Nach seiner vorübergehenden Schließung im letzten Sommer hat das „Café Klatsch“ in der Marcobrunner Straße 9 gegen Ende des Jahres wieder geöffnet und ist nun als Genossenschaft und Ehrenamt neu aufgestellt. Perspektivisch will sich das Klatsch wieder als fester Treffpunkt im Wiesbadener Rheingauviertel verankern.
Der Neustart kam nicht aus dem Nichts. Im Hintergrund hatte sich eine Gründungsgruppe zusammengetan, um das Klatsch als solidarischen, selbstverwalteten Treffpunkt zu retten. Über eine Spendenkampagne und den Verkauf von Genossenschaftsanteilen wurde Geld gesammelt, damit der traditionsreiche Ort weiterbestehen kann (wir berichteten).
Der Kiez erhält seinen Treffpunkt zurück
In der mehrmonatigen Pause wurde renoviert und umstrukturiert. Personell gibt es kaum mehr Überschneidungen zwischen dem alten und dem neuen Kollektiv. Dennoch sieht das Team das Klatsch nicht als völlig neues Projekt, sondern als neues Kapitel in der langjährigen Geschichte des Cafés.
Das Café Klatsch gilt seit mehr als 40 Jahren als feste Größe in Wiesbaden. Als linksalternativer Kultur- und Begegnungsort hat es sich einen Ruf als Treffpunkt für unterschiedliche Generationen und Milieus erarbeitet, mit einer Mischung aus Alltag, Politik, Kultur und Kneipenkultur.
Genossenschaft soll Betrieb langfristig halten
Mit der Rückkehr setzt das Klatsch auf Gemeinschaft statt klassisches Gastro-Modell. Die Genossenschaft soll den Betrieb langfristig absichern und zugleich Raum für Veranstaltungen, Austausch und ehrenamtliches Engagement bieten.
Das Klatsch versteht den gewählten Mix aus Genossenschaft und Ehrenamt nicht als bloße Rettungsaktion, sondern auch als Weiterentwicklung des Selbstverwaltungsgedankens, sagt Jannek, ein aktives Mitglied des Kollektivs. „Das hat bislang gut funktioniert, aber wir erleben gerade auch, dass das Klatsch vielen Menschen sehr am Herzen liegt. Die Unterstützung war von der Renovierung bis zu den ersten Schritten, die wir jetzt im Betrieb gehen, überwältigend und macht große Hoffnung, dass wir auch die Dinge stemmen werden, die noch nicht ganz rund laufen“.
Ein solches Konzept bringe einige Herausforderungen mit sich. So braucht es einen großen Pool an Menschen, die Verantwortung übernehmen, mit anpacken und an einem Strang ziehen. Entscheidungen müssen gemeinsam getroffen werden, finanzielle Absicherung bleibt ein zentrales Thema, und der Alltag lebt von ehrenamtlichem Engagement.
Das Klatsch-Team arbeite aktuell noch daran, den Betrieb Schritt für Schritt zu stabilisieren. Noch ist nicht alles fertig. Die Renovierung der Küche stehe noch aus und werde auch noch einige Zeit brauchen. Über den geplanten Küchenbetrieb etwa werde viel im Kollektiv diskutiert. Rein ehrenamtlich wird das nach Einschätzung der Mitglieder wahrscheinlich nicht zufriedenstellend möglich sein. Mittelfristig sei man daher nach wie vor dafür offen, wieder bezahlte Arbeitsplätze im Betrieb zu schaffen.
Offener Kultur- und Begegnungsort mit diversem Team und buntem Programm
Das Team will mehr kulturelle und politische Veranstaltungen organisieren, als es das Klatsch in den Jahren vor der Umstrukturierung schaffen konnte. Wichtig sei dabei, einen guten Mix zu finden. So werde es ernste Themen als auch unterhaltsame Formate wie das Pub Quiz, DJ-Abende oder Konzerte geben.
Einmal im Monat findet künftig außerdem ein „Nachbarschaftscafé“ statt, das vor allem einen offenen Begegnungsraum schaffen soll. Aktuell zeigt das Klatsch zudem eine Bilder-Ausstellung des Wiesbadener Künstlers Maotse, und am 25. April gibt es ein Konzert von „Ton Steine Scherben“. Darüber hinaus kann das Klatsch außerhalb des Regelbetriebs für Plena genutzt und von einzelnen Gruppen angemietet werden, beispielsweise für Kneipen- oder Spieleabende.
Künftig erweiterte Öffnungszeiten
Mittelfristig möchte das Café Klatsch seine Öffnungszeiten (Donnerstag bis Samstag ab 18 Uhr) erweitern und regelmäßig wieder Café-Betrieb anbieten. Dazu wird noch Unterstützung gebraucht, etwa in ehrenamtlichen Schichten, zum Beispiel im Barbetrieb oder bei Veranstaltungen.
Interessierte können über mitmachen@klatschgenossenschaft.de Kontakt zum Team aufnehmen oder persönlich im Klatsch vorbeikommen. Auch Spenden sind willkommen. Eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft ist zunächst nur für die Menschen vorgesehen, die Schichten übernehmen oder in Klatsch-Kreisen anderweitig aktiv sind.