Oma und Opa mieten: Großeltern-Service nach 15 Jahren eingestellt

Nicht jedes Kind kennt das Gefühl, Großeltern zu haben. Sei es, weil Oma und Opa zu weit weg wohnen, oder weil sie früh verstorben sind. Der Großeltern-Service brachte solche Kinder lange mit Ersatz-Großeltern zusammen - doch das ist jetzt vorbei.

Oma und Opa mieten: Großeltern-Service nach 15 Jahren eingestellt

Die Familie kann man sich nicht aussuchen? Doch. In Wiesbaden schon. Rund 15 Jahre lang konnten sich Familien ihre Wunsch-Großeltern aussuchen — und umgekehrt. Der Großeltern-Service der Evangelischen Familienbildung wollte damit Omas und Opas mit Kindern zusammenbringen, die keine haben. Die älteren, manchmal allein lebenden Menschen bekamen im Gegenzug eine neue Familie. Ein Projekt, das für alle Beteiligten wertvoll war — und es so ab sofort nicht mehr geben wird.

„Unseren langjährigen und mit viel Liebe gepflegten Großeltern-Service müssen wir leider einstellen“, schreibt die Evangelische Familienbildung auf ihrer Webseite. Der Grund für das Ende des Großeltern-Service sei nicht etwa, das Familien keine Unterstützung mehr bräuchten. Viel mehr gebe es zu wenige ältere Menschen, die sich als Großeltern anbieten würden.

Generation der Großeltern hat sich verändert

„Die heutige Generation der Großeltern hat sich verändert“, heißt es aus dem Großeltern-Service. Ältere Menschen seien aktiver und in anderen Freizeit- oder Ehrenamtsbereichen unterwegs. „So haben wir in der letzten Zeit immer weniger Großeltern gefunden, die sich ehrenamtlich bei uns als Wunschgroßeltern engagieren wollen.“

Das ist keine neue Entwicklung. Schon 2016 erzählte Uschi Opfermann vom Großeltern-Service in einem Merkurist-Gespräch davon: „Leider gibt es viel mehr junge Familien, die den Kontakt zur älteren Generation suchen, als umgekehrt.“ Dabei sei das Feedback von allen Seiten durchweg positiv gewesen: „Sie sind begeistert. Kinder glücklich, Eltern glücklich, Wunsch-Großeltern glücklich.“

Weil immer noch viele Familien den Wunsch nach Unterstützung haben würden, will sich die evangelische Familienbildung jetzt etwas Neues ausdenken. Gemeinsam mit der Lebensabendbewegung, dem Freiwilligenzentrum und dem Seniorentreff in Biebrich will sie in den nächsten Wochen und Monaten ein neues, ähnliches Angebot für Familien entwickeln. (nl)

Mehr zum Großeltern-Service lest Ihr hier.
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