Warum es kaum kinderfreundliche Cafés in Wiesbaden gibt

Wer in Wiesbaden mit kleinen Kindern ein Café besuchen möchte, hat nicht viel Auswahl. Ein Grund sind die hohen Mieten in der Stadt, die solch eine spezielle Gastronomie unbezahlbar machen.

Warum es kaum kinderfreundliche Cafés in Wiesbaden gibt

Die Tage werden kürzer, das Wetter wird kälter und nasser: Der Herbst ist auch in Wiesbaden angekommen. Für Familien mit kleinen Kindern bedeutet das auch, dass der Ausflug zum Spielplatz eher unangenehm wird. Alternativ bietet sich vielleicht ein Besuch in einem kinderfreundlichen Café in der Stadt an, wo sowohl Groß als auch Klein einen schönen Nachmittag verbringen können. Doch so ein Lokal in Wiesbaden zu finden ist gar nicht so leicht.

Café Wellritz

Seit neun Jahren gibt es in der Wellritzstraße 38 mit dem Café Wellritz ein Lokal, was sich speziell an Familien mit kleinen Kindern richtet. „Von Speisekarte, Einrichtung sowie Öffnungszeiten ist unser Café vollständig auf Kinder eingestellt“, erzählt Oliver Thut, Bereichsleiter des Cafés. Das funktioniere aber nur, weil das Café durch kommunale Gelder gefördert werde, so Thut. „Bis auf ein paar Festangestellte arbeiten bei uns nur Leute, die über den zweiten Arbeitsmarkt vermittelt wurden.“ Im Wellritz arbeiten Langzeitarbeitslose oder Menschen, die in psychiatrischer Behandlung sind und daher auf dem normalen Arbeitsmarkt keinen Job finden.

Dazu bietet das Café seine Getränke und Speisen sehr günstig an, sodass sich auch sozial schwächere Familien einen Besuch leisten könnten, meint Thut. „Unser Angebot ist eine klare Nische in Wiesbaden. Ein kommerziell betriebenes Café hätte da keine Chance.“

Hohe Mieten

Ähnlich sieht das auch Matthias Gerber, Vorsitzender des Hotel- und Gastronomieverbands DEHOGA im Bezirk Westhessen: „Eine Gaststätte, die sich nur an Familien mit kleinen Kindern richtet, hat bei den hohen Mietpreisen in Wiesbaden wenig Chancen.“ In Familiencafés würde generell weniger konsumiert als in normalen Gaststätten, erklärt Gerber. Dazu würde das Konzept andere Gäste, die in Ruhe ihren Kaffee trinken wollen, abschrecken. Auch die geringe Zahl von Sitzplätzen, bedingt durch Raum zum Spielen, biete wenig Platz für reguläre Café-Kunden.

„Bei der Höhe der Ladenmieten liegt Wiesbaden im absoluten Spitzenbereich“, so Gerber. Wer in der Innenstadt ein Café eröffne, sei daher auf zahlungskräftige Kunden angewiesen. „Natürlich gibt es auch in Wiesbaden Lokale, wo Eltern mit ihren kleinen Kindern hingehen, wie den Heimathafen, das Lumen oder die Villa Clementine. Diese Restaurants haben aber auch noch andere Zielgruppen“, so Gerber. In Mainz sehe die Sache anders aus: „Da gibt es in der Innenstadt mehrere Cafés speziell für Familien“, so Gerber. Den Grund dafür sieht er in der jüngeren Bevölkerungsstruktur auf der anderen Rheinseite sowie in den eher gemäßigten Mietpreisen.

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