Kind (8) vor ICE geschubst: Prozess gegen Angreifer beginnt

Prozessbeginn rund ein Jahr nach der tödlichen Attacke

Kind (8) vor ICE geschubst: Prozess gegen Angreifer beginnt

Der Prozess im Fall des achtjährigen Jungen, der im vergangenen Jahr am Frankfurter Hauptbahnhof vor einen einfahrenden ICE geschubst und dabei getötet wurde, beginnt im August. Das teilte das Frankfurter Landgericht am Freitag mit. Angeklagt ist ein 41-Jähriger, der kurz nach der Tat von der Polizei festgenommen wurde.

Laut Anklageschrift stieß der Mann am Vormittag des 29. Juli 2019 die auf dem Bahnsteig stehende 40-jährige Mutter und ihren acht Jahre alten Sohn vor einen einfahrenden Zug auf die Gleise. Während sich die Mutter rechtzeitig zur Seite rollen konnte, wurde der Junge vom Zug erfasst und getötet. Im Anschluss daran soll der Angeklagte auch einer 78-jährigen Frau, die ebenfalls am Gleis stand, einen Stoß in den Rücken versetzt haben — sie stürzte und verletzte sich dabei schwer.

Der Angeklagte muss sich wegen Totschlags, versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen vor dem Schwurgericht verantworten. Laut Mitteilung des Landgerichts kämen auch Mord sowie versuchter Mord in zwei Fällen in Frage, „sofern die Beweisaufnahme ergeben sollte, dass der Beschuldigte unter bewusster Ausnutzung der Arg- und Wehrlosigkeit der Opfer (Heimtücke) gehandelt hat.“

Dauerhafte Unterbringung in Psychiatrie beantragt

Ob der Angeklagte tatsächlich ins Gefängnis kommt, ist allerdings unklar. „Aufgrund fachärztlicher Untersuchungen liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass die Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten wegen einer psychischen Erkrankung aufgehoben und er bei Begehung der Taten schuldunfähig war“, so das Landgericht. Im Dezember hatte die Staatsanwaltschaft ein Sicherungsverfahren beantragt und darin gefordert, den Angeklagten dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Aus Sicht des Sachverständigen bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Angeklagte in Zukunft weitere Gewaltdelikte begehen wird. Daher sei eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus erforderlich, so die Behörde damals.

Die Hauptverhandlung in dem Fall beginnt am 19. August um 9:30 Uhr in Raum I, Erdgeschoss, Gebäude E des Landgerichts. Vorerst sind sechs Verhandlungstermine angesetzt. (mo)

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