Wiesbadener Schüler demonstrieren für Klimaschutz und werden dafür kritisiert

Im Rahmen der Klimaschutz-Aktion „Fridays For Future“ streiken Schüler freitags für Umweltschutz, anstatt in die Schule zu gehen. Auch Wiesbadener Jugendliche machen mit, gehen aber trotzdem in die Schule.

Wiesbadener Schüler demonstrieren für Klimaschutz und werden dafür kritisiert

Cara will sich für die Umwelt einsetzen. Die 17-jährige Schülerin aus Wiesbaden organisiert deshalb gemeinsam mit dem Stadtschülerrat und dem Jugendparlament den „Friday For Future“ in Wiesbaden — eine Demonstration für den Klimaschutz. Diesen Freitag sollen sich Schüler aus allen Wiesbadener Stadtteilen versammeln, um gemeinsam auf die Straße zu gehen und sich für eine bessere Welt einzusetzen.

Die Idee stammt ursprünglich aus Schweden. Dort streikt die 16-jährige Umweltaktivistin Greta Thunberg jeden Freitag für eine bessere Klimapolitik, anstatt in die Schule zu gehen. In vielen Städten weltweit hat die Aktion Anklang gefunden, Zehntausende Jugendliche legten die Schulbücher beiseite und machten bei dem Streik mit. Die Wiesbadener Schüler wollen mit ihrer Version gleich zwei Zeichen setzen — und machen es etwas anders als das schwedische Vorbild.

Jugendorganisationen wollen Veränderung sehen

„Die Erderwärmung geht uns alle was an“, erklärt die 19-jährige Stadtschulsprecherin und Mitorganisatorin Emely Dilcher. „Ich will meinen Kindern später nicht erklären müssen, dass ich nichts gegen die Zerstörung des Planeten unternommen habe, als noch die Zeit dazu war.“

„Hessen wird als Vorreiter im klimafreundlichen Verkehr gesehen. Dabei haben wir noch nicht mal anständige Radwege.“ - Cara, Schülerin

Cara, die sich auch im Jugendparlament engagiert, sieht das genauso. Ihr geht es bei der Demonstration in Wiesbaden vor allem um den Ausbau des ÖPNV. „Hessen wird als Vorreiter im klimafreundlichen Verkehr gesehen“, sagt sie. „Dabei haben wir noch nicht mal anständige Radwege.“ Sie wünscht sich bessere Busverbindungen, mehr E- oder Wasserstoff-Busse und sichere Fahrradwege. Und: Auch Bildung ist ihr wichtig.

Klimaschutz als Deckmantel für Schuleschwänzen?

Das betont sie, weil mittlerweile bis auf Bundesebene darüber diskutiert wird, ob die Streiks der Aktion „Fridays For Future“ nicht eigentlich einem Schuleschwänzen gleichkommen und mit Verweisen bestraft werden sollten.

Cara hat ähnliche Kritik auch aus verschiedenen Parteien und von Eltern gehört. Für sie selbst ist das unverständlich. „Mal ganz ehrlich, wer würde sich bei so einem Wetter freiwillig in die Kälte stellen, nur um ein paar Stunden Schule zu schwänzen?“, sagt sie. Und trotzdem: Die Organisatoren nennen die Aktion in Wiesbaden ganz bewusst nicht Streik, sondern Demo. Um den Kritikern zu zeigen, dass sie auch außerhalb der Schulzeiten für das Klima eintreten, haben sie sich für den Tag entschieden, an dem die Zeugnisse vergeben werden. Denn dann müssen die Schüler ohnehin nur wenige Stunden in die Schule gehen. „Ich mache bald Abitur, mir ist meine Bildung wichtig“, sagt Cara. Deshalb gehe sie am Freitag auch gerne zuerst in die Schule und dann — in ihrer Freizeit —auf die Demo. Rund 300 weitere erwartete Demonstranten scheinen das genauso zu sehen.

Los geht’s um 11 Uhr

Die Demo beginnt am Freitag um 11 Uhr vor dem Hauptbahnhof. Gemeinsam laufen die Schüler dann über die Oranienstraße und die Friedrichstraße in Richtung Rathaus. Dort werden einige Reden gehalten. Auch Umweltdezernent Andreas Kowol hat sich angekündigt. Wer noch teilnehmen möchte, kann einer WhatsApp-Gruppe beitreten, in der die Organisatoren alle aktuellen Infos bekanntgeben. (lp)

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