Albtraum für Wiesbadener Busfahrer: Fahrgäste prügeln ihn berufsunfähig

Weil er sich traute, aggressive Fahrgäste zu ermahnen, wurde ein Busfahrer schwer verprügelt. Außer an gesundheitlichen Schäden leidet der Eswe-Fahrer bis heute an den psychischen Folgen der Tat. Indes nimmt die Gewalt gegen Fahrpersonal weiter zu.

Albtraum für Wiesbadener Busfahrer: Fahrgäste prügeln ihn berufsunfähig

Eigentlich wollte der Wiesbadener Busfahrer Wassim A. an einem Abend im August nur die aufgeheizte Stimmung in seinem Bus beruhigen. Doch als der 35-Jährige vier aggressive Fahrgäste zur Rede stellte, wurde er von den Männer im Alter von 20 bis 53 Jahren brutal zusammengeschlagen. Auch als er schon am Boden lag, traten die Täter noch auf ihn ein. Die Folgen für den Eswe-Angestellten: Ein extremer Kieferschaden, eine bis heute andauernde Berufsunfähigkeit und ständige Betreuung durch einen Psychologen. Im Gespräch mit Merkurist schildert Wassim A. noch einmal die Schreckensnacht und erklärt, warum die Strafe, die die Täter nun vor Gericht bekamen, ein Hohn sei.

Täter lachen ihn aus

Wassim A. war an einem Sonntagabend mit der Linie 23 in Richtung Innenstadt unterwegs. Gegen 23:20 Uhr bemerkte er im hinteren Bereich des Busses Fahrgäste, die durch ihr lautstarkes Verhalten auffielen. „Sie wollten plötzlich aussteigen, obwohl überhaupt keine reguläre Haltestelle in der Nähe war“, sagt A. Als der 35-Jährige die vier Männer dann während der Fahrt zur Rede stellte, wurden diese immer aggressiver. Deshalb habe er schließlich die Eswe-Leitstelle über den Vorfall informiert.

In der Folge sei es dann zu Beleidigungen und ersten Handgreiflichkeiten gekommen. Schließlich hielt A. den Bus in der Friedrichstraße an und öffnete die Türen. Dort sei er von den Männern weiterhin bedroht worden. „Als ich gesagt habe, dass die Polizei informiert ist, haben sie auf mich eingeschlagen und -getreten“, erklärt A. Während der Eswe-Busfahrer ins Krankenhaus gebracht wurde, konnte die Polizei die Täter schnappen.

Für Wassim A. begann danach eine äußerst schwierige Zeit in seinem Leben, die bis heute noch anhält. „Ich habe einen Kieferschaden und muss von einem Psychologen betreut werden.“ Seit dem 29. August sei er nun arbeitsunfähig. Wie es weitergeht, könne er momentan noch nicht sagen. Auch die Gerichtsverhandlung, bei der jetzt gegen die vier Täter das Urteil gesprochen wurde, hätte ihn enttäuscht, sagt A. So seien ihm 3700 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, die Männer aber lediglich zu sechs beziehungsweise acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Bei der Urteilsverkündung sei er dann wieder auf die Täter getroffen. „Sie haben keine Reue gezeigt und sogar noch gelacht“, sagt A. Für ihn sei dies eine äußerst belastende Situation gewesen.

Gewalt gegen Fahrpersonal nimmt zu

Doch wie sich zeigt, ist der Fall von Wassim A. möglicherweise ein Extrembeispiel, jedoch bei Weitem kein Einzelfall mehr, was Gewalt gegen Busfahrer angeht. „Unsere Fahrer beziehungsweise Fahrausweisprüfer werden leider immer häufiger Opfer von verbalen oder körperlichen Übergriffen“, sagt Eswe-Verkehr-Sprecher Micha Spannaus gegenüber Merkurist. 2020 habe es 21, im Jahr darauf 23 und 2022 bis Ende November schon 27 solcher Fälle gegeben.

Dabei handle es sich nur um die dokumentierten Fälle. Das heißt: „Die Fälle sind so schwerwiegend, dass unsere Kollegen eine Meldung an unsere Leitstelle gemacht haben“, erklärt Spannaus. Nicht berücksichtigt in der Statistik seien beispielsweise die zunehmenden verbalen Übergriffe wie wüste Beschimpfungen und Beleidigungen, „die leider unverständlicherweise mittlerweile zum Alltagsgeschehen gehören“.

Bemerkenswert sei dabei, dass die Fälle mit körperlicher Gewalt gegen Eswe-Fahrer zunehmen, obwohl 2020 aufgrund der Corona-Pandemie Trennscheiben am Fahrerplatz installiert wurden. Zudem fahre die Eswe seit September ein im Vergleich zu vorher reduziertes Fahrplanangebot „und trotzdem nehmen die Übergriffe zu. Das sind dann körperliche Attacken oder Bespucken, zweimal waren auch Waffen involviert. Das ist eine Entwicklung, die wir in aller Schärfe verurteilen“, sagt Spannaus.

Hilfe für Fahrpersonal

Falls sich dann doch solche schwerwiegenden Fälle ereignen, versuche Eswe, sein Fahrpersonal zu unterstützen. „Kollegen, die Opfer eines Übergriffs wurden, werden sofort durch Eswe-Verkehr betreut“, sagt Spannaus. So erhalte jeder Mitarbeiter das Angebot einer kostenlosen externen seelsorgerischen Betreuung, falls erwünscht. Wassim A. ist, was ihn angeht, dennoch etwas enttäuscht. Wie er meint, habe man sich zu wenig um ihn gekümmert und ihn eher alleingelassen. Und so blickt der Busfahrer wenig zuversichtlich auf das kommende Jahr, zumal er auch nicht mehr sein volles Gehalt bezahlt bekomme und seiner Familie nun weniger Geld zur Verfügung stehe.

Eswe-Sprecher Spannaus appelliert indes noch einmal an alle Fahrgäste: „Begegnen Sie jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter von ESWE-Verkehr mit Respekt. Diese tun einen wertvollen Dienst für die Gemeinschaft - und können nichts für Verspätungen oder Busausfälle.“

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