So verschieden sind die Kinos in Wiesbaden

Ein Riesenkino mit mehreren Etagen gibt es in Wiesbaden nicht. Stattdessen aber viele Kinosäle, die sich über die Stadt verteilen. Sie setzen bei der Filmauswahl auf ganz unterschiedliche Konzepte.

So verschieden sind die Kinos in Wiesbaden

Viele Wiesbadener lieben das Kino. Das sieht man im Sommer auf der Wiese der Reisinger Anlage. Wenn die „Bilderwerfer“ jährlich an mehreren Wochenenden zum Open-Air-Film-Abend am Hauptbahnhof einladen, ist der Rasen an den meisten Abenden voll besetzt mit Filmfans auf Picknickdecken und Campingstühlen. Doch nicht nur im Sommer werden in Wiesbaden Filme auf der Großleinwand gezeigt. In der ganzen Stadt gibt es Kinosäle, die ihr Programm ganz unterschiedlich ausrichten.

Cineplex-Gruppe

Die Kinomarke „Cineplex“ findet man in ganz Deutschland. Kein Wunder, dass es auch in Wiesbaden drei Vorführstätten unter dem Markennamen gibt. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von inhabergeführten Kinos an 66 Standorten. Jeder Betreiber entscheidet für sich selbst über das Programm und die Ausrichtung seines Lichtspieltheaters, der Dachverband hilft durch den Markennamen aber, die PR und die Vermarktung am Standort voranzutreiben.

Schon in dritter Generation betreibt die Familie Ewert Kinos in der Landeshauptstadt. Was mit einem Filmsaal in der Innenstadt begann, hat sich bis heute zu drei Cineplex-Standorten in der Stadt weiterentwickelt. Die insgesamt acht Säle verteilen sich auf drei Standorte. Ganze 786 Besucher können sich im „Thalia“ in der Kirchgasse auf zwei große Kinosäle verteilen, 535 passen in den größten Saal, der in der Bleichstraße im „Kino Arkaden“ untergebracht ist. Fünf weitere Kinosäle liegen in der Moritzstraße im „Apollo Kino“. Gezeigt werden immer aktuelle Filme. An welchem Standort entscheiden die Betreiber in der Regel nach Größe der Säle. Auch eine Sneak-Preview wird jeden Mittwoch um 22:15 Uhr im Thalia angeboten.

Caligari Filmbühne

Als „Ein Juwel unter den Lichtspielhäusern“ hat der oskarprämierte Regisseur Volker Schlöndorff einmal die Caligari Filmbühne am Marktplatz bezeichnet. Sogar seinen 80. Geburtstag hat der Filmemacher dort mit den Wiesbadenern bei einer Filmvorführung mit Talkrunde gefeiert. Genau diese Veranstaltungen bilden den Kern der Erfolgsgeschichte Caligari: Das Kino ist berühmt für seine spezielle Filmauswahl, als Austragungsort für Festivals wie das „Go East“ oder das „Exground“ und ist auch bei Publishern beliebt für Sondervorstellungen. Die Vintage-Einrichtung hat dem Filmsaal von 1926 sogar Denkmalschutz eingebracht.

Murnau Filmtheater

Seit 2010 hat die „Murnau Stiftung“ ihren Sitz in der Nähe des Schlachthofs. Bereits bei der Gründung 1966 war es Ziel der Stiftung, Filme zu erhalten und der Öffentlichkeit näher zu bringen. Genau das passiert inzwischen im filmrollenförmigen Kino in der Murnaustraße. Immer von mittwochs bis sonntags gibt es öffentliche Vorführungen am Nachmittag und Abend. Dabei kann die Stiftung auf ihre umfangreiche Sammlung zurückgreifen. Unter den mehr als 6000 Filmen sind auch einige Schätze zu finden, etwa der Streifen „Metropolis“ von 1925 oder der noch ältere Film „Das Cabinet des Dr. Caligari“ von 1920. Auf der Leinwand flackert übrigens alles, was einmal in deutschen Kinos zu sehen sein soll: Die FSK hat ihren Sitz im Gebäude und prüft jeden Film vor dem Kinostart darauf, für welches Alter er geeignet ist.

Filme im Schloss

Wie ein Pop-up-Kino könnte man die Veranstaltungsreihe „Filme im Schloss“ bezeichnen. Seit 1984 gibt es die regelmäßigen Filmabende im Vorführraum des Biebricher Schlosses. Einmal im Monat werden ausgewählte Titel — in Originalversion — gezeigt. Viele Titel werden extra für die Veranstaltung aus dem Ausland beschafft und feiern in Biebrich Deutschlandpremiere. Nicht nur deshalb hat die Reihe schon einige Auszeichnungen bekommen, unter anderem schon sechs mal den Hessischen Kinokulturpreis. Der nächste Termin ist der 27. August, die Veranstalter kündigen dabei für 18 und 20:30 Uhr den Dokufilm „Miles Davis: Birth of the cool“ an. (nl)

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