Nach Tönnies-Skandal: Woher das Fleisch in Wiesbadener Läden kommt

Der Corona-Ausbruch in einer Fleischfabrik im Kreis Gütersloh sorgte Bundesweit für Aufsehen. Seither interessieren sich auch viele Wiesbadener dafür, wo ihr Fleisch hergestellt wird.

Nach Tönnies-Skandal: Woher das Fleisch in Wiesbadener Läden kommt

Der Skandal um den Corona-Ausbruch in einer Großschlachterei der Firma Tönnies in Nordrhein-Westfalen hatte deutschlandweit für Erschütterung gesorgt. Neben den schlechten Arbeitsbedingungen für die Angestellten gab es auch viel Kritik an der Massenproduktion in der Fleischindustrie. Nach längerer Schließung durfte Tönnies Anfang der Woche die Arbeit wieder aufnehmen. Viele Menschen haben daher begonnen, die genaue Herkunft von Fleischprodukten zu hinterfragen. Darunter auch Merkurist-Leser Michael, der in einem Snip fragte, woher das Fleisch in Wiesbadener Geschäften stammt.

Nur noch wenige Metzgereien in Wiesbaden

In Wiesbaden sind die klassischen Metzgereigeschäfte fast verschwunden. Nur noch wenige bieten Fleisch und Wurst aus eigener Herstellung an. Einer der letzten dieser Art ist die Metzgerei Brauer in Wiesbaden-Delkenheim. Das fast 100 Jahre alte Unternehmen wird seit vier Generationen in Familienhand betrieben. In der Rhein-Main Region gebe kaum noch große Rinder- oder Schweinemastbetriebe, erklärt Blanca Panchyrz, Fleischermeisterin bei Brauer: „Aus diesem Grund beziehen wir unser Fleisch von Händlern aus der Region, die wir schon seit Generationen kennen und mit denen wir vertrauensvoll zusammenarbeiten.“

Auch wird das Fleisch bei Brauer direkt vor Ort verarbeitet. So bekommt die Metzgerei Schweinehälften geliefert, welche vor Ort weiter zerlegt und verarbeitet werden. Sein Rindfleisch bezieht der Betrieb aus Stall- und Weidehaltung aus dem Limburger Raum. Auch dieses wird erst in der Metzgerei weiterverarbeitet. Verkauft werden die Waren zum größten Teil in den beiden Filialen von Brauer in Nordenstadt und Delkenheim.

Eine weitere Metzgerei im Familienbetrieb findet man im Süden Wiesbadens. Ebenfalls seit vier Generationen besteht der Fleischgroßhandel Rembser in Kastel. Anders als Brauer setzten die Kasteler eher auf Großverbraucher. Neben verschiedenen Metzgereien beliefert der Fleischhändler auch Gaststätten, Kantinen, Krankenhäuser und Altenheime im Raum Wiesbaden und Mainz. Trotz der großen Produktionsmenge würden alle angebotenen Wurstwaren im Betrieb selber hergestellt, so das Unternehmen.

Tipps der Verbraucherzentrale

Aufgrund des geringen Angebots an lokalen Metzgern bleibt für viele Wiesbadener aber meist nur der Gang in den Supermarkt. Hier ist es nicht immer ganz einfach zu erkennen, welche Herkunft das Fleisch hat. Die Verbraucherzentrale rät hier, auf das ovale Identitätskennzeichen auf der Verpackung zu achten. Dieses gibt an, ob das Fleisch aus Deutschland oder dem Ausland stammt und auch, in welchem Bundesland es verarbeitet wurde. Gleichzeitig findet sich auf dem Fleisch eine fünfstellige Nummer. Mit dieser kann man über das Bundesamt für Verbraucherschutz den genaue Herkunftsbetrieb ermitteln.

Darüber hinaus weist die Verbraucherzentrale darauf hin, dass es keine Hinweise auf Infektionen von Menschen mit dem neuartigen Coronavirus durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln gibt. Übertragungen über Oberflächen, die mit Viren verunreinigt worden sind, seien durch Schmierinfektionen zwar theoretisch denkbar – jedoch allenfalls kurz nach dieser Verunreinigung. (js)

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