„Warschau“-Durchsage hält Wiesbadener wach

Am späten Mittwochabend war immer wieder die Durchsage „Warschau, Warschau“ in der Innenstadt zu hören. Was steckt dahinter?

„Warschau“-Durchsage hält Wiesbadener wach

Es ist Mittwochnacht, so gegen 22 Uhr, als die ersten Wiesbadener bei Facebook fragen: „Was ist denn das für eine Durchsage in der Innenstadt?“ Immer mehr Nutzer beteiligen sich, geben an, dass die Durchsage nun schon seit mehreren Minuten zu hören ist. Schnell wurde das Kaufhaus „Karstadt“ als Ursache des Lärms ausgemacht. Doch der Lärm war sogar bis in die Bierstadter- und Sonnenberger Straße zu hören, wie Anwohner berichten. Ungewöhnlich war auch der Inhalt der Durchsage. Neben einem „Achtung, Achtung!“ war auch ein lautes „Warschau, Warschau“ zu hören.

Wie die Wiesbadener Feuerwehr erklärt, habe am Mittwochabend die Brandmeldeanlage im „Karstadt“ angeschlagen. Gebrannt hatte es dort nicht, es handelte sich um einen Fehlalarm. „Was genau die Durchsage war, weiß ich nicht“, so ein Sprecher. „Aber es ist nicht ungewöhnlich, dass es bestimmte Codes gibt.“

Warschau, Warschau!

Ein solches Codewort könnte „Warschau“ bei „Karstadt“ sein. Ein ähnlicher Vorfall hatte bereits vor drei Jahren für Aufmerksamkeit gesorgt. Wie der „Südkurier“ berichtet, traf es damals die Singener Innenstadt. Auch hier waren die Worte „Warschau, Warschau“ zu hören. Auf die Durchsage hin hätten sich „Karstadt“-Mitarbeiter Warnwesten angezogen und die Kunden zu den Ausgängen gebeten.

In diesem Fall war tatsächlich ein Brand der Auslöser der ungewöhnlichen Durchsage. Hinter der scheinbar lustigen und unsinnigen Durchsage steckt aber ein ernster Hintergrund: In mehreren Internet-Foren berichten „Karstadt“-Angestellte von dem Code, der im Falle eines Feuers durchgesagt wird. Durch das Ausrufen von „Warschau“ wissen die Mitarbeiter, was los ist, die Kunden jedoch nicht. So kann im Ernstfall eine Panik verhindert werden, wenn Kunden fluchtartig zu den Ausgängen rennen.

Immerhin steht das Wort in anderer Schreibweise — Wahrschau! — auch für eine Warnung. Abgeleitet aus dem Niederländischen kommt der Begriff zum Beispiel in der Schiffsfahrt zum Einsatz und besteht aus den Wörtern „Warnen“ und „Schauen“.

In Wiesbaden hatte der Spuk um „Warschau, Warschau“ gegen 22:30 Uhr ein Ende. Warum die Brandmeldeanlage so lange Durchsagen produzierte, ist nicht bekannt. Die Anwohner konnten dann aber beruhigt schlafen. (nl)

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