Warum die Wiesbadener eher keinen großen Wert auf Fußball legen

Eintracht Frankfurt und Mainz 05, sogar Darmstadt - drei große Vereine im Rhein-Main-Gebiet, die jede Menge Fans haben. In Wiesbaden scheint Fußball nicht so wichtig zu sein. Wir haben mit Moni, der Fanbetreuerin des SVWW gesprochen.

Warum die Wiesbadener eher keinen großen Wert auf Fußball legen

Moni ist traurig. Schon in den 1970er-Jahren kam sie in Berührung mit dem SV Wehen Wiesbaden, der damals noch SV Wehen-Taunusstein hieß. Seitdem hängt ihr Herz an dem Verein. Und seitdem stellt sie immer wieder fest, dass sie ihre Leidenschaft nicht mit vielen anderen teilt.

So richtig viele Fans hatte der Sportverein damals nicht. Mehr wurden es, als die Fußballer aus Taunusstein 1996 in die Regionalliga aufstiegen. 2007 erreichte der Verein einen weiteren Meilenstein: den Aufstieg in die zweite Bundesliga. „Das Stadion wurde voller“, sagt Moni, die seit 2015 Fanbetreuerin beim SV Wehen Wiesbaden ist. Zu Spitzenzeiten seien 7000 bis 8000 Leute ins Stadion gekommen.

Im Durchschnitt 2500 Fans im Stadion

Heute, zu Drtittligazeiten, seien es inklusive Gästefans rund 2500, sagt Moni. Das entspricht einer Auslastung von 16 Prozent. Zum Vergleich: Beim FC Magdeburg waren in der letzten Saison im Schnitt rund 18.000 Besucher im Stadion, damit waren die Zuschauerränge zu 71 Prozent ausgelastet. Man könnte meinen, die Wiesbadener interessieren sich einfach nicht für Fußball.

Für Merkurist-Leser Paul ist die Sache klar: In Wiesbaden gebe es schon viele Fußballinteressierte, nur für Wehen Wiesbaden interessiere sich niemand.

Das Problem hat auch Moni längst erkannt. „Die Wiesbadener haben sich noch nicht mit dem Verein identifiziert“, sagt sie. Viele haben im Hinterkopf, dass der Verein eigentlich gar nicht aus Wiesbaden kommt, sondern eben aus Taunusstein. „Der SV Wehen Wiesbaden ist nie wirklich in Wiesbaden angekommen“, meint Moni.

„Der SV Wehen Wiesbaden ist nie wirklich in Wiesbaden angekommen.“ - Moni

Das könnte daran liegen, dass die Stadt Taunusstein, der Verein und der Hauptsponsor es damals offenbar für eine gute Idee hielten, mal eben ins benachbarte, große Wiesbaden umzuziehen und ein neues Stadion aus dem Boden zu stampfen. Zack, bumm. Nach dem Motto: Jetzt ist genug Platz, jetzt können hier bitte alle plötzlich Wehen Wiesbaden-Fans sein.

Das war auch kurz so, bis die Euphorie wieder abfiel. Wie das eben immer so ist. „Erfolgsfans“, nennt Moni sie. Denn mit dem Abstieg in die 3. Liga sei auch die Anzahl der Fanclubs wieder deutlich gesunken.

Aber wie sollte sich eine Fankultur auch entwickeln, wenn der gemeine Wiesbadener mit Fußball grundsätzlich wenig am Hut hat? So sieht das zumindest Merkurist-Leser Otto.

„Ich glaube, in Wiesbaden gibt es viele Leute, denen Fußball zu primitiv ist“, meint auch Moni. Die Reitturniere in Biebrich oder Tennis- und Volleyballspiele seien schließlich immer gut besucht. „Es liegt an der Mentalität der Wiesbadener.“

„Es liegt an der Mentalität der Wiesbadener.“ - Moni

Vielleicht aber auch nicht. Denn Eintracht Frankfurt, Darmstadt 98 und Mainz 05 stehen auch bei vielen Wiesbadenern hoch im Kurs.

Das werde auch an den Aufklebern auf Autos in und um Wiesbaden sehr deutlich, sagt Moni. „Die meisten kleben sich da eher das 05- oder das Eintrachtlogo auf.“

Dass die Fankultur des SV Wehen Wiesbaden noch eine Chance hat, glaubt Moni schon. Vielleicht, wenn der Verein den Aufstieg in die 2. Liga wieder schafft. „Und dann hoffentlich auch oben bleibt“, sagt Moni. Und vielleicht werden aus „Erfolgsfans“ dann auch mal richtige Fans, die am Wochenende aus vollem Herzen die Fan-Hymne ihres Vereins anstimmen.

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