Niedrigwasser am Rhein: Wann es gefährlich wird

Ausbleibender Regen und anhaltende Hitze sorgen dafür, dass der Pegel am Rhein weiter sinkt. Das Land Hessen warnt nun vor freigelegter Weltkriegsmunition. Auch hat der niedrige Wasserstand Auswirkungen auf die Schifffahrt.

Niedrigwasser am Rhein: Wann es gefährlich wird

1,54 Meter – das ist der aktuelle Pegel des Rheins bei Mainz. Vor einer Woche stand er noch bei 1,70 Meter. Zum Vergleich: Der mittlere Niedrigwasserwert beträgt 1,83 Meter.

Und der Pegel fällt wahrscheinlich noch weiter, wie bei den Prognosen des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt für die nächsten Tage zu sehen ist. „Doch das sind noch keine beunruhigenden Werte“, erklärt Joachim Knapp vom rheinland-pfälzischen Landesamt für Umwelt gegenüber Merkurist. Auch der Abflusspegel sinkt zwar tendenziell, doch steigt er auch immer mal wieder. „Der Rhein hat ein riesiges Einzugsgebiet, daher können sich diese Werte schnell ändern“, so Knapp. Wie sie sich weiter entwickeln, könne daher kaum abgeschätzt werden.

Stress für Tiere steigt

Was jedoch Probleme machen könnte, sind die Wassertemperaturen. 26 Grad warm ist der Rhein bereits, daher wurde schon vor einigen Tagen die erste Warnstufe ausgerufen. Denn höhere Temperaturen, viel Sonne und Dürreperioden führen dazu, dass sich die Menge und Qualität des Wassers verändern, teilte das Umweltministerium mit (wir berichteten). Steigen die Temperaturen weiter, müssen Unternehmen, die Kühlwasser aus dem Rhein entnehmen und ihm wieder zuführen, vorher messen und prüfen, ob innerhalb ihres Betriebs andere Kühlmöglichkeiten genutzt werden können. Notfalls müsste der Betrieb ganz eingestellt werden.

Dass Fische und andere Wassertiere und -pflanzen sterben, sei eher in stehenden Gewässern zu erwarten und in Bächen, die nun austrocknen. An der Mosel etwa sind an den Staustufen bereits Blaualgen aufgetreten. Dennoch können Fische und Muscheln vor allem durch den niedrigen Sauerstoffgehalt im Wasser gestresst werden, ufernahe Lebensraumstrukturen fallen trocken, Fische können den Rhein nicht mehr aus Nebengewässern erreichen.

Auch auf die Schifffahrt wirkt sich der niedrige Wasserstand bereits aus. Sie können nicht mehr voll beladen werden. Fällt das Wasser weiter, können auch Fähren und Fahrgastschiffe nicht mehr verkehren.

Verdächtige Gegenstände werden freigelegt

Der hessische Kampfmittelräumdienst warnt bereits davor, Objekte, die wegen des niedrigen Wasserstands freigelegt werden, zu berühren. Denn es könnte sich um Weltkriegsmunition handeln, „die durchaus noch gefährlich sein kann“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Darmstadt. Denn Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg wurden nach dessen Ende oft in Flüssen und Seen entsorgt. „Durch den jahrzehntelangen Einfluss der unterschiedlichen Witterungseinflüsse sind Munitionsreste und ihre Bestandteile noch unberechenbarer“, sagt Alexander Majunke, der Leiter des Kampfmittelräumdiensts. Durch unkontrollierte Bewegungen der Objekte sei es bereits vorgekommen, dass diese detoniert sind. Daher sollen verdächtige Gegenstände niemals bewegt, berührt oder aufgehoben werden.

Wenn ihr verdächtige Gegenstände entdeckt, solltet ihr entweder das Ordnungsamt oder die nächste Polizeidienststelle unter der Telefonnummer 110 rufen. Mitarbeiter des Kampfmittelräumdiensts würden dann die Fundobjekte identifizieren und gegebenenfalls vor Ort entschärfen.

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