Warum der Andreasmarkt keine Zukunft hat

Lange Jahre strömten Jung und Alt zum Wiesbadener Andreasmarkt. Dann begannen die Besucherzahlen zu schrumpfen, der Markt wurde verlegt und verschwand schließlich ganz aus dem Veranstaltungskalender.

Warum der Andreasmarkt keine Zukunft hat

Der Wiesbadener Andreasmarkt kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Schon im 14. Jahrhundert fand ein Markt in Wiesbaden um den Andreastag Ende November Erwähnung. Seit 2009 gibt es das Fest aber nicht mehr. Daran wird sich wahrscheinlich auch nichts ändern.

Einer, der den Markt schon oft besucht hat, ist Hans-Peter Schickel. Der gebürtige Westendler schrieb in seiner Kolumne in „Mensch!Westend“ über die Geschichte des Fests. Demnach sei nicht genau bekannt, wann der erste Andreasmarkt in Wiesbaden stattgefunden habe. Ältere Urkunden aus dem 14. Jahrhundert beschreiben aber bereits einen Jahrmarkt in der Stadt, der schon damals um den Andreastag, der das Ende eines Kirchenjahres markiert, angesiedelt war.

Damals aber natürlich noch nicht mit Fahrgeschäften und lauter Musik. Vielmehr dienten solche Märkte früher typischerweise dazu, dass sich die Stadtbewohner vor dem kalten Winter noch mit warmer Kleidung eindecken konnten. Die Weiterentwicklung zu einem Vergnügungsmarkt wurde erst später vollzogen.

Hochzeit und Abebben

Das geschah zu Beginn des 19. Jahrhunderts, zunächst aber an wechselnden Standorten. Wie Schikel zu berichten weiß, fand der Andreasmarkt mal in der Wellritzstraße, mal am Blücherplatz statt. 1924 fand er dann seine Heimat am Elsässer Platz, wo er von dort an jährlich stattfand.

Nachdem das Fest während des Zweiten Weltkriegs aussetzen musste, fand es seine Hochzeit in den anschließenden Wirtschaftswunderjahren in den 50er- und 60er-Jahren. Dort nahm er auch die Gestalt an, die er bis zu seinem vorläufigen Ende beibehalten hatte: Fahrgeschäfte wie Autoscooter und Karussels fanden ihren Weg auf den Markt. Mit dem „Dippemarkt“, wo es Alltagsgegenstände wie die namensgebenden Töpfe zu kaufen gab, bewahrte sich der Andreasmarkt entlang der Klarenthaler Straße ein Stück seiner Ursprünglichkeit.

Den schleichenden Besucherrückgang führt Schickel auf mehrere Ursache zurück. So sei es am Elsässer Platz nicht mehr möglich gewesen, Raum für die immer größeren, modernen Fahrgeschäfte zu finden. Auch der parallel stattfindende Weihnachtsmarkt zog einen Teil der Besucher ab. Eine Verlegung auf Anfang November, wo noch kein Weihnachtsmarkt stattfand, brachte aber nicht den gewünschten Erfolg.

Aus am Elsässer Platz

Daher entschied sich der Ortsbeirat Westend/Bleichstraße 2009 dazu, den Markt zukünftig nicht mehr stattfinden zu lassen. Stattdessen wurde die Organisation an die Gibber Kerbegesellschaft in Biebrich abgegeben. Dort machte man sich auch gleich an die Planung, richtete 2010 noch einen letzten Andreasmarkt in Biebrich aus. Doch danach war es vorbei.

Zwar trauern noch heute viele Wiesbadener dem Markt nach, doch die Anwohner im Westend sind da gespaltener. Immerhin war der Elsässer Platz für die Dauer des Andreasmarktes sowie Auf- und Abbau nicht mehr als Parkplatz geeignet. Ärger bekam die Stadt von Schaustellern, die durch den Wegfall des Marktes finanzielle Einbußen erwarteten. Ein Schausteller verklagte die Stadt, dass diese den Markt wieder in ihr Programm aufnehmen solle. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden wies die Klage jedoch ab.

Was bringt die Zukunft?

Aber egal ob auf der Gibb oder im Westend: Auch in Zukunft wird es wohl kein Comeback für das Fest geben. „Wir haben keinerlei Bestrebungen, den Andreasmarkt wieder aufleben zu lassen“, erklärte Martin Michel von „Wiesbaden Marketing“ bereits vor ein paar Jahren. Auch die Gibber Kerbegesellschaft habe keine Interesse an einer Fortsetzung. Gefeiert wird auf dem Elsässer Platz aber trotzdem noch: Denn dort findet im April jährlich das Frühlingsfest statt. (js)

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