Die Initiative „Moment mal” e.V. organisiert seit 2018 Veranstaltungen rund um den Umgang mit extrem rechten Bewegungen. In den vergangenen Jahren fanden Veranstaltungen unter anderem im Museum Wiesbaden, im Rathaus oder im Staatstheater statt.
Seit 2024 arbeitet „Moment mal” gemeinsam mit dem Schlachthof Wiesbaden an der Veranstaltungsreihe „defend democracy!“. Nach Angaben des Vereins entstand die Zusammenarbeit vor dem Hintergrund der zahlreichen Demonstrationen gegen Rechts im Frühjahr 2024. „Gemeinsam haben wir das Ziel, die demokratische Zivilgesellschaft zu dauerhaftem, nachhaltigem Engagement zu motivieren,” sagt das Team im Gespräch mit Merkurist.
Rechtsextremismus und Demokratie im Mittelpunkt
Bei den Veranstaltungen geht es laut „Moment mal” vor allem um die Strategien, Netzwerke und Ideologien der extremen Rechten sowie um deren Auswirkungen auf das demokratische Gemeinwesen. „Darüber hinaus wollen wir mit unseren Veranstaltungen Mut machen, sich aktiv für die Demokratie einzusetzen. Und zwar auf ganz unterschiedliche Art und Weise,” erklärt der Verein.
Dazu lädt „Moment mal” Referentinnen und Referenten aus Wissenschaft und Journalismus ein. Die Vorträge sollen fachlich fundiert und gleichzeitig auch für Menschen ohne entsprechendes Vorwissen verständlich sein. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die jeweiligen Themen gemeinsam zu diskutieren. „Wir möchten in jedem Fall vermitteln, dass wir alle etwas bewirken können und dass wir uns von einer erstarkenden extremen Rechten nicht einschüchtern lassen,” sagt der Verein. „Wir haben die Macht, dem etwas entgegenzusetzen.”
Der Schlachthof sei dafür aufgrund seiner Größe, Bekanntheit und seines diversen Publikums ein geeigneter Veranstaltungsort. Der Verein beobachte, dass bei den Veranstaltungen auch immer wieder neue Besucherinnen und Besucher hinzukämen.
Nächster Termin mit Matthias Quent
Am Mittwoch (23. September) steht das Thema „Keine Macht der Ohnmacht” auf dem Programm. Zu Gast ist Soziologe und Rechtsextremismus-Experte Prof. Dr. Matthias Quent. An diesem Abend soll es unter anderem um das Gefühl der Ohnmacht, dessen gesellschaftliche Gründe und politische Folgen sowie um Wege aus der Hilflosigkeit heraus gehen. Auch aktuelle politische Entwicklungen sollen zur Sprache kommen. „Die aktuelle Situation nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wird mit Sicherheit Thema sein,” sagt das „Moment mal”-Team.
Weitere Termine stehen fest
Für die kommenden Monate sind bereits weitere Veranstaltungen angekündigt: Am 25. November 2026 kommen die Journalisten Dirk Laabs und Michael Kraske nach Wiesbaden. Thema ist ihr neues Buch „Widersetzt euch! Wie wir gemeinsam den neuen Faschismus besiegen“.
Am 14. Dezember 2026 geht es unter dem Titel „Im autoritären Zangengriff. Europa zwischen Putin und Trump“ um internationale Sicherheitspolitik. Als Gäste sind die Politikwissenschaftlerin Dr. Jana Puglierin und der Historiker Volker Depkat angekündigt.
Auch für 2027 plant „Moment mal” weitere Veranstaltungen. Als eines der geplanten Themen nennt der Verein Antifeminismus. Die Veranstaltungen richten sich nach Angaben des Vereins an alle Interessierten, unabhängig davon, ob sie bereits politisch aktiv sind. Der Eintritt ist kostenlos.
Verein wirbt um Spenden
Neben öffentlichen Fördermitteln ist „Moment mal” auch auf Spenden angewiesen. Der Verein erklärt, dass bestimmte Veranstaltungen nicht über öffentliche Mittel der Demokratieförderung finanziert werden können: „Wir sind auf Spendengelder angewiesen, um auch solche Veranstaltungen umsetzen zu können, die nach aktuellen Förderkriterien nicht zuschussfähig sind, weil zum Beispiel die AfD klar als rechtsextreme Partei im Titel benannt wird. Darüber hinaus sollten sich Initiativen und Vereine nie allein auf öffentliche Förderung verlassen. Es ist wichtig, eine gewisse Unabhängigkeit aufzubauen.” Über eine Crowdfunding-Kampagne sollen deshalb zusätzliche finanzielle Mittel eingeworben werden.
„Statement für die Demokratie“
„Moment mal” bezeichnet den Besuch der Veranstaltungen als „Statement für die Demokratie“. Der Verein verbindet damit die Auseinandersetzung mit politischen Themen und die Beschäftigung mit Strategien gegen Rechtsextremismus. „Wir wenden uns an alle Menschen, denen das Erstarken des Rechtsextremismus Sorge bereitet.”
Über die Veranstaltungen hinaus wünscht sich „Moment mal”, dass Besucherinnen und Besucher die dort gewonnenen Informationen und Anregungen auch in ihr persönliches Umfeld mitnehmen und dort über demokratische Themen diskutieren. „Egal ob im Job, in der eigenen Familie, am Stammtisch, im Sportverein oder im Schrebergarten. Wir treten ein für eine offene, demokratische Gesellschaft. Wenn wir hierzu ein Stück beitragen können, dann hat sich unsere Arbeit gelohnt.”
Weitere Informationen und Termine gibt es auf der Website.