Wiesbadener Künstler bringt sein Werk „Werdet Brüder“ in seine Heimatstadt

Eine Begegnung mit Enno-Ilka Uhde vergisst man nicht so schnell. Das gilt auch für sein Werk „Werdet Brüder“, dass das Zusammenwachsen über 25 Jahre der Wiedervereinigung thematisiert. Die letzten fünf Stelen hat er in seine Geburtsstadt gebracht.

Wiesbadener Künstler bringt sein Werk „Werdet Brüder“ in seine Heimatstadt

Er gestaltete die Eröffnungsfeiern von Champions League-Finalspielen, erschuf zahlreiche Shows und Gala-Abende im Europa-Park, er malt, dichtet, fotografiert, filmt und performt: Der gebürtige Wiesbadener Enno-Ilka Uhde ist über die Landesgrenzen hinaus als kreativer Geist, visionärer Denker und europäischer Konzeptkünstler bekannt.

Zu seinen Werken gehören auch 26 unikat gestaltete Stelen, die mit dem Titel „Werdet Brüder“ die gesellschaftspolitische Dimension des vereinten Deutschlands ästhetisch wiedergeben. 2015 präsentierte er sie erstmals zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit in Frankfurt. 21 der Kunstwerke haben seitdem einen neuen Besitzer, die verbleibenden fünf hat Uhde nun mit dem Wiesbadener Jungunternehmen smart-collectors zurück in seine Heimatstadt gebracht. Es sind die Stelen für die Jahre 1994, 1996, 2009, 2011 und 2013.

„Es fühlt sich einfach richtig an.“ - Enno-Ilka Uhde

„Es fühlt sich einfach richtig an“, strahlte der Künstler bei der offiziellen Übergabe an smart-collectors in den Räumen der Wiesbadener Casino-Gesellschaft.

Symbol der Freiheit und Einheit

Gearbeitet sind die Werke in Acryl auf Leinwand im Format 220 cm x 80 cm. Auf jedem prangt als Symbol der Freiheit und Einheit ein stilisiertes Brandenburger Tor in Gold. Die Quadriga auf dem handgefertigten Keramikrelief hat Uhde selbst modelliert.

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„Kunst deutet auf etwas hin“, erläutert er. Bei den Stelen seien es die Jahreszahlen und das Jubiläum der Deutschen Einheit. Mit seinem Zeit-Werk will er „Bögen herstellen zwischen Ereignissen, ein verbindendes Element schaffen.“ Seine Schriftbilder, wie er sie nennt, sind für ihn Ausdruck des Geistes und werden zu Gedächtnisstützen für diese Jahre mit der unüberhörbaren Aufforderung: WERDET BRÜDER!

Diese Aufforderung dämmere immer vor uns hin, so Uhde. Seiner Ansicht nach sei es der Idealzustand, den wir anstreben. „Aber im Prinzip ist die Idee uneinlösbar“, sagt er. Deshalb stehe auch der Imperativ auf jeder Stele über der Skulptur des Brandenburger Tors.

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Inhaltliches Fundament für dieses Stelen-Zeit-Werk bildet für Uhde das Grundgesetz mit seinem 1. Artikel: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

„Die Stelen machen den Appell an die Menschlichkeit deutlich.“ - Ulrich Schwarz

„Die Stelen machen den Appell an die Menschlichkeit deutlich“, kommentiert der anwesende Autor Ulrich Schwarz, der das Thema gerade in einem Tatsachenroman mit der Geschichte einer Flucht behandelt hat. Und Christian Rother, Geschäftsführer von smart-collectors und Mitinitiator der Rückführung der Stelen nach Wiesbaden, ergänzt: „Es ist eine aktive Auseinandersetzung mit Geschichte mit einem einfachen Zugang.“

Die geschichtliche Auseinandersetzung soll aber auch aktuellen Problemen dienen: Beim Verkauf von drei der „Werdet Brüder“-Werke spendet die smart-collectors GmbH gemeinsam mit dem Käufer je 5.000 Euro an den Förderverein Stiftung Deutsche Sporthilfe Wiesbaden. Der Gesamtpreis einer Stele liegt bei 17.000 Euro, der Käufer könne das Werk noch individualisieren lassen. „Mit diesen hoffentlich zustande kommenden 15.000 Euro möchten wir für das sportlich kulturelle Ereignis, dem Ball des Sports in Wiesbaden, einen Beitrag leisten“, so Christian Rother.

Künstler von Kindesbeinen an

Für Uhde begann die Auseinandersetzung mit künstlerischen Themen bereits im Kindesalter. „Seit meinem fünften Lebensjahr beschäftige ich mich mit Kunst“, sagt er. Er saß damals im Staatstheater Wiesbaden und sah fasziniert zu, wie sich der Vorhang öffnete und ihm den Mythos der Oper in Klang und Bild offenbarte. Geboren 1948 in Wiesbaden absolvierte er eine Ausbildung im Operngesang am Konservatorium Wiesbaden und studierte an der Universität Frankfurt Germanistik, Politologie und Philosophie.

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Im Jahr 2012 wurde er als Spezialist für Performance-Design und Inszenierung von Gesamtkunstwerken im öffentlichen Raum zum Professor an der Hochschule für Musik in Karlsruhe berufen.

„Form und Inhalt müssen zusammenkommen.“ - Enno-Ilka Uhde

„Egal wie die Aufträge und Projekte sein mögen, Form und Inhalt müssen zusammenkommen“, lautet das Prinzip von Uhde. Er beschreibt den künstlerischen Prozess als einen ganz persönlichen, nämlich die Verdichtung der Elemente in ihm selbst. „Performance ist die Visualisierung einer Idee in einem Bild, in einer Bildinstallation“, erklärt er. Zuerst surfe man im Hirn herum. Der Kreative pflanze dies in die Wirklichkeit ein. „Wenn es gut ist, erzählt es etwas“, attestiert er.

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