Woher das Halal-Fleisch in Wiesbaden kommt

Wer nach dem Regeln des islamischen Glaubens lebt, muss sich auch an bestimmte Ernährungsregeln halten. Dazu gehört auch, dass das konsumierte Fleisch in einer bestimmten Art und Weise hergestellt wird.

Woher das Halal-Fleisch in Wiesbaden kommt

Es ist ein Begriff, der in der deutschen Öffentlichkeit immer häufiger zu lesen ist: „halal.“ Sei es an den Kühlregalen in Supermärkten oder auf Speisekarten von Restaurants: Immer wieder liest man dort die Anmerkung, dass diese Speisen „halal“ seien. Doch was das Wort genau bedeutet und was es für Besonderheiten bei der Herstellung gibt, ist vielen unbekannt.

Halal und Haram

Das Wort stammt aus dem arabischen und bedeutet „erlaubt“, oder „zulässig“. In Bezug auf Lebensmittel sind daher alle Speisen, die nach den Regeln des Islam hergestellt werden, halal. Alles, was nicht erlaubt ist, wird als „haram“, auf deutsch „verboten“ eingeordnet. Besonders bei Fleischprodukten ist die Halal-Einstufung wichtig, da etwa Schweinefleisch im Islam als unrein gilt.

Doch auch bei der Verarbeitung des Fleischs gibt es strenge Regeln im Islam, was zu Konflikten mit den deutschen Gesetzen führen kann. „Nach islamischen Regeln muss ein Tier bei lebendigem Leib geschlachtet werden, also ihm wird die Kehle durchgeschnitten, sodass es ausblutet“, erklärt Tekin Tas, der seit drei Jahren die Metzgerei „Merkez“ in der Straße der Republik in Biebrich betreibt. Die sogenannte Methode des „Schächtens“, also dass das Tier ohne vorherige Betäubung getötet wird, ist in Deutschland verboten.

„Wichtig ist, dass das Tier beim Schnitt durch die Kehle noch lebendig ist.“ - Tekin Tas

Dies sei im Islam aber gar nicht zwingend notwendig, wie Tas erklärt: „Wichtig ist, dass das Tier beim Schnitt durch die Kehle noch lebendig ist. Es kann auch vorher betäubt werden, etwa durch einen Stromschlag.“ Dies sei auch die angewandte Methode des Schlachtbetriebes, von dem der Biebricher seine Waren bezieht. Damit das Fleisch als halal eingestuft wird, gibt es aber noch viele weitere Regeln, wie der Metzger erklärt: „Es ist ganz wichtig, dass in dem Schlachthaus nicht parallel auch Schwein verarbeitet wird. Auch muss der Metzger selbst Moslem sein und das Tier im Namen Allahs schlachten.“ Die Weiterverarbeitung, also das Zerteilen des Tieres, könne auch ein Nicht-Moslem durchführen. Dazu sei laut Tas noch wichtig, dass das Tier ohne Stress zum Schlachthof gelange und nach dem Durchtrennen von Luft- und Speiseröhre sowie Halsschlagader möglichst schnell ausblute.

Gesteigerte Nachfrage

Laut einem Bericht der „Welt am Sonntag“ sei die weltweite Nachfrage nach Halal-Fleisch in den vergangenen Jahren stark angestiegen und gehe auch noch weiter nach Oben. Neben dem Anwachsen der muslimischen Bevölkerung sei auch ein intensiverer Umgang mit der Ernährung ein Grund dafür, was Tas für seine Wiesbadener Kunden auch bestätigen kann: „Meine Kunden wollen genau wissen, aus welchen Schlachthof das Fleisch stammt, da es auch einige Anbieter gibt, die im selben Gebäude Schweinefleisch verarbeiten.“

Auch seine vielen nicht-muslimischen Kunden seien sehr an der Herstellung des Fleisches interessiert: „Manche haben Zweifel, aber wenn ich ihnen erkläre, dass die Tiere vor der Schlachtung betäubt werden, sind sie beruhigt.“ Einige würden auch gezielt Halal-Fleisch kaufen, da es aus ihrer Sicht besser schmecken würde. Neben Privatkunden beliefert die Biebricher Metzgerei auch mehrere Restaurants und Kantinen in Wiesbaden, darunter etwa die der ELW, bei der auf Rücksicht auf die muslimischen Mitarbeiter auch immer Halal-Gerichte auf der Karte stehen würden. (ts)

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