Hunderte Schäfer demonstrieren in Wiesbaden aus Angst vor dem Wolf

Mehrere hundert Schäfer aus ganz Hessen haben am Mittwoch auf dem Luisenplatz demonstriert. Sie fordern von der Landesregierung einen besseren Schutz vor Angriffen durch Wölfe.

Hunderte Schäfer demonstrieren in Wiesbaden aus Angst vor dem Wolf

Bei den hessischen Schäfern geht die Angst um. Sie haben Angst vor einer Bedrohung, die ihr Bundesland zwar noch nicht wirklich erreicht hat, im Osten Deutschlands aber schon für Schrecken gesorgt hat: der Wolf. Wegen der steigenden Zahl an getöteten Tieren dort, haben sich am Mittwoch hunderte Schäfer aus dem ganzen Bundesland auf dem Luisenplatz versammelt, um gemeinsam zu demonstrieren.

Existenz bedroht

„Der Wolf bedroht unsere Existenz“, erklärt eine Schäferin aus der Wetterau, die den Weg in die Landeshauptstadt am Mittwoch auf sich genommen hat. Ihre 400 Tiere große Herde würde auf einer großen Weide grasen, die nur schwer mit Zäunen zu umgrenzen sei. Umso leichter sei es daher für einen Wolf, die Schafe anzugreifen und zu reißen. „So ein Wolfsangriff wäre eine absolute Katastrophe für unsere Zucht“, so die Schäferin. Das größte Problem seien dabei nicht die Tiere, die getötet werden, sondern die Situation der Schafe, die den Angriff überleben: „Das würde die ganze Herde durcheinanderbringen. Die Tiere wären verstört und rennen in alle Richtungen, etwa auch auf Autobahnen oder Bahngleise.“

„Ein Schäfer, dessen Tiere von einem Wolf angegriffen wurden, schläft keine ruhige Minute mehr.“ - Richard Heintz vom Schafzuchtverband

Ähnlich sieht das auch Richard Heintz vom hessischen Schafzuchtverband: „Ein Schäfer, dessen Tiere von einem Wolf angegriffen wurden, schläft keine ruhige Minute mehr aus Angst um seine Schafe.“ Die Kritik von Heintz richtet sich vor allem an die hessische Landesregierung. Diese hatte 2019 mehrere Maßnahmen verabschiedet, um die hessischen Schäfer gegen potentielle Wolfsangriffe zu schützen. So will die Landesregierung den Schäfern etwa eine Entschädigung für getötete Tiere zahlen und Kosten für Schutzzäune übernehmen. Das sei aus der Sicht von Heintz aber ungenügend: „Egal wie hoch man die Zäune baut, der Wolf findet meistens seinen Weg.“ Der effektivste Schutz sei aus seiner Sicht eine aktive Begrenzung der Wolfspopulation durch Abschüsse.

Ministerin gegen Abschüsse

„Wir müssen lernen, mit dem Wolf zu leben.“ - Priska Hinz

Dem widerspricht die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Grüne), die von den Demonstranten am Mittwoch als Rednerin eingeladen war: „Wir müssen lernen, mit dem Wolf zu leben“, erklärte die Ministerin, begleitet von vielen Buh-Rufen. Um die aufgebrachten Schäfer zu beschwichtigen, betonte Hinz in ihrer Rede mehrfach, wie wichtig die Schäfer auch für den Naturschutz in Hessen seien. So würde die Pflege der Weiden die Insektenvielfalt garantieren und der Boden dadurch einen großen Teil Co2 speichern. Und auch die Ängste der Viehhalter würden von der Landesregierung ernst genommen: „Ich möchte diese Situation ändern, deshalb wollen wir die Weidetierhalter bei ihren zahlreichen Herausforderungen unterstützen“, erklärt Hinz.

Anders als viele Schäfer sehe sie aber die Prävention als beste Maßnahme, um den Wolf von den Schafen fern zu halten. In einem gemeinsamen Gespräch mit dem Schafzuchtverband wolle sie daher weitere Maßnahmen erarbeiten, um den Schutz für die Tiere zu verbessern. Die 2019 beschlossene „Herdenschutzprämie“ in Höhe von 31 Euro pro Hektar Fläche solle schon bald auf 40 Euro angehoben werden. Auch sicherte Hinz den Schäfern bei möglichen Angriffen Entschädigungen zu: „Wir möchten gemeinsam mit den Weidetierhaltern Lösungen entwickeln und freuen uns auf den weiteren Austausch“, so Hinz.

Während viele Demonstranten den Ausführungen der Ministerin eher skeptisch reagierten, bedankte sich Heintz für die Zusagen. Er freue sich auf das gemeinsame Gespräch mit Hinz Ende des Monats und hofft auf einen konstruktiven Austausch. (ms)

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