Obdachlose und Bedürftige: Corona trifft auch die schwächsten der Gesellschaft

An Essensausgaben der Teestube oder Tafeln kommen viele Menschen zusammen, Lebensmittel wechseln die Besitzer. Keine guten Bedingungen, um die Verbreitung des Coronavirus zu stoppen. Wie geht es nun weiter?

Obdachlose und Bedürftige: Corona trifft auch die schwächsten der Gesellschaft

In Wiesbaden und vielen anderen deutschen Städten wird gehamstert. Kunden kaufen Nudeln, Reis, Mehl und Toilettenpapier, decken sich mit haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln ein. Während einige für eine potenzielle häusliche Quarantäne vorsorgen wollen, befürchten andere lange Schlangen vor den Supermärkten wie zum Beispiel derzeit in Italien.

Die schwächsten der Gesellschaft, etwa Obdachlose, sind natürlich auch von der Corona-Epidemie betroffen. Sie können nicht einfach einkaufen gehen, hamstern, vorsorgen oder im Homeoffice arbeiten. Für manche sind öffentliche Essensausgaben der einzige Weg zu einer Mahlzeit zu kommen. Und auch dieser Bereich bleibt von dem Virus nicht unberührt.

Teestube geschlossen

Für 100 bis 120 Menschen ist die Teestube der Diakonie in Wiesbaden eine tägliche Anlaufstelle. Beratung, Übernachtungsmöglichkeiten, Essensausgabe — die Aufgaben der Teestube in der Dotzheimer Straße sind vielfältig — und werden nun eingeschränkt, denn die Teestube bleibt aufgrund der aktuellen Gefährdungslage bis auf weiteres geschlossen. Lediglich die Postausgabe und die Auszahlung von Tagessätzen wird weitergeführt, beides wird nun durch ein Ausgabefenster im Innenhof geregelt. Beratungen finden nur noch telefonisch statt.

„Achten Sie vermehrt auf Wohnungslose und fragen Sie, ob die Person Hunger oder Durst hat.“ - Teestube Wiesbaden

Auch können dort derzeit keine Spenden aus der Bevölkerung entgegengenommen werden. Diese sollen, so die Teestube in einer Mitteilung, derzeit lieber direkt an Bedürftige verteilt werden. Die Teestube übernimmt dies aber nicht, die Essensausgabe ist geschlossen. „Wenn Sie auch in Zeiten der Krise helfen wollen, achten Sie vermehrt auf Wohnungslose in der Stadt und fragen Sie, ob die Person Hunger oder Durst hat“, so die Teestube.

Obdachlosenhilfe vor Herausforderungen

Auch die privat organisierte Obdachlosenhilfe in Wiesbaden kann derzeit keine Spenden entgegennehmen. „Nur angemeldete Spenden werden wenn es absolut nötig ist im Moment angenommen“, so Nicole Fath, Organisatorin der Obdachlosenhilfe. Die Wiesbadener könnten die Spenden aber aufheben und notfalls später auf Abruf abgeben.

Darüber hinaus sind die wöchentlichen Sonntagsverteilungen der Obdachlosenhilfe in ihrer jetzigen Form derzeit ausgesetzt. „Corona heißt ‘Masse vermeiden, alles auf das Notwendigste zu minimieren“, so Fath. Daher werde sie gemeinsam mit einem Kollegen Sondertouren fahren und die Betroffenen direkt und einzeln ansteuern.

„Wir würden mit unseren Verteilungen gerade alles tun, was zu unterlassen ist.“ - Nicole Fath, Private Obdachlosenhilfe Wiesbaden

Problematisch: Gerade Obdachlose haben ein sehr schwaches Immunsystem, sodass sie zur gefährdeten Gruppe gehören. „Menschenansammlungen sollten gemieden werden, hierdurch erhöht sich das Risiko stark. Wir würden mit unseren Verteilungen gerade alles tun, was zu unterlassen ist um den Virus einzudämmen“, so die Organisatorin.

Wie geht es für die Wiesbadener Tafeln weiter?

Auch vor den Wiesbadener Tafeln macht die Corona-Krise nicht Halt. Wie der „Wiesbadener Kurier“ berichtet, steht auch die Abgabe im Stephanuszentrum auf der Kippe. Eine Stuhlreihe zwischen Ausgabentisch und den Kunden sowie eine Einlasskontrolle, die nur maximal 20 Menschen den Zutritt gewährt wurden bereits eingeführt. Doch den Helfern fehlt es an Plastiktüten.

Laut dem Bericht überlege man derzeit, die Waren vorab in Plastiktüten zu verpacken, damit die Tafel nicht schließen muss. Doch an denen fehle es derzeit. Laut Tafel-Vorstand Udo Pfeiffer bräuchte man mindestens 1000 reißfeste Plastiktüten in den Größen 35 bis 60 Liter, um auch in Zukunft noch Lebensmittel aushändigen zu können. Eine Entscheidung darüber, ob und wie es für die Wiesbadener Tafeln weitergeht, soll noch am Montag getroffen werden. (nl)

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