Was macht die NSA in Wiesbaden?

Auf dem Gelände der Clay-Kaserne wird fleißig gebaut. Im Consolidated Intelligence Center sollen Informationen für die im Ausland stationierten Streitkräfte zusammengetragen werden. Hilft dabei auch der Geheimdienst NSA mit?

Was macht die NSA in Wiesbaden?

Spätestens seit der Überwachungs- und Spionageaaffäre 2013 kennt fast jeder den Begriff NSA. Die National Security Agency ist der größte Auslandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten. Viele verbinden den Begriff mit Spionage, Überwachung privater Telefongespräche und sehen die NSA als „Big Brother“, der alles sieht, hört und weiß.

Umso größer war das — mittlerweile wieder verhallte — Entsetzen darüber, als zunächst die „Mitteldeutsche Zeitung“ und anschließend der „Spiegel“ im Sommer 2013 berichteten, die NSA werde sich auf dem Gelände der Erbenheimer Clay-Kaserne niederlassen. Grund für die Spekulationen war die Aussage des damaligen Chefs des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler, der vor dem Innenausschuss des Bundestages bestätigte, dass die NSA in das Consolidated Intelligence Center (CIC) in Wiesbaden einziehen werde. Weder die Army noch die NSA bestätigten diese Informationen.

Millionen-Bauprojekt auf der Clay-Kaserne

Das CIC hätte eigentlich bereits vor Jahren fertiggestellt worden sein. 2015 wurde als Eröffnungsjahr genannt. Auf Merkurist-Anfrage erklärt eine Sprecherin der Streitkräfte in Wiesbaden jedoch, dass die Bauarbeiten noch laufen. „Das Projekt ist schon seit vielen Jahren in Planung, darüber wurde auch öffentlich informiert“, sagt sie.

„Diese Frage müssen Sie an die NSA richten.“ - Sprecherin US Army Europe

„Das CIC ermöglicht die Bündelung von Nachrichtendienstlichem Material, um die US-Streitkräfte in Europa und Afrika zu unterstützen“, so die Sprecherin weiter. Konkret bedeutet das, dass dort (sicherheits-)relevante Informationen für die im Ausland stationierten Truppen zusammenlaufen. Ob in den über 100 Millionen Dollar teuren Komplex auch die NSA einziehen werde? „Dazu können wir nichts sagen, diese Frage müssen sie an die NSA selbst richten“, so die Sprecherin aus Wiesbaden.

Für das Gebäude werden laut „Spiegel“-Informationen sowohl Arbeiter als auch Materialien aus den USA eingeflogen. Alles wird strengstens überwacht. Die Behörden setzen auf maximale Abschottung. Wie viele Mitarbeiter in den abhörsicheren Büros einmal beschäftigt sein werden, wollte die Sprecherin nicht sagen.

Geheimdienst hält Antworten geheim

Im „Dagger Complex“ in Darmstadt, so viel ist bekannt, unterstützt die NSA die dortigen Analysten dabei, relevante Daten für die im Ausland stationierten Streitkräfte zu sammeln. Große Antennen lassen dies bereits von Weitem vermuten. Wenn das CIC in Wiesbaden bezogen wird, sollen auch die Analysten aus Darmstadt dorthin verlegt werden. Die Vermutung liegt nahe, dass dann auch die NSA mit umziehen wird.

„Wir können nichts zur Beantwortung dieser Frage beitragen.“ - NSA

Nach anfänglicher Zusage, die an die Behörde gerichteten Fragen von Merkurist zu beantworten, erklärt die NSA nur verspätet: „Wir haben im Team Rücksprache gehalten, können aber bedauerlicherweise nichts zur Beantwortung der von Ihnen gestellten Fragen beitragen.“ Man solle sich an die Medienabteilung des CIC, beziehungsweise direkt an Wiesbaden wenden. Doch dort wird der Ball bezüglich NSA-Anfragen wieder zurück an den Geheimdienst gespielt. (lp)

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