Wollte Ali B. einen Mann im Kurpark vergewaltigen?

Neben dem Mord an Susanna F. wird Ali B. auch ein Überfall auf einen damals 21-Jährigen zur Last gelegt. Am Mittwoch sagte das Opfer vor dem Wiesbadener Landgericht aus.

Wollte Ali B. einen Mann im Kurpark vergewaltigen?

Als die Polizei am 7. Juni 2018 im Fall der ermordeten Schülerin Susanna aus Mainz den 21-jährigen Iraker Ali B. in einer Pressekonferenz als Hauptverdächtigen nannte, kamen die Beamten auch auf seine Polizeiakte zu sprechen. Immer wieder war der irakische Asylbewerber wegen kleinerer Rangeleien sowie wegen Waffenbesitzes auffällig geworden. Aber auch zwei schwerwiegende Vorfälle wurden bekannt. So soll er im Mai 2018 gemeinsam mit weiteren Tätern ein 11 Jahre altes Mädchen vergewaltigt haben. Der Prozess zu dem Vorfall läuft parallel zum Mordprozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Außerdem soll B. Ende April 2018 einen Mann im Wiesbadener Kurpark überfallen haben. Der Raub war am Mittwoch Thema vor dem Wiesbadener Landgericht.

Messer an den Hals gesetzt

Als Opfer sagte am Mittwoch ein 22-Jähriger aus. Er beschrieb dabei, dass er am 27. April 2018 mit seinen Freunden in der Stadt unterwegs war und einige Cocktails getrunken hatte. Als er sich auf den Weg nach Hause machte, nahm er noch einen kleinen Umweg über den Kurpark, um kurz zu pinkeln. Dort hätten ihn dann zwei Männer angesprochen und nach Zigaretten gefragt. „Nachdem ich sie den beiden gegeben hatte, wurde ich plötzlich gepackt und hatte eine Messerklinge am Hals“, beschrieb der Zeuge, was danach passierte.

Einer der beiden, den das Opfer später als Ali B. identifizierte, zerrte sein Opfer dann mit der Klinge am Hals zu einem Bach. Dort nahm er ihm seine Uhr, Schmuck und seine Tasche ab. Immer wieder sei er dabei von Ali B. mit den Worten „Du sollst die Fresse halten“ eingeschüchtert worden. Plötzlich hätte Ali aber von seinem Opfer abgelassen, habe ihm hoch geholfen und ihm seine Uhr wieder angelegt. Kurz darauf habe er ihn aber wieder gepackt und in ein nahe gelegenes Gebüsch geschleift.

Vergewaltigung?

„Er hat mich einfach zu Boden gestoßen und angefangen, mit der Faust auf mich einzuschlagen“, erzählte das Opfer, „als ich ihm gesagt habe, er soll damit aufhören, hat er nur geantwortet ,Ich fick Deutschland. Ich fick die Polizei.’“ Immer wieder soll Ali zugeschlagen und sein Opfer am Hals gewürgt haben. Plötzlich soll er aber mit den Worten „jetzt fick ich dich“ von seinem Opfer abgelassen haben. „Ich dachte zuerst, er will mich weiter verprügeln oder mich sogar töten. Dann hat er mir aber meine Schuhe und meine Hose mit Gewalt ausgezogen“, so das Opfer. Diese Situation nutzte der junge Mann, um die Flucht zu ergreifen. Der Täter versuchte zwar noch, den 22-Jährigen mit dem Messer zu erwischen, er kam aber — ohne Schuhe und in Unterhose — davon.

Wiedererkannt

In Panik bat er blutüberströmt die Anwohner eines nahe gelegenen Hauses darum, den Notruf zu wählen. Der alarmierte Rettungswagen brachte den völlig aufgelösten Mann dann ins Krankenhaus. Die Polizei konnte kurz darauf zwei Männer, auf die die Beschreibung des Opfers passte, in der Innenstadt aufgreifen. Durch die Tat war der Zeuge aber wohl noch zu aufgewühlt, sie genau zu identifizieren. Zwei Wochen später aber wurden ihm Fotos aus der Polizeikartei vorgelegt, auf denen er Ali B. als einen der beiden Täter sofort erkannte. Weitere zwei Wochen später sah er die Bilder von Ali B. erneut. Dieses mal im Fernsehen, als bekannt wurde, dass er die 14-jährige Susanna vergewaltigt und ermordet haben soll.

Der Überfall im April 2018 sei für den heute 22-Jährigen ein Wendepunkt in seinem Leben gewesen. Er gehe jetzt nicht mehr feiern, trinke keinen Alkohol mehr. „Ich bin immer sehr gerne in Wiesbaden spazieren gegangen, aber das kann ich jetzt nur noch mit Freunden.“ Als er den Gerichtssaal verließ, sprach er Susannas Mutter sein Beileid aus und sagte: „Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit helfen.“

Der Prozess wird am 19. Juni fortgesetzt. (js/ts)

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