Wiesbaden erinnert mit vielen Veranstaltungen an Opfer des NS-Regimes

Rund um den 27. Januar erinnert Wiesbaden mit einer großen Veranstaltungsreihe an die Opfer des Nationalsozialismus. Vorträge, Konzerte und Ausstellungen sollen das Gedenken wachhalten.

Wiesbaden erinnert mit vielen Veranstaltungen an Opfer des NS-Regimes

Der 27. Januar ist der internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und markiert den Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz im Jahr 1945. Wie die Stadt mitteilt, erinnert Wiesbaden bereits seit 1998 mit der Reihe „Erinnern an die Opfer“ auf an die Verbrechen des NS-Regimes.

Die zentrale Gedenkveranstaltung findet am Dienstag, 27. Januar, um 19 Uhr im Kulturforum Wiesbaden statt. Dort werden der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende sprechen. Im Anschluss gestalten Studenten der Wiesbadener Musikakademie ein Gedenkkonzert. Dabei rücken sie Künstler in den Fokus, deren Werke von den Nationalsozialisten als sogenannte „entartete Kunst“ verfemt und verboten wurden. Dies betraf alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die nicht der Ideologie des NS-Regimes entsprachen, sowie die Werke jüdischer Künstler.

„Kultur ist entscheidend für eine lebendige Demokratie“

Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl sagt. „Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 wurden alle unerwünschten Künstlerinnen und Künstler gewaltsam aus öffentlichen Ämtern entfernt“, erklärt er. Juden und politische Gegner seien mit Berufsverboten belegt worden. Diese „Vernichtung von Kunst und Kultur“ habe alle Sparten betroffen. „Umso wichtiger ist es, an sie, das an ihnen verübte Unrecht und die reichhaltige Kunstszene vor 1933 zu erinnern. Denn Kultur ist als Raum für kritischen Diskurs ganz entscheidend für eine lebendige, demokratische Gesellschaft“, so Schmehl.

Die Veranstaltungsreihe wird vom Kulturamt gemeinsam mit zahlreichen Wiesbadener Vereinen und Institutionen getragen, die in der Gedenk- und Bildungsarbeit aktiv sind. Erstmals gibt es in diesem Jahr auch Veranstaltungen auf Anfrage. Zudem macht schon vor der offiziellen Eröffnung die Ausstellung „Rechter Terror in Hessen“ im Rathausfoyer auf das Thema aufmerksam.

Vielfältiges Programm von Vorträgen bis zu Ausstellungen

Die Reihe startet bereits am Montag, 19. Januar, in der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden mit einem Vortrag über das Leben der Auschwitz-Überlebenden Anna Kaletska. Das weitere Programm ist breit gefächert und umfasst unter anderem Filmvorführungen im Murnau-Filmtheater, Diskussionen über den Umgang mit belasteter Kunst in Kirchen und Gedenkkonzerte.

Das Stadtmuseum am Markt lädt zu erinnerungskulturellen Rundgängen ein, während das Staatstheater an den Wiesbadener Komponisten Heinz Lewin erinnert. Weitere Veranstaltungen beleuchten die Schicksale einzelner Personen wie des Richters Dr. Wilhelm Dreyer oder den Widerstand der Zeugen Jehovas. Eine Ausstellung im Kunsthaus widmet sich ab dem 11. Februar den als homosexuell verfolgten Häftlingen in Konzentrationslagern. Den Abschluss der Reihe bildet ein Abend über die Dichterin Masha Kaléko in der Jüdischen Gemeinde.

Alle Informationen und das vollständige Programm finden sich unter www.wiesbaden.de/erinnern.