Schwimmbäder halten Windeln bereit

Nach dem Fäkal-Skandal im Thermalbad Aukammtal verkauft die Mattiaqua nun Schwimmwindeln in allen Wiesbadener Bädern. Mit großer Nachfrage rechnet Betriebsleiter Thomas Baum aber nicht.

Schwimmbäder halten Windeln bereit

Der stadteigene Bäderbetrieb Mattiaqua verkauft ab sofort in allen Schwimmbädern Wiesbadens Schwimmwindeln für Babys an der Kasse. Damit reagiert Betriebsleiter Thomas Baum auf die Diskussion nach dem Fäkalien-Vorfall im Thermalbad Aukammtal (wir berichteten). „Wir verkaufen in allen Bädern etwas an der Kasse, aber bisher war der Bedarf nach Windeln nicht da“, sagt Baum gegenüber Merkurist. „Um der Diskussion Rechnung zu tragen, haben wir sie jetzt aber testweise überall im Angebot.“

Dass die Entscheidung mit einer entsprechenden Forderung der AfD-Rathausfraktion zusammenhängt, weist Baum zurück. Die Fraktion hatte den Testlauf in einer Pressemitteilung als persönlichen Erfolg verbucht, weil sie sich zuvor für die Windeln eingesetzt habe. „Die Forderung der AfD hat nicht direkt damit zu tun“, relativiert Baum. „Wir haben die gesamte Presseberichterstattung des Themas betrachtet und auf dieser Basis entschieden.“

Mehrweg-Windel für zehn Euro

Sechs bis zwölf Monate soll die Testphase dauern, einen Kassenschlager erwartet Baum aber nicht. „Eine Mehrweg-Windel kostet zehn Euro. Viele Eltern kennen aber die Thematik und bringen gleich eigene Schwimmwindeln mit“, so der Betriebsleiter. Bleiben die Windeln tatsächlich ein Ladenhüter, werden sie an das Thermalbad Aukammtal weitergegeben, wo es laut Baum die meisten Schwimmkurse für Babys und Kleinkinder gibt. Es ist das einzige Schwimmbad, dass die badetauglichen Windeln ohnehin schon längst im Angebot hat - auch schon zu Zeiten des Fäkalien-Vorfalls im Januar.

„Welcher Erwachsene würde vor allen Leuten an der Kasse nach einer Schwimmwindel fragen und somit zugeben, dass er inkontinent ist?“ - Thomas Baum, Mattiaqua

Inwieweit der Windelverkauf tatsächlich für sauberere Schwimmbecken sorgt, ist daher umstritten. „Wir freuen uns, wenn wir mit den Windeln den ein oder anderen Einzelfall verhindern, aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Hälfte der fäkalen Verunreinigungen von Erwachsenen verursacht wird“, betont Baum. Zwar habe die Mattiaqua überlegt, auch Windeln für Erwachsene anzubieten, man sei aber zu dem Schluss gekommen, dass das nicht helfe. „Denn ganz ehrlich - welcher Erwachsene würde vor allen Leuten an der Kasse nach einer Schwimmwindel fragen und somit zugeben, dass er inkontinent ist?“

„Wir werden dem Problem nicht zu 100 Prozent Herr werden.“ - Thomas Baum, Mattiaqua

Auch eine strengere Durchsetzung der Baderegeln sieht Baum nicht als Garant an, dass die Becken fortan immer sauber bleiben. „In dem Moment, wo ein Kind im Wasser ist, sieht man nicht mehr, ob es eine Schwimmwindel trägt oder nicht“, sagt er. Und selbst wenn es gelinge, alle Babys lückenlos auf ihre Windel zu kontrollieren, gäbe es immer noch die inkontinenten Erwachsenen. „Egal was wir tun, wir werden dem Problem nicht zu 100 Prozent Herr werden“, fasst Baum zusammen. „Fäkale Verunreinigungen sind selten, aber sie kommen in allen Schwimmbädern der Welt vor. In Wiesbaden stehen wir dabei nicht besser oder schlechter da als anderswo.“

Merkurist