarbeitergeld bei der Arbeitsagentur beantragt. Zu Beginn der Krise im März waren es noch 34 Firmen. In ganz Hessen haben bislang 52.139 Betriebe — und damit fast ein Drittel — Kurzarbeit angemeldet.

„Die Branche liegt seit Wochen weitgehend brach. Gerade kleinere Hotels und Gaststätten kämpfen ums Überleben.“ - Peter-Martin Cox, NGG-Geschäftsführer Region Rhein-Main

Peter-Martin Cox, Geschäftsführer der NGG-Region Rhein-Main, spricht in diesem Zusammenhang von einer „Erschütterung auf dem heimischen Arbeitsmarkt“. Besonders betroffen sei das Gastgewerbe. „Die Branche liegt seit Wochen weitgehend brach. Gerade kleinere Hotels und Gaststätten kämpfen ums Überleben“, so Cox. Es sei gut, dass die Bundesregierung ein Rettungspaket für die Unternehmen geschnürt hat. Aber: „Für die Beschäftigten kommt die beschlossene Erhöhung des Kurzarbeitergeldes zu spät“, so der NGG-Region Rhein-Main Geschäftsführer.

„Vielen wird nur der Gang zum Sozialamt oder zum Job-Center bleiben.“ - Peter-Martin Cox

Denn das Lohnausfallgeld steige erst nach sieben Monaten Kurzarbeit auf 80 Prozent des Netto-Einkommens; bei Eltern auf 87 Prozent. Für die Mitarbeiter des Gastgewerbes sei das eine enorme Durststrecke. „Vielen wird nur der Gang zum Sozialamt oder zum Job-Center bleiben“, warnt Cox. Eine Mitverantwortung für die Lage trage der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Anders als etwa in der Systemgastronomie, wie McDonald’s, Starbucks und Nordsee würden sich die Arbeitgeber bis heute weigern, das Kurzarbeitergeld per Tarifvertrag aufzustocken, so Cox.

Perspektive für Wiederbelebung finden

Es sei deshalb jetzt umso wichtiger, eine Perspektive zu finden, um das Gastgewerbe langsam wiederzubeleben, ohne den Gesundheitsschutz zu vernachlässigen. Bei jedem Restaurant, das in Wiesbaden wieder öffnen wolle, müssten die Behörden kontrollieren, ob die Schutzmaßnahmen für die Gäste ausreichen, so die NGG.

Um die Beschäftigten optimal vor Infektionen zu schützen, sei eine gründliche Beurteilung der Gefährdung nötig. Darüber hinaus brauche es ausreichend Personal, das sich neben Küche und Service darum kümmert, dass die Hygiene- und Abstandsregeln wirklich eingehalten werden. „Kellnerinnen, die darauf achten, dass Tische und Stühle nicht zusammengeschoben werden. Und ebenso genug Köche in der Küche, damit es keinen Wartestau beim Essen und damit ein zu volles Lokal gibt. Kein Restaurant sollte hier auf Sparflamme kochen, sondern die Wiedereröffnung frühzeitig akribisch planen“, so Cox.

Bundesweit 751.000 Betriebe in Kurzarbeit

Bis wieder ein „Stück Normalität“ in die Branche einziehe, bleibe der Schaden für Beschäftigte und Betriebe groß. Nach Angaben der Arbeitsagentur haben bis Ende April bundesweit 751.000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet – 115.000 davon im Hotel- und Gaststättengewerbe. Das sind 72 Prozent aller Betriebe der Branche. (mo)

Logo