Sorgte ein Bedienungsfehler für das Busunglück am Hauptbahnhof?

Zweieinhalb Monate nach dem tödlichen Busunglück am Wiesbadener Hauptbahnhof ist die Ursache des Vorfalls noch immer nicht geklärt. Eine Dienstanweisung der ESWE Verkehr an ihre Mitarbeiter lässt nun Raum für Spekulationen.

Sorgte ein Bedienungsfehler für das Busunglück am Hauptbahnhof?

Nach dem Busunglück am 21. November 2019 gibt es neue Erkenntnisse, die auf einen Bedienungsfehler beim Fahrerwechsel kurz vor dem Unglück hinweisen. Wie Merkurist von einem Mitarbeiter der ESWE Verkehr erfuhr, wurde am Dienstag, den 4. Februar, ein Rundschreiben an alle Busfahrer des Unternehmens verschickt. Der Brief weist die Fahrer an, eine Notlösevorrichtung für die Haltestellenbremse nur noch dann zu lösen, wenn sie von der Zentrale der ESWE dazu aufgefordert werden.

Die Mitarbeiter mussten das Papier unterzeichnen. Es wird der Personalakte beigefügt und bei Nichtbeachtung drohen Konsequenzen. Die Haltestellenbremse arbeitet mit Druckluft und ist an die Türsteuerug der Fahrzeuge gekoppelt. Im Normalfall kann ein Bus nicht mit offenen Türen losfahren. Betätigt der Fahrer einen Knopf, der die Druckluftbremse löst, wird dies außer Kraft gesetzt, die Weiterfahrt ist dann auch mit offenen Türen möglich.

Neue alte Dienstanweisung

Brisanz erhält das Rundschreiben der ESWE durch mehrere Augenzeugen, die berichteten, der Bus sei am 21. November mit offenen Türen losgefahren. Einen Zusammenhang zwischen dem Rundschreiben und den Ermittlungen und Erkenntnissen gibt es aber laut ESWE Verkehr-Sprecher Christian Giesen nicht. „Diese Dienstanweisung, die das Thema ‘Verlassen des Fahrersitzes’ behandelt hat, muss alle fünf Jahre erneuert werden“, erklärt er.

Die in dieser Woche verschickten Briefe seien wortgleich zu den Dokumenten von vor fünf Jahren. „Auch wenn das Unglück nicht passiert wäre, hätten wir es erneuern und verschicken müssen“, so Giesen. „Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Unfall am Hauptbahnhof und Veröffentlichung der Dienstanweisung besteht nicht.“

Gutachten steht noch aus

Unklar bleibt aber , warum der Bus nach dem Fahrerwechsel von der Bahnhofstraße aus über mehrere Spuren sowie den Grünstreifen auf dem Kaiser-Friedrich-Ring gefahren ist. Dabei rammte er mehrere Autos und einen Bus und kam schließlich in einer Haltestelle vor dem Hauptbahnhof zum Stehen. Das Ergebnis des unfallanalytischen Gutachtens steht noch aus.

Die Wiesbadener Staatsanwaltschaft ermittelt indes auch gegen den Fahrer, der vor dem Unglück am Steuer des Busses saß. Dieser hatte das Fahrzeug an den 65-Jährigen übergeben, der mit dem Bus in die Haltestelle gefahren war. Ihm werde vorgeworfen, die Übergabe nicht ordnungsgemäß durchgeführt zu haben, wie Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn erklärt. Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung im Straßenverkehr. (js)

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