Wiesbadener Wissenschaftler: Füttern von Wasservögeln für Tiere gefährlich

Enten und Gänse füttern – vor allem Kinder lieben es. Die Tiere kommen dann ganz nah heran und nehmen das Futter gerne an. Doch ein Forscher aus Wiesbaden warnt: Wasservögel zu füttern kann den Tieren erheblich schaden – und ihrem Lebensraum.

Wiesbadener Wissenschaftler: Füttern von Wasservögeln für Tiere gefährlich

Altes Brot, Krümel aus der Tüte, Essensreste: Bei einem Ausflug zum See oder an den Rhein ist es besonders bei Kindern beliebt, Gänse, Enten oder Schwäne zu füttern. Doch zum einen ist das an vielen Stellen verboten, zum anderen können die Auswirkungen für die Tiere fatal sein, für Küken sogar tödlich. Das hat der Forscher Oliver Weirich aus Wiesbaden nun in einer umfangreichen Forschungsarbeit ermittelt. Wir haben mit ihm gesprochen.

Merkurist: Herr Weirich, an Seen und Flüssen werden gerne Wasservögel mit Brot gefüttert. Warum ist das keine gute Idee?

Oliver Weirich: Wenn Tiere gefüttert werden, können die Stellen verschmutzen, die Ansammlung der Vögel fördert bakterielle Infektionen unter den Vögeln. Vor allem für kleine, stehende Gewässer kann das problematisch werden, da sich schnell Nährstoffe ansammeln und so die Wasserqualität belastet wird. Zudem werden Beutegreifer wie Krähen und Ratten angelockt, die sich auch über Gelege und Jungvögel hermachen.

Können Wasservögel von der Fütterung krank werden ?

Wenn sich Wasservögel überwiegend von Brot und Getreide ernähren, sind Schäden wahrscheinlich. Dann fehlen ihnen essenzielle Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe und Rohfaser. Roggenbrot oder -körner können zudem Darmentzündungen verursachen. Besonders für Küken ist im Brot auch zu viel Salz enthalten. Süßes kann Verdauungsstörungen verursachen. Für Küken ist schon in manchen Broten und Brötchen zu viel Zucker enthalten. Ganz zu schweigen von verschimmelter Nahrung, die natürlich sehr schädlich sein kann.

Welche Vogelarten sind davon besonders gefährdet?

Vor allem Stockenten-Küken, die sich überwiegend von pflanzlicher Nahrung wie Brot und Getreide ernähren, geraten in Lebensgefahr, da ihnen tierisches Eiweiß fehlt. Sie und ihr Gefieder wachsen dann kaum und sie kühlen leicht aus. Die Verdauungsorgane können sich verkleinern, sodass die Verdauung nicht mehr an die natürliche Nahrung angepasst ist. Das kann besonders dann sehr problematisch werden, wenn sie ihren Lebensraum wechseln. Tierärzte gehen zudem davon aus, dass die Fütterung mit Brot und Getreide bei jungen Gänsen, Halbgänsen und Schwänen ein zu schnelles Wachstum der Handschwingen verursacht und dadurch das Auftreten von Kippflügeln begünstigt.

Die Vögel werden zutraulich, kommen näher an den Menschen heran. Vor allem Kinder freuen sich darüber. Kann die Fütterung auch für den Menschen problematisch werden?

Ja, Kinder genießen den Kontakt mit den Tieren und lernen gleichzeitig die einzelnen Arten kennen. An Badestellen steigt aber das Infektionsrisiko für Menschen durch Bakterien und Parasiten. Das Infektionsrisiko durch Gänse auf Liegewiesen wird jedoch als sehr gering eingeschätzt, ebenso das beim Füttern. Problematisch ist die Aufnahme von Wasser, welches mit Wasservogelkot belastet ist. Kinder schlucken beim Schwimmen so große Mengen Wasser, dass hier Infektionen drohen. Die Nähe zum Menschen führt auch zu Verhaltensänderungen der Vögel. Es kann gefährlich für sie werden, wenn sie die Scheu verlieren. Die Fütterung von Wasservögeln ist bei den Menschen beliebt, aber für die Tiere vollkommen überflüssig. In geeigneten Lebensräumen finden sie genug natürliche Nahrung. Eine Fütterung von Jungvögeln muss unbedingt vollständig unterlassen werden.

Herr Weirich, vielen Dank für das Gespräch!

Der Biologe Oliver Weirich ist Arbeitskreisleiter des HGON Wiesbaden und Rhein-Taunus-Kreis und Vogelschutzbeauftragter für die Stadt Wiesbaden. Seine Forschungsergebnisse wurden in zwei Teilen in der Fachzeitschrift „Vogelwarte“ veröffentlicht. Weirich studierte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und lebt in Wiesbaden.

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