Diese Wiesbadenerin lädt mehr als 100 Obdachlose zum Essen ein

Einmal im Jahr veranstaltet Betina Weiler ein Fest, zu dem sie alle Obdachlosen Wiesbadens einlädt. Im Januar deckt sie den Tisch erneut — die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren.

Diese Wiesbadenerin lädt mehr als 100 Obdachlose zum Essen ein

Gedeckte Tafeln, ein Drei-Gänge-Menü, Tanz zu Livemusik und ein Sack voll Geschenke zum Abschied. So sieht der Abend aus, wenn Betina Weiler mehr als 100 Obdachlose zu ihrem jährlichen Neujahrsfest einlädt. Bei der fünften Runde im Januar rechnet sie mit 150 Gästen.

Traditionsaktion

Die private Initiative ist in der Landeshauptstadt inzwischen zu einer kleinen Tradition geworden. Die Idee dazu entstand, als Weiler 2015 einen Obdachlosen beobachtete, der in der Fußgängerzone sein Kleingeld zählte, um sich bei einem Fischrestaurant ein Mittagessen zu kaufen. Weiler lud den Mann spontan ein. Im Gespräch mit ihm stellte sie schnell fest, dass hinter jedem Obdachlosen eine Geschichte steckt, und seine Dankbarkeit für ein Fischbrötchen motivierte die Geschäftsfrau, ein großes Dinner für Bedürftige auf die Beine zu stellen.

„Die Aktion hat sich im Laufe der Jahre herumgesprochen. Viele kommen seit Jahren immer wieder und freuen sich auf den Abend schon Wochen im Voraus“, erzählt Weiler. Einladungen hängt sie im Vorfeld in vier Sprachen in der Teestube der Diakonie aus, den Großteil der Organisation übernimmt sie dabei jedes Jahr selbst. Doch ohne die Unterstützung ihres rund 35-köpfigen Teams wären die To-Do-Listen nicht zu schaffen. Zudem bekomme sie regelmäßig Unterstützung von anderen Geschäftsleuten aus Wiesbaden.

Große Hilfsbereitschaft

„Anfangs habe ich vor allem meine Freunde und Familie gefragt, ob sie helfen. Aber inzwischen sind es viele Helfer geworden, die meisten sind Wiederholungstäter und packen jedes Jahr mit an“, sagt sie. So helfen rund 20 Freiwillige allein im Service aus. „Bei uns soll sich keiner in eine Schlange stellen müssen. Wir bedienen wie in einem Restaurant“, erklärt Weiler. Gleichzeitig sorgt Feinkost Dittmann in der Küche für das Menü. Dass der Caterer inzwischen schon zum zweiten Mal als Großsponsor das Essen übernimmt, sei für Weiler und ihr Team eine große Erleichterung. „So bleibt mehr von unserem Budget übrig, das wir in andere Posten investieren können.“

„Wenn alle das tun, was sie tun können, ist jedem geholfen.“ - Lebensmotto von Betina Weiler

So bekommt jeder Gast nach dem Essen zwei Tüten voll Geschenke mit. „Hygieneartikel, haltbare Lebensmittel, Dinge, die man zum Leben auf der Straße braucht“, beschreibt Weiler den Inhalt. „Zudem habe ich einige Freiwillige, darunter auch ältere Damen aus Wiesbaden, die das ganze Jahr über Schals und warme Socken für die Geschenkesäcke stricken“, nennt sie ein weiteres Beispiel, das zu ihrem persönlichen Lebensmotto „Wenn alle das tun, was sie tun können, ist jedem geholfen“, passt.

Weitere Aktionen

Wenn nach der Feier noch Spenden übrig bleiben, sollen diese in den kommenden Wochen ebenfalls an die Obdachlosen gehen. „In Dotzheim gibt es ein Heim für obdachlose Frauen. Von der Waschmaschine über Bettwäsche bis zu Wandfarbe wird da immer was gebraucht“, erklärt sie. Aber auch mit anderen Anlaufstellen in der Stadt, wie etwa der Teestube in der Dotzheimer Straße, stehe sie in regelmäßigem Austausch. Von dort werden im Januar auch Weilers Gäste mit Sonderbussen abgeholt und zur Fest-Location in der Evangelischen Versöhnungsgemeinde gefahren.

Was genau den Obdachlosen eine Freude bereiten könnte, werden Weiler und ihr Helferteam aber sicher auch beim großen Fest noch erfahren. Denn weil dort richtig gefeiert werden soll, gibt es neben dem Dinner auch Livemusik von einer Band, viele Möglichkeiten für Gespräche und für die, die es wünschen, einen Haarschnitt vom Friseur. Geschätzt wird die Aktion dabei nicht nur von den Gästen des Abends. Auch Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende wird am Festabend dabei sein und mit anpacken.

Spenden

Wer das Team rund um das Obdachlosenfest in Wiesbaden mit Geld- oder Sachspenden unterstützen will, findet alle relevanten Informationen auf der Homepage der Initiative. Wie Weiler erklärt, fehlen in diesem Jahr vor allem Sachspenden wie Duschgels, Zahnbürsten, Einwegrasierer, Taschenlampen und andere Alltagsgegenstände. (ts)

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