Muss man bei einer Pfandspende mit einem Bußgeld rechnen?

Die Initiative „Pfand gehört daneben“ möchte erreichen, dass Pfandflaschen neben und nicht im Mülleimer abgestellt werden. Streng genommen ist das in Wiesbaden aber eine Ordnungswidrigkeit. Was sagt die Stadt zu der Aktion?

Muss man bei einer Pfandspende mit einem Bußgeld rechnen?

Für viele Menschen gehört das Sammeln von Pfandflaschen zum Alltag. Egal ob 8 oder 25 Cent — an einem Tag verdienen sich etwa Geringverdiener oder Hartz-IV-Empfänger in Wiesbaden dadurch etwas dazu. Damit diese Menschen nicht in den vielen Mülleimern herumwühlen müssen, fordert die Initiative „Pfand gehört daneben“, dass Pfandflaschen nicht in, sondern neben den Mülleimern platziert werden. Denn in den Eimern lauern Wespen, Scherben und allerhand unappetitliche Abfälle.

Auf der offiziellen Seite des Projekts heißt es dazu: „Wer Pfandflaschen nicht in den Müll wirft, sondern danebenstellt, zeigt eine kleine Geste der Solidarität den Menschen gegenüber, die mithilfe von Pfandgut ihr tägliches Leben meistern.“

Bußgeld für Pfandflaschen?

Dem gegenüber steht jedoch der „Bußgeldkatalog zur Gefahrenabwehrverordnung der Landeshauptstadt Wiesbaden“. Darin wird das Abstellen von Pfandflaschen als Ordnungswidrigkeit aufgeführt. 50 Euro werden fällig, wenn Flaschen abgestellt und nicht in den Mülleimer geworfen werden. Aber gilt das auch für das bewusste Abstellen von Pfandflaschen neben einem Mülleimer?

„Es handelt sich um eine Ordnungswidrigkeit.“ - Ilka Gilbert-Rolke, Stadt Wiesbaden

„Es handelt sich um eine Ordnungswidrigkeit“, bestätigt Ilka Gilbert-Rolke, Pressesprecherin der Stadt Wiesbaden. Sie merkt aber an, dass es in der Praxis jedoch so gut wie nie vorkomme, dass deswegen Bußgelder verhängt werden.

Projekt „Pfandringe“ gescheitert

Eine weitere Möglichkeit, Flaschensammlern das Wühlen im Müll zu ersparen, sind sogenannte Pfandringe. Diese Ringe werden an Mülleimern oder um Laternenmasten herum montiert und bieten Platz für mehrere Flaschen. Ein solches Projekt wurde auch in Wiesbaden bereits getestet. „Vor einigen Jahren gab es einen Test am Schlachthof und am Platz der Deutschen Einheit“, sagt Gilbert-Rolke. Damit habe man aber keine guten Erfahrungen gemacht: „An beiden Orten kam es zu Vandalismus, die Glasflaschen aus den Pfandringen wurden zerschlagen und auf den Boden geworfen.“

Daher seien nun auch die Pläne, solche Ringe an anderen Orten auszuprobieren, verworfen worden. „Aufgrund der gesammelten Erfahrungen ist es nicht geplant, Pfandringe an den öffentlichen Mülleimern anzubringen“, sagt Gilbert-Rolke.

Keine Pfandkisten in Wiesbaden

Ähnlich dem Prinzip der Pfandringe gibt es in einigen deutschen Städten ganze Pfandkisten, die an Laternenmasten oder Straßenschildern angebracht sind. In vielen Fällen geht das Anbringen der Kästen auf private Initiativen zurück. Der Getränkehersteller „Lemonaid“ gibt auf seiner Seite dafür extra eine Anleitung zum Basteln solcher Kisten.

Während man diesen Kisten in Mainz aufgeschlossen gegenübersteht, werden sie in Wiesbaden so bald wohl nicht zu sehen sein. In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt können Interessierte die Stadt kontaktieren, um gemeinsam zu schauen, wo die Kisten aufgehängt werden können. In Wiesbaden ist das nicht möglich. (js)

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