„Alarmierend“: Vielen Wiesbadenern reicht das Gehalt nicht zum Leben

Oft Haushalte mit Kindern betroffen

„Alarmierend“: Vielen Wiesbadenern reicht das Gehalt nicht zum Leben

Viele Wiesbadener sind trotz Job auf Hartz IV angewiesen. Fast 5000 Wiesbadener und damit jeder vierte erwerbsfähige Hartz-IV-Bezieher ist laut Bundesagentur für Arbeit ein „Aufstocker“. In vielen betroffenen Haushalten leben Kinder. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nennt das „alarmierend“.

Niedrige Löhne sind Hauptursache

Laut Arbeitsagentur leben bei fast 2500 Hartz-IV-Aufstockern in Wiesbaden Kinder im Haushalt. 788 dieser Haushalte werden von Alleinerziehenden geführt – 88 Prozent von ihnen sind Frauen. Nach Beobachtung des NGG-Regionalchefs Peter-Martin Cox seien niedrige Löhne eine Hauptursache des Problems: „Wer an der Bäckertheke oder in der Gaststätte arbeitet und dabei nur einen Mini- oder Teilzeitjob hat, für den wird es am Monatsende extrem eng.“ Nur wenn die Einkommen deutlich stiegen, könne die Arbeit wieder zum Leben reichen. Der Plan der Bundesregierung, den gesetzlichen Mindestlohn auf 12 Euro pro Stunde zu erhöhen, sei dabei ein wichtiger erster Schritt.

„Armut darf nicht vererbt werden.“ - Peter-Martin Cox, NGG

„Besonders wichtig ist es, die Lage von Kindern in Hartz-IV-Haushalten zu verbessern. Armut darf nicht vererbt werden“, betont Cox. Die von der Ampel-Koalition angekündigte Kindergrundsicherung sei ein „richtiger Schritt“. Mit der Reform sollen bisherige Leistungen für Kinder gebündelt und ein höheres Existenzminimum festgelegt werden. „Hier ist entscheidend, das Armutsrisiko für Kinder zu minimieren – indem die Bedarfssätze für Heranwachsende deutlich steigen“, so Cox. Das von Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) versprochene Gesetz dazu müsse nun rasch auf den Weg gebracht werden. Wichtig sei zugleich, das Hartz-IV-System zu reformieren, damit auch Menschen, die derzeit keine Chance auf Arbeit hätten, in Würde leben könnten. Auch der Regelsatz für Alleinerziehende sei zu niedrig.

Unternehmen in der Pflicht

Cox begrüßt die Pläne der Bundesregierung, Hartz IV durch ein sogenanntes Bürgergeld zu ersetzen. Das Bürgergeld müsse höher sein als die bisherigen Leistungen aus der Grundsicherung – und für Betroffene leichter zu beantragen. Die bisherigen, oft sehr harten Sanktionen gehörten grundsätzlich auf den Prüfstand. „Beim Thema Aufstocker gilt aber auch: Die Unternehmen stehen ebenso in der Verantwortung. Sie müssen armutsfeste, tariflich abgesicherte Jobs bieten, damit niemand überhaupt erst aufstocken muss“, fordert Cox. Faire Löhne und attraktive Arbeitsbedingungen seien zugleich der beste Schutz vor dem Fachkräftemangel in vielen Branchen.

Logo