Ist das Schloss Freudenberg ein „Schandfleck“?

Das Schloss in Dotzheim bietet Besuchern keinen schönen Anblick - der Sanierungsbedarf ist offensichtlich. Dem ansässigen Verein sind die Probleme bekannt, er verweist auf die angespannte finanzielle Lage.

Ist das Schloss Freudenberg ein „Schandfleck“?

Eine Bar in absoluter Finsternis, eine Kältekammer, wo Besucher Eiskristallen beim Wachsen zusehen können oder ein Klangraum: Das Erfahrungsfeld im Schloss Freudenberg ist sicherlich eine der ungewöhnlichsten Ausflugsadressen im Rhein-Main Gebiet. Merkurist Leser Tom war nach seinem letzten Besuch im Schloss aber etwas betrübt. Der Grund: Die bauliche Beschaffenheit des über 100 Jahre alten Gebäudes war für ihn alles andere als einladend:

In einem Snip bezeichnet er das Schloss als einen „Schandfleck.“ Besonders die kaputte Fassade gebe kein schönes Bild ab, meint er:

Der künstlerische Leiter des Schlosses, Matthias Schenk, ist über die Beschreibungen des Lesers nicht verwundert: „Der Merkurist-Leser hat völlig recht. Das Freudenberger Schloss ist in einem erbärmlichen Zustand.“ Auch der einst prächtige englische Garten um das Schloss sei alles andere als schön.

„Das Freudenberger Schloss ist in einem erbärmlichen Zustand.“ - Matthias Schenk

Doch wie konnte es dazu kommen, dass das historische Anwesen so sehr zu zerfallen scheint? Dazu muss man einen kleinen Blick in die Geschichte des Anwesens werfen. Als 1993 der Verein „Gesellschaft Natur & Kunst gemeinnütziger e.V“ das Haus übernahm, befand es sich schon in einen baulich sehr schlechten Zustand. „Das Schloss war als unbewohnbar erklärt, schwammverseucht, einsturzgefährdet und es gab keinerlei Infrastruktur was Wasser, Strom und Heizung angeht“, beschreibt Schenk den damaligen Zustand des Hauses.

Hohe Kosten - wenig Geld

Mit der Übernahme durch den Verein wurde damals ein 66-jähriger Erbvertrag mit der Stadt geschlossen, mit dem sich der Verein für die Sanierung des Hauses verantwortete. Seither sei sehr viel getan worden, meint Schenk: So sei der Schimmel beseitigt worden, der Dachstuhl saniert und das Dach neu gedeckt worden. Gleichzeitig wurde der Schlosspark entmüllt und zum ersten Mal seit über 60 Jahren sei mit Wiederaufforstung und Baumpflege begonnen worden.

Dennoch sei das Haus eine permanente Baustelle, sagt Schenk. Dazu komme, dass der Verein für alle anfallenden Kosten alleine aufkommen müsse: „Wir entwerfen und bauen die im Schloss ausgestellten Kunstwerke, wir unterhalten Schloss und Park mit Handwerkern und Gärtnern“, erklärt der Künstlerische Leiter. Erst in diesem Jahr musste das Haus 350.000 Euro zur Erfüllung der Brandschutzauflagen bezahlen. Daher bitter Schenk um Verständnis, dass die Sanierung des Haues nur in kleinen Schritten voran gehen kann.

Wer mehr über die Geschichte des Schlosses erfahren möchte, kann am Sonntag den 5. Mai ins Caligari Kino kommen. Dort wird ab 17:30 Uhr der Dokumentarfilm „Schloss Freudenberg, die Suche nach dem Sinn“ gezeigt. Das Kino öffnet ab 17 Uhr, der Eintritt kostet 7 Euro. (lp)

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