Warum die Preise für Schutzmasken oft so unterschiedlich sind

Wer derzeit in einer Apotheke oder online nach Schutzmasken sucht, zahlt nicht selten mindestens doppelt so viel wie vor der Corona-Krise. Sogar unter den Apotheken variieren die Preise. Woran das liegt und wen das besonders hart trifft.

Warum die Preise für Schutzmasken oft so unterschiedlich sind

Ab Montag gilt in Wiesbaden eine Maskenpflicht. Wer einkaufen geht, mit dem Bus fährt oder Geschäfte besucht, in denen es besonders eng ist, muss dann Mund und Nase bedecken. Tut man das wiederholt nicht, muss man mit einem Bußgeld rechnen. Viele Wiesbadener decken sich deshalb jetzt mit Masken ein und wundern sich über die Preise.


„Die Hersteller haben die Preise extrem angezogen.“ - Ursula Funke, Apothekerin

Einige Wiesbadener berichten davon, bis zu 15 Euro für eine FFP2-Maske in Apotheken gezahlt zu haben. Auch einfache Einwegmasken, die früher für Centpreise angeboten wurden, kosten das Vielfache. „Die Hersteller haben die Preise extrem angezogen“, sagt die Wiesbadener Apothekerin und Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen Ursula Funke. Mittlerweile könnten die meisten Apotheken zwar wieder ausreichend Masken anbieten, die Preise seien aber noch immer viel höher als vor der Pandemie.

Da Medizinprodukte wie Schutzmasken keiner Preisbindung unterliegen, sondern dem freien Markt, variieren die Preise von Tag zu Tag und je nach Nachfrage, so die Apothekerin. Apotheken bekommen täglich Angebote von Herstellern, müssen entscheiden, welches Angebot das beste ist und daraufhin ihre Verkaufspreise kalkulieren. Dadurch entstehen unterschiedliche Preise in verschiedenen Apotheken.

Medizinische Institutionen kämpfen mit Preisen

„Wir haben auch Angebote bis hin zu dem 8-fachen Preis erhalten.“ - Jeff Mertens, ASB

Die hohen Preise treffen aber nicht nur private Käufer in Apotheken oder im Netz. Auch medizinische Institutionen, die ihre Schutzausrüstungen in großen Mengen brauchen, leiden darunter. Der Arbeiter Samariter Bund Westhessen (ASB) kämpft seit Wochen mit Lieferengpässen und hohen Kosten. „Der Preis für FFP2-Masken hat sich seit Beginn der Corona-Krise im Durchschnitt um das Drei- bis Vierfache gesteigert. Aber wir haben auch Angebote bis hin zu dem 8-fachen Preis erhalten“, sagt Jeff Mertens, Bereichsleiter Rettungsdienst. Wegen dieser Situation musste der ASB die Wiesbadener sogar zwischenzeitlich dazu aufrufen, Masken zu spenden (wir berichteten). Mittlerweile habe sich die Lage zwar etwas verbessert, der ASB müsse aber weiterhin verlängerte Lieferzeiten und Lieferengpässe einkalkulieren, so Mertens.

Normalverbraucher sollen Alltagsmasken nutzen

Aufgrund dieser schwierigen Lage weisen Landes- und Bundespolitiker sowie das Robert Koch-Institut (RKI) immer wieder daraufhin, dass vor allem medizinische Atemschutzmasken wie FFP-Masken medizinischem Personal vorbehalten sein müssen. Sie schützen das Personal davor, sich mit dem Virus anzustecken. Für die meisten Menschen reiche im Alltag eine Mund-Nasen-Bedeckungen zum Beispiel aus Baumwollstoff aus.

Denn bei der Maskenpflicht ab Montag geht es eher darum, das Virus nicht weiter zu verbreiten. Alltagsmasken aus Stoff sollen dafür sorgen, dass Feuchtigkeit aus dem Atem durch Niesen oder Husten nicht so weit in die Umgebung verteilt wird. Außerdem dienen sie als eine Art Barriere. Wer sie trägt, fasst sich nicht direkt ins Gesicht und kann sich so besser vor einer Ansteckung schützen.

Masken richtig nutzen und Abstands- und Hygieneregeln einhalten

Apothekerin Ursula Funke spricht mit ihren Kunden darüber, welche Maske für sie die richtige ist. Ihr sei es besonders wichtig, dass die Wiesbadener wissen, wie sie mit den Masken umgehen müssen. Wer bei ihr in der „Neuen Apotheke“ am Bismarckring eine Maske kauft, bekommt einen Zettel mit Tipps dazu. „Viele Leute sagen, Masken sind Virenschleudern. Natürlich sind sie das, wenn man sie nicht entsprechend entsorgt, wäscht, oder in den Backofen wirft“, sagt die Apothekerin.

So könne man die Einweg-Masken aus Apotheken beispielsweise bei 70 Grad für eine halbe Stunde im Ofen backen, um die Viren zu töten. Dadurch könne man die Masken bis zu drei Mal wiederverwenden. Die meisten Stoffmasken ließen sich bei 60 Grad waschen. Nicht waschbare Stoff-Masken könnten hingegen mit einem heißen Bügeleisen von den Viren befreit werden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat dazu und zum richtigen Tragen der Masken ein Merkblatt erstellt.

„Maske tragen heißt nicht, dass wir auf alles andere verzichten dürfen.“ - Ursula Funke

Besonders wichtig ist Apothekerin Ursula Funke bei der nahenden Maskenpflicht aber eines: „Maske tragen heißt nicht, dass wir auf alles andere verzichten dürfen. Abstand halten und Handhygiene sind extrem wichtig. Die Maske ersetzt das nicht.“ Darauf machen auch das Robert Koch-Institut und die Politik regelmäßig aufmerksam. (js)

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