Mehr Kindesmisshandlungen in Hessen

Die neuesten Zahlen des Bundeskriminalamtes sind alarmierender denn je: Entgegen dem bundesweiten Trend, hat die Zahl der Kindesmisshandlungen in Hessen stark zugenommen.

Mehr Kindesmisshandlungen in Hessen

Die Fälle von Kindesmisshandlungen sind im vergangenen Jahr in Hessen gestiegen. Wie der Hessische Rundfunk (HR) berichtet, hat es 2018 in Hessen 311 Fälle von Kindesmisshandlung gegeben. Diese Zahlen konnten auch vom Bundeskriminalamt bestätigt werden.

„Besser ein Fehlalarm als ein weiteres totes Kind.“ - Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, gegenüber dem HR

Ein Jahr zuvor wurden in Hessen 278 Fälle gemeldet. Entgegen dem deutschlandweiten Trend haben die Kindesmisshandlungen in diesem Bundesland stark zugenommen. „Für Hessen ist das ein negatives Ergebnis - auf Bundesebene gibt es seit Jahren kaum Veränderungen“, sagte Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, gegenüber dem HR. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr insgesamt 4129 Fälle gemeldet. Wenn Hinweise auf Kindesmisshandlungen bestehen, sollte diesen von den Kitas, den Schulen beziehungsweise vom Umfeld so schnell wie möglich nachgegangen werden, erklärt Becker. Aber oft gebe es eine Scheu, solche Auffälligkeiten anzuzeigen. „Ich sage immer: besser ein Fehlalarm als ein weiteres totes Kind“, sagt Becker dem HR.

Zumeist würden Kindesmisshandlungen von denen begangen werden, die den Kindern eigentlich am nächsten stehen, so Becker. Dazu zählten Eltern, Lebensgefährten eines Elternteils, Pflegeeltern, Betreuer oder Pflegepersonal.

Der besorgniserregende Trend machte sich auch bei der Kinderschutzambulanz des Frankfurter Universitätsklinikums bemerkbar. 2018 sind so viele Kinder wie nie in jene Ambulanz gebracht worden. Auf eine Kleine Anfrage der FDP bestätigt das hessische Wissenschaftsministerium 271 Verdachtsfälle auf Missbrauch, Misshandlung oder Vernachlässigung, die in der Ambulanz gemeldet wurden. Dabei steige die Zahl der Fälle von Jahr zu Jahr. Die Ambulanz für Kinderschutz wurde 2010 gegründet und zählte bis Ende 2018 insgesamt 1784 Fälle.

Viele Fälle ließen sich aufklären und zumeist stecke auch keine Kindeswohlgefährdung dahinter, aber bei einigen bestehe dann doch eine Gefährdung, erklärt Marco Baz Bartels, Oberarzt der Kinderschutzambulanz, dem HR. „Es sind Fälle, die einen nicht immer unberührt lassen, sondern auch mitnehmen“, sagt der Frankfurter Oberarzt. (df)

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