Warum man auch in Wiesbaden mit „Uber“ fahren kann

Eigentlich gehört Wiesbaden nicht zum Geschäftsgebiet des Fahrdienstleisters „Uber“. Trotzdem kann man zu bestimmten Zeiten eines der Taxen bestellen. Wie ist das möglich?

Warum man auch in Wiesbaden mit „Uber“ fahren kann

In den USA wird der Begriff „Uber“ längst synonym zu „Taxi“ verwendet. Mithilfe einer App bekommen Nutzer dort meist binnen zwei bis drei Minuten ein Auto samt Fahrer, das sie von A nach B bringt. Möglich wird das, weil sich dort Privatleute als Fahrer registrieren können und mit ihrem eigenen Autos Fahrgäste abholen dürfen.

In Deutschland ist die Rechtslage anders und auch die Verbreitung von „Uber“ ist hierzulande noch lange nicht so flächendeckend wie etwa in den Vereinigten Staaten. Lediglich Berlin, Köln, München, Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt gehören zum Geschäftsgebiet des Fahrdienstleisters. Wer in Wiesbaden die „Uber“-App öffnet, kann manchmal trotzdem eine Fahrt buchen. Doch wie ist das möglich?

Weites Geschäftsgebiet

Dabei handelt es sich nicht etwa um einen technischen Fehler, wie Tobias Fröhlich, „Uber“-Pressesprecher Deutschland erklärt: „Wiesbaden gehört — wie auch beispielsweise Mainz, Darmstadt und Limburg — noch zum Geschäftsgebiet Frankfurt.“ Dort ging „Uber“ im Dezember 2018 an den Start.

Aufgrund der bestehenden Gesetzeslage, dürfen in Deutschland allerdings nicht Privatpersonen ohne Personenbeförderungsschein Fahrgäste mitnehmen. Deshalb hat das Unternehmen ein Geschäftsmodell gewählt, in dem es den Kunden Mietwagen mitsamt Fahrer vermittelt. Noch ein Unterschied zu den USA: Während dort Fahrer im gesamten Stadtgebiet auf Kundschaft warten dürfen, herrscht in Deutschland die sogenannte „Rückkehrpflicht“. Taxen müssen etwa nach einem Auftrag zurück in die Zentrale oder zu einem Taxistand. Da auch die Mietwagenfahrer wieder in die Zentrale zurückkehren, nachdem sie einen Fahrgast abgesetzt haben, verstoßen sie damit nicht gegen diese Pflicht.

Uber in Wiesbaden?

Eine Ausnahme gilt jedoch auch für „Uber“: Hat ein Fahrer gerade einen Gast zum Beispiel von Frankfurt nach Wiesbaden gefahren und es geht ein neuer Auftrag ein, darf dieser angenommen werden. Verboten ist es jedoch, nach geleisteter Fahrt einfach in Wiesbaden auf den nächsten Kunden zu warten.

„Daher haben wir unter unseren Geschäftsgebieten Wiesbaden auch nicht aufgelistet“, erklärt Fröhlich. Zwar können durch diese Ausnahme auch hier Kunden mitgenommen werden, den Service, in Minutenschnelle eine Fahrt vermittelt zu bekommen, könne man aber nicht leisten. „Es kann nicht in kürzester Zeit eine Fahrt vermittelt werden, was aber unser Anspruch ist. Wenn wir sagen würden ‘Wir sind auch in Wiesbaden am Start’, entspräche das nicht unseren Qualitätsansprüchen“, so Fröhlich.

Angebot und Nachfrage

In Wiesbaden einen „Uber“ zu erwischen ist also Glückssache. Meist gehen damit außerdem Wartezeiten von rund 15 Minuten einher. Zwar erklärt Fröhlich, dass man mit „Uber“ gerne weitere Städte mit ins Boot holen und wachsen wolle, dies sei aber an verschiedene Faktoren geknüpft. Einmal bestimme natürlich die Nachfrage das Angebot. Außerdem brauche man in jedem Gebiet Partner, die Mietwagen und Fahrer bereitstellen und auch entsprechende Flächen vorweisen können. „Auch wollen wir das vor dem Start mit den jeweiligen Kommunen besprechen und uns abstimmen.“

Taxiverbände kritisieren den Fahrdienstleister schon seit Jahren. „Beförderungsleistungen dürfen nicht ohne staatliche Genehmigung und von Fahrpersonal ohne Personenbeförderungsschein erbracht werden. Das ist kein Selbstzweck, sondern dient der Qualität und dem Schutz des Kunden“, erklärt Michael Müller, Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes BZP. Ein Vorwurf, der aber durch die Anpassung des Geschätsmodells von „Uber“ in Deutschland schon lange nicht mehr zutrifft. Man fürchte keine Konkurrenz durch Mitbewerber, wolle aber sicherstellen, dass alle Teilnehmer auf dem Markt den gleichen Gesetzen unterstehen.

Vor allem die Rückkehrpflicht ist immer wieder Streitthema. Diese sollte laut dem „Handelsblatt“ eigentlich abgeschafft werden. So sah es ein Eckpunktepapier aus dem Verkehrsministerium vor. Doch nach erneuter Kritik der Taxiverbände wird daran wohl nicht festgehalten. Oppositionspolitiker kritisieren das und sehen die Fahrten zurück zur Zentrale als klimaschädlich und sinnlos. (js)

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