Trauerfeier für verstorbene Obdachlose in Wiesbaden

Obdachlose verbringen ihr Leben auch in Wiesbaden oft am Rande der Gesellschaft. Damit sie aber nach ihrem Tod Beachtung finden, findet in der St. Bonifatiuskirche ein Trauergottesdienst für verstorbene statt.

Trauerfeier für verstorbene Obdachlose in Wiesbaden

Sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen, das ist für viele eine unbequeme Sache. Dabei mag es etwas tröstend sein, wenn man weiß, dass Angehörige und Freunde einem gedenken. Leider gibt es auch Menschen, die am Ende des Lebens ganz alleine sind. Dazu gehören auch Wohnungslose, die häufig unbemerkt von der restlichen Welt versterben.

Letzte Ehre erweisen

„Für jeden verstorbenen Obdachlosen wird eine Kerze entzündet.“ - Philippe Jaeck, Pfarramt

Damit diese Menschen auch nach ihrem Tod eine letzte Ehrerbietung erfahren, haben sich die Wiesbadener Kirchen und die Teestube zusammengetan und laden zu einem gemeinsamen Gedenkgottesdienst ein. Er soll dazu dienen, gemeinsam den verstorbenen Obdachlosen zu gedenken. „Für jeden verstorbenen Obdachlosen wird eine Kerze entzündet und eine Trauerminute eingelegt“, erzählt Philippe Jaeck vom katholischen Pfarramt in Wiesbaden. Anschließend gebe es auch die Möglichkeit, dass Bekannte des Toten sich noch kurz zu Wort melden.

„Der eigene Tod ist für viele Obdachlose ein Tabu-Thema.“ - Matthias Röhrig, Teestube

Da Obdachlose während ihrer Lebenszeit an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, sei es wichtig, ihnen so eine letzte Ehre zu erweisen. „Der eigene Tod ist für viele Obdachlose ein Tabu-Thema“ erzählt Matthias Röhrig von der Wiesbadener Teestube. Viele ihrer Gäste seien drogen- oder alkoholsüchtig und hätten ihr Leben aufgegeben. Wenn man aber bemerke, dass es mit dem Leben zu Ende gehe, sei für diese Menschen häufig nicht einfach, einen würdevollen Ort zum Sterben zu bekommen.

Als aktuelles Beispiel nennt Röhrig einen wohnungslosen Mann aus Osteuropa: „Seine staatlichen Leistungsansprüche sind verfallen, dazu hat er Lungenkrebs und durch seinen Alkoholismus schwere Gedächtnisprobleme.“ Zwar würde er von der Teestube immer wieder ins Krankenhaus gebracht, aufgrund der fehlenden Krankenversicherung entließen sie ihn aber immer wieder. Nach einem Schlaganfall habe man jetzt aber für den Mann einen Platz in einer Notfallunterkunft gefunden, wo er durch einen Pflegedienst betreut wird.

„Damit solche Menschen einen würdevollen Platz für ihre letzten Tage haben, arbeiten wir gerade an einer Lösung“, so Röhrig. So könne er sich etwa einen Container vorstellen, wo diese Menschen untergebracht und betreut werden.

Was passiert nach dem Tod?

Ob ein Obdachloser nach seinem Tod eine Beerdigung und eine Trauerfeier bekommt, sei unterschiedlich, erklärt der Teestuben-Leiter. Entscheidend sei dabei etwa, wo der Obdachlose verstirbt: „Wenn sie im Krankenhaus versterben, ist dieses zunächst zuständig, einen Bestatter zu finden. Ansonsten findet eine Ausschreibung der Stadt Wiesbaden statt.“ Die meisten Wohnungslosen würden ihre letzte Ruhestätte entweder auf dem Wiesbadener Südfriedhof finden, oder würden eingeäschert und ihre Überreste nach Bayerisch Eisenstein gebracht. Das Versenden der Asche nach Bayern führt die Stadt schon seit vielen Jahren durch, um Kosten zu sparen, da Beerdigungen dort deutlich günstiger sind.

Da viele Wiesbadener Obdachlose aus Osteuropa stammen, käme es auch vor, dass sich Angehörige von dort melden, und sich dann um eine Beerdigung im Heimatland bemühen, so Röhrig. Aber egal wie die Menschen beerdigt werden, dass wichtigste sei laut Röhrig, dass man ihnen gedenke. Genau dazu solle der Gottesdienst einen kleinen Beitrag leisten.

Der Gedenkgottesdienst in der St. Bonifatiuskirche findet am Donnerstag, 14. November um 12:30 Uhr statt. Er soll etwa eine Stunde lang dauern und ist für jeden offen. (js)

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