Wie ein Wiesbadener Busfahrer Weihnachten hinter dem Steuer verbringt

Während andere Zeit mit ihren Familien verbringen, sitzt Markus Grimm an Weihnachten und Silvester hinter dem Steuer. Im Merkurist-Gespräch erzählt der Wiesbadener Busfahrer, wie das für ihn ist und wie seine Familie damit umgeht.

Wie ein Wiesbadener Busfahrer Weihnachten hinter dem Steuer verbringt

Seit 24 Jahren ist Markus Grimm Busfahrer in Wiesbaden – und das auch regelmäßig an Feiertagen. In diesem Jahr sorgt er wieder dafür, dass seine Fahrgäste an Weihnachten und Silvester zu ihren Familien und Freunden kommen. Für ihn selbst ist das nicht immer schön, aber manchmal sogar angenehmer als ein klassischer Wochenenddienst, wie er im Merkurist-Gespräch erzählt.

Jedes zweite Jahr Dienst an Feiertagen

„Man kann sagen, dass ich im Schnitt jedes zweite Jahr Fahrdienste an den Feiertagen übernehme“, erklärt Markus Grimm seinen Dienstplan. „Damit komme ich bisher auf 12 Jahre, in denen ich Fahrten und Dienste an den Feiertagen hatte.“ Es ist also nichts Neues für den 54-Jährigen. In diesem Jahr arbeitet er am 24. und 26. Dezember und an Silvester sowie Neujahr jeweils in 8-Stunden-Schichten. Zweimal übernimmt er die Nachtschicht und einmal die Spätschicht. Eingeteilt wird das vom Arbeitgeber.

„Es ist vom Gefühl her nicht so schön, Bus zu fahren, wenn ganz viele andere Menschen zeitgleich frei haben und feiern.“ - Markus Grimm, Busfahrer

„Am 24. fahre ich nicht so gerne, weil ich dann viel lieber bei meiner Familie wäre. Es ist vom Gefühl her nicht so schön, Bus zu fahren, wenn ganz viele andere Menschen zeitgleich frei haben und feiern“, sagt er. „Jedoch ist der Mensch und auch ich – wie man so schön sagt – ein Gewohnheitstier.“ Er habe sich in den vielen Jahren mit den Zeiten angefreundet, immerhin gebe es auch Vorteile: „Am 25., 26., Silvester und Neujahr fahre ich wegen der erhöhten Zuschläge schon ganz gern.“ Außerdem mache ihm das Busfahren an sich Spaß. „Speziell auch Spät- und Nachtdienste weiß ich heute zu schätzen und schlafe nach der Schicht am nächsten Tag in Ruhe aus. Das genieße ich dann sehr.“

Entspannterer Dienst, schöne Momente

An den Weihnachtsfeiertagen ginge es ohnehin ruhiger zu. Vor allem abends seien weniger Menschen im Bus unterwegs, oft auch Fahrgäste, denen Weihnachten nichts bedeutet und die ohne Zeitdruck unterwegs sind. Die Stimmung im Bus sei anders als sonst, manchmal fast schon feierlich. „In jedem Fall herrscht weniger Aggressivität als sonst bei Nachtfahrten oder vergleichbaren Wochenendabenden zum Beispiel in einer regulären Samstagnacht.“

Darüber war der Mensch so dankbar, dass er mir beim Aussteigen ein kleines Geschenk in Form einer Pralinenpackung machte.“ - Markus Grimm

Und so sind in den vielen Jahren, in denen Markus Grimm schon als Busfahrer an Feiertagen unterwegs ist, auch schon ein paar schöne Momente passiert. „Im vergangenen Jahr bin ich an einem Weihnachtsfeiertag eine Nachtschicht gefahren“, erzählt der 54-Jährige. „Bei schlechtem Wetter fuhr ich mit dem Bus an einer Person vorbei, die nicht an einer Haltestelle stand, mir jedoch zuwinkte.“ Der Busfahrer konnte dort anhalten, ohne jemanden in Gefahr zu bringen und nahm die Person kurzerhand mit. „Darüber war der Mensch so dankbar, dass er mir beim Aussteigen ein kleines Geschenk in Form einer Pralinenpackung machte. Über das Geschenk habe ich mich sehr gefreut.“

Seine Familie hat eigene Tradition entwickelt

Und Grimms eigene Familie? Wie geht sie damit um, dass er an den Feiertagen nicht mit ihnen zusammen sein kann? Mit einer eigenen Tradition. „Also wenn ich weiß, dass ich zum Beispiel am Heiligen Abend Dienst habe, dann feiern wir oft schon am 21. Dezember das Fest im kleinen Kreis“, erzählt Markus Grimm. „Das machen wir mittlerweile alle sehr gerne so und ich bin dankbar, dass meine Lieben hier so flexibel sind und das schon jahrelang mitmachen.“

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