Warum in Schulen kaum Schweinefleisch serviert wird

An vielen Wiesbadener Schulen wird für die Schüler Mittagessen angeboten. Schweinefleisch wird dabei kaum angeboten. Aber wer macht eigentlich die Speisepläne und wie wird entschieden, was es gibt? Wir haben uns erkundigt.

Warum in Schulen kaum Schweinefleisch serviert wird

In der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung ging es kürzlich hoch her (wir berichteten). Der Grund: Ein Streit über das Essen an Schulkantinen. Die AfD Wiesbaden meint, es werde zu wenig Schweinefleisch angeboten, darüber entbrannte eine hitzige Debatte. Doch wie kommen die Speisepläne an den Schulen zustande? Und gibt es eigentlich Beschwerden über zu wenig Schwein auf der Speisekarte?

Gleiche Richtlinien für alle

„Die Grundlage für das Essensangebot an Schulen sind die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Daran müssen sich alle halten“, sagt Martina Meckel vom Amt für Soziale Arbeit. Ihre Abteilung ist zuständig für die meisten von insgesamt 68 Wiesbadener Schulkantinen, die von Caterern beliefert werden.

„Bei uns ist noch keine Beschwerde eingegangen, dass zu wenig Schwein angeboten wird.“ - Martina Meckel, Amt für Soziale Arbeit

Im Rahmen dieser Richtlinien könnten Caterer und Schulen aber selbst entscheiden, was auf den Speiseplan kommt. Darin stehe nicht, dass es an Schulen kein Schweinefleisch geben dürfe. Tatsächlich werde an den meisten Schulen aber kein Schwein angeboten - das habe vor allem praktische Gründe.

Denn wenn Schwein auf der Speisekarte steht, müsse laut Richtlinie für muslimische Schüler eine Alternative angeboten werden. Das bedeute mehr Aufwand und Arbeit für Caterer und Personal, die man gerne vermeide. „Bei uns ist aber noch keine Beschwerde eingegangen, dass zu wenig Schwein angeboten wird“, so Meckel.

Das sagen die Schulen

„Bei uns gibt es generell kein Schweinefleisch. Da beschwert sich keiner drüber.“ - Julia Meiss, Blücherschule

„Bei uns gibt es generell kein Schweinefleisch“, sagt Julia Meiss, Sekretärin an der Blücherschule im Westend. Dort wird selbst gekocht - Die Speisepläne bestimmt die Schulleitung. Grund für den Verzicht auf Schweinefleisch sei schlicht, dass man sonst zwei Fleischgerichte anbieten müsse. Ein Problem sei das aber nicht: „Da beschwert sich keiner drüber“, so Meiss.

Auch an der Erich-Kästner-Schule in Wiesbaden Schierstein gibt es kein Schwein auf der Speisekarte. Sie ist eine von 35 Schulen, die vom Wiesbadener Großcaterer El Tucano beliefert werden. Dessen Speisepläne für alle Schulen sind öffentlich einsehbar und beschränken die Fleisch-Auswahl auf Rind und Geflügel.

Der Caterer mache Vorschläge für die Gerichte, denen man grundsätzlich folge, sagt Dirk Mlaka, Schulleiter der Erich-Kästner-Schule. Man habe aber durchaus Einfluss darauf, was auf den Tisch kommt. Die Schüler könnten auch direkt in der Kantine ihre Meinung zum Essen an den Caterer weitergeben. Angesprochen auf das Thema Schweinefleisch sagt Mlaka: „Das vermisst hier keiner. Weder Eltern noch Schüler haben sich je beschwert, dass das zu wenig angeboten wird.“

Caterer sehen kein Problem

Warum man auf Schweinefleisch auf der Speisekarte verzichtet, dazu möchte das Unternehmen El Tucano keine Stellung nehmen. „Wir möchten da kein Politikum draus machen“, sagt eine Mitarbeiterin.

Benedikt Schwaderlapp hingegen äußert sich. Er ist Chef der Biebricher Cateringfirma Lobby Delikatessen, die auch Schulcatering anbietet. „Wir verwenden schon Schweinefleisch, heute zum Beispiel gibt's welches“. Schweinefleisch sei aber problematisch, denn man wolle kein mit Medikamenten belastetes „Quäl-Schwein“ aus Massentierhaltung verwenden. Unter anderem deshalb werde insgesamt eher wenig Schwein verwendet.

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