Als neben der Theodor-Heuss-Brücke eine zweite Rheinbrücke stand

Heute ist die Theodor-Heuss-Brücke die einzige Verbindung über dem Rhein, um direkt von Mainz-Kastel nach Mainz und zurück zu kommen. Das war aber nicht immer so. 13 Jahre lang gab es dort eine weitere Rheinbrücke.

Als neben der Theodor-Heuss-Brücke eine zweite Rheinbrücke stand

Eine weitere Brücke, auf die man ausweichen könnte: Das wünschen sich wahrscheinlich einige Pendler, die zurzeit Umwege fahren müssen, weil die Theodor-Heuss-Brücke für den Autoverkehr gesperrt ist. Heute müssen Autofahrer auf die Weisenauer oder die Schiersteiner Brücke ausweichen — vor über 70 Jahren hätten sie es einfacher gehabt. Denn damals gab es zwischen Mainz-Kastel und Mainz tatsächlich noch eine zweite Rheinbrücke, wie sich Merkurist-Leser Michael erinnert:

Die Alexander-M.-Patch-Brücke ist aus der Not geboren. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs erreichten die amerikanischen Truppen Mainz und fanden alle Brücken — darunter auch die heutige Theodor-Heuss-Brücke, die damals noch Straßenbrücke hieß — in Trümmern vor. Die deutschen Truppen hatten sie bei ihrem Rückzug gesprengt. Es musste also ein Ersatz her, um über den Rhein zu kommen.

Die Truppen bauten also zunächst in nur zehn Stunden eine Brücke zwischen dem Rathenau-Platz in Mainz-Kastel und Mainz, nur 500 Meter entfernt von der gesprengten Straßenbrücke. Die schwimmende Brücke bestand nur rund einen Monat lang, sollte aber später die Grundlage für die Alexander-M.-Patch-Brücke werden.

In unter drei Monaten errichtet

Denn weil die gesprengte Straßenbrücke nicht schnell genug wiederhergestellt werden konnte, baute man auf Höhe der ehemaligen schwimmenden Brücke kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue. In weniger als drei Monaten errichteten die Truppen also die nach einem amerikanischen General benannte Alexander-M.-Patch-Brücke.

Die Behelfsbrücke bestand aus 27 Stahlrohrstützen, auf denen eine Konstruktion aus Stahl und Holz lag. Tragen konnte sie rund 40 Tonnen bei Verkehr in beiden Richtungen und rund 70 Tonnen, wenn sie nur in eine Richtung befahren wurde. Amerikanische und französische Besatzungstruppen weihten sie am 18. Januar 1946 ein.


Auch nachdem die Straßenbrücke am 15. Mai 1950 als Theodor-Heuss-Brücke wiedereröffnet wurde, konnte man die Alexander-M.-Patch-Brücke weiterhin nutzen. Allerdings war sie nur zu bestimmten Tageszeiten geöffnet, weil sie nicht mehr als ganz sicher galt.

Die Stadt diskutierte damals noch darüber, ob man am Standort der Brücke nicht eine zweite feste Rheinbrücke bauen sollte um die Theodor-Heuss-Brücke zu entlasten. Mit der Planung der Schiersteiner und der Weisenauer Brücke wurde das Konzept aber verworfen. Nachdem die Stadt die beiden Brücken am 12. Dezember 1962 eingeweiht hatte, sperrte man die Alexander-M.-Patch-Brücke schließlich. Im Frühjahr 1963 wurde dann mit dem Abbau begonnen.

13 Jahre lang existierte die zweite Rheinbrücke also noch neben der Theodor-Heuss-Brücke. Heute erinnert nur noch eine Parkanlage an sie. In der Eleonorenstraße wurde die Rampe der Alexander-M.-Patch-Brücke neu inszeniert. Dort wo früher einmal die Brücke stand, kann man sich jetzt hinsetzen und den Blick über den Rhein schweifen lassen. (nl)

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