Übergriffe auf Rettungskräfte: So sieht es in Wiesbaden aus

In der Silvesternacht kam es bundesweit zu Übergriffen auf Rettungskräfte. Der hessische Innenminister fordert nun strengere Gesetze. Was die Wiesbadener Einsatzleute dazu sagen.

Übergriffe auf Rettungskräfte: So sieht es in Wiesbaden aus

Nach erneut bundesweiten Übergriffen auf Rettungskräfte in der Silvesternacht fordert der hessische Innenminister Peter Beuth härtere Strafen. Nach aktueller Gesetzeslage droht bei Angriffen auf Rettungskräfte eine Freiheitsstrafe von drei Monaten, welche in eine Geldstrafe umgewandelt werden kann. Beuth fordert mindestens sechs Monate.

Mehr Rechtssicherheit erwünscht

Viele Wiesbadener Einsatzkräfte begrüßen strengere Strafen - vor allem aber, wünschen sie sich mehr Rechtssicherheit. Doch während zum Jahreswechsel in Oberhausen zwei Beamte mit Feuerwerksraketen beschossen wurden und in Leipzig die Polizei mit Wasserwerfern gegen Angriffe mit Steinen und Knallkörpern vorgehen musste, sieht die Situation in Wiesbaden bisher eher ruhig aus: Die Polizei Westhessen teilte auf Nachfrage von Merkurist mit, dass es in der Stadt zu keinen nennenswerten Vorfällen gekommen sei.

„Geltendes Recht muss angewendet werden.“ - Florian Erbacher, Pressesprecher Feuerwehr Wiesbaden

Auch die Feuerwehr Wiesbaden konnte laut Pressesprecher Florian Erbacher keine Angriffe auf Einsatzkräfte verzeichnen. Rettungskräfte von DRK, ASB und Johanniter seien laut ihm häufiger betroffen. „Gewalt gegen Einsatzkräfte häuft sich vor allem unter Alkoholeinfluss“, äußert er sich. Dementsprechend sei der Silvesterabend als Höhepunkt solcher Übergriffe zu verstehen. Aber auch an anderen Tagen des Jahres nehme die Gewalt gegen Rettungskräfte im Vergleich zu den Vorjahren zu. Es gehe jetzt aber vor allem darum, dass die Gesetzesgrundlage umgesetzt wird. „Geltendes Recht muss angewendet werden“, so Erbacher.

„Es muss härtere Konsequenzen geben.“ - Christoph Hewel, Wachleiter DRK Wiesbaden

Dies bestätigt auch Christoph Hewel, Wachleiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Wiesbaden. „Es muss härtere Konsequenzen geben“, äußert er. Schließlich geht es um den Schutz der Einsatzkräfte. Am Silvesterabend konnte aber auch das DRK keine besonderen Zwischenfälle feststellen. Über das zentrale Meldesystem seien keine Meldungen eingegangen. Dieses ist für eben solche Fälle gedacht. Generell schätzt Hewel die Situation aber kritischer ein als noch vor ein paar Jahren. „Das Aggressionspotential scheint höher angesiedelt“, sagt er.

Immer mehr Gaffer

„Die Gafferproblematik betrifft uns stärker.“ - Florian Erbacher

Ein größeres Problem sieht Erbacher in der steigenden Zahl von Gaffern - vor allem bei Einsätzen nach Verkehrsunfällen. „Die Gafferproblematik betrifft uns stärker“, so Erbacher. Grade weil Rettungswege blockiert werden, käme es vermehrt zu Staus, wodurch die Rettungskräfte die Unfallstelle nur zeitverzögert erreichen um mit den Räumarbeiten beginnen und Verletzte versorgen zu können.

Nach aktueller Gesetzeslage müssen Gaffer mit einem Bußgeld von 20 bis 1000 Euro rechnen. Bei Fotografieren oder Filmen, wie auch unterlassener Hilfeleistung droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.

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