Wiesbadener Hebamme warnt vor Hausgeburten wegen Corona

Immer mehr schwangere Frauen in Wiesbaden wünschen sich in Zeiten von Corona eine spontane Hausgeburt. Eine Hebamme schlägt nun Alarm - denn eine Geburt zuhause kann schnell riskant werden.

Wiesbadener Hebamme warnt vor Hausgeburten wegen Corona

Strenge Besuchsregeln in Krankenhäuser, die bis zu Verboten reichen, verunsichern derzeit viele Schwangere in Wiesbaden und Mainz. Das zumindest ist der Eindruck von Anika Spahn, Kreissprecherin der Wiesbadener Hebammen. Immer mehr Frauen, so Spahn, haben ihr und ihren Kolleginnen gegenüber in den vergangenen Wochen den Wunsch geäußert, ihr Kind zuhause oder sogar alleine zur Welt zu bringen. Die Expertin rät davon jedoch dringend ab.

Lange Planung nötig

Denn eine Hausgeburt, so Spahn, berge viele Gefahren für die Mutter und das Neugeborene. Es handele sich um eine Entscheidung, die nicht spontan kurz vor Ende der Schwangerschaft getroffen werde sollte. Das kann auch Carina (Name von der Redaktion geändert) bestätigen. Die heute 38-Jährige hat ihren Sohn vor vier Jahren ebenfalls zuhause zur Welt gebracht und weiß um die nötige Vorbereitung.

„Die Betreuung während der Schwangerschaft war viel intensiver.“ - Carina über ihre Hausgeburt

„Die Hausgeburt war ein lang gehegter Wunsch von mir und meinem Mann“, erzählt sie gegenüber Merkurist. Dennoch: „Viele aus unserem Bekanntenkreis und der Familie konnten die Entscheidung nicht nachvollziehen und wollten uns sogar davon abhalten.“ Das Paar sei froh, dass das Kind tatsächlich im eigenen Wohnzimmer zur Welt kommen konnte, doch bis dahin sei es ein langer Weg gewesen. „Wir haben uns von Anfang an eine Hebamme gesucht, die schon viel Erfahrungen mit Hausgeburten hatte“, erzählt Carina. „Die Betreuung während der Schwangerschaft war viel intensiver“, vergleicht sie die Situation mit der Geburtsvorbereitung bei ihrem ersten Kind.

Dass eine Hausgeburt auch für eine Hebamme eine besondere Herausforderung ist, kann Spahn bestätigen. „Die Hebamme muss die Entwicklung des Bauches von Anfang an gut beobachten können. Sobald auch nur ein kleiner Verdacht für eine Risikoschwangerschaft aufkommt, ist eine Hausgeburt nicht möglich“, sagt sie.

Betreuung im Wochenbett

Vor allem eine Alleingeburt ganz ohne Hebamme berge viele Risiken für Mutter und Kind. So könne es zu starken Blutungen bei der Mutter und zu Sauerstoffmangel beim Kind kommen, die die Hebamme erkennen kann. Aber auch im Wochenenbett, also in den Tagen nach der Geburt, sei es wichtig, von einer Hebamme betreut zu werden.

In den Krankenhäusern beobachte Spahn derzeit eine besondere Ruhe auf vielen Mutter-Kind-Stationen. Denn seit dem Besuchsverbot in den Krankenhäusern, sei Ruhe eingekehrt. „Pfleger und Hebammen haben jetzt noch mehr Zeit als vorher für die Mütter. Die Atmosphäre ist in vielen Krankenhäusern deshalb besonders entspannt.“

Auf einen Blick:

In den Geburtskliniken in Wiesbaden, also in den Helios Dr. Horst Schmitt Kliniken (HSK), im St. Josefs-Hospital (JoHo) und in der Asklepios Paulinen Klinik ist es Schwangeren weiterhin erlaubt, eine Begleitperson mit in den Kreißsaal zu nehmen. In den Operationssaal bei einer Kaiserschnittgeburt dürfen nur Hebammen mitkommen. In den HSK ist zudem weiterhin eine Stunde Besuch am Tag erlaubt, dort darf eine Begleitperson außerdem auch bei Kaiserschnittgeburten dabei sein.

Im Katholischen Klinikum Mainz (KKM) gilt zwar derzeit ein generelles Besuchsverbot, werdende Väter sind davon jedoch ausgenommen. Sie können dort bei der Geburt dabei sein. Die Universitätsmedizin in Mainz erlaubt eine Begleitperson im Kreißsaal. Auf den Stationen herrscht sonst aber ein Besuchsverbot. (ab)

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