So will die Stadt Wiesbaden Energie sparen

Kommunen müssen Energie sparen. Und so setzt auch Wiesbaden einen Gas- und Energiesparplan um. Bald wird es deshalb dunkler und kühler in der Stadt.

So will die Stadt Wiesbaden Energie sparen

„Unsere Energieversorgung ist wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine gefährdet. Energiesparen ist deshalb das Gebot der Stunde“, sagte Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) bei einer Pressekonferenz am Montag. Um zwanzig Prozent Energie einzusparen, hat die Stadt einen zweistufigen Gas- und Energiesparplan entwickelt.

Grundsätzlich geht es darin um fünf große Komplexe, bei denen Energie eingespart werden soll: Beleuchtungen, Bäder, Lüftungsanlagen, Raumtemperaturen und Warmwasser. „Die erste Stufe nenne ich ‘Komfortverzicht’. Durch die Maßnahmen wird das Leben etwas ungemütlicher. Die zweite Stufe ist deutlich einschneidender“, so Mende.

Erste Maßnahmen treten in Kraft (Stufe 1)

Die Maßnahmen der ersten Stufe treten nach und nach in den nächsten Tagen in Kraft und richten sich nach den angekündigten Vorgaben des Bundes. Einen festen Stichtag gibt es nicht, da die Umstellung zum Teil sehr aufwändig sei und man sukzessiv daran arbeiten müsse. Das bedeutet konkret:

  • Denkmäler und repräsentative Gebäude wie das Kurhaus, die Marktkirche und das RMCC werden bald nicht mehr beleuchtet sein. Während man in Mainz drei Gebäude als Orientierungspunkte weiterhin anstrahlt, will man in Wiesbaden keine Ausnahme machen. „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt Mende. Die Straßenlaternen bleiben weiterhin wie gewohnt an, da es technisch nicht möglich sei, jede zweite auszuschalten. Ob man sie dimmen kann, werde derzeit geprüft. Ampeln, Parkleitsysteme und sonstige Straßen- sowie Treppenbeleuchtung bleiben ebenfalls an.

  • Die Wassertemperatur in den Hallenbädern Kleinfeldchen, Mainzer Straße und Kostheim wurde bereits im April auf 26 Grad gesenkt. In Zukunft wird die Temperatur auf 24 Grad abgesenkt, ausgenommen sind Kinderbecken und Nichtschwimmerbecken. Die Freibäder sind nicht betroffen, weil sie ohnehin nicht beheizt worden seien und die Saison bald ende. Ob auch Brunnen abgeschaltet werden, wird noch geprüft.

  • Lüftungsanlagen sollen bis zum Beginn der Heizperiode außer Betrieb genommen werden, wenn es die Pandemiebedingungen und Hygienevorschriften zulassen. Ausnahmen gibt es in einigen Kindergärten, Schulen und in Sporthallen, die nicht ausreichend über Fenster belüftet werden können sowie für Hallen mit gekoppeltem Heizungs-Lüftungssystem.

  • In öffentlichen Gebäuden sollen zentrale und dezentrale Anlagen für Warmwasser wie Durchlauferhitzer abgeschaltet werden, wenn das mit der Trinkwasserhygiene vereinbar ist. Davon ausgenommen sind voraussichtlich nach Bundesvorgaben medizinische und Pflegeeinrichtungen, Kitas und Einrichtungen, bei denen warmes Wasser unbedingt gebraucht wird.

  • Ebenfalls fest steht: Ab Beginn der Heizperiode werden die Temperaturen in städtischen Gebäuden wie Schulen, kulturellen Einrichtungen und Sporthallen gesenkt. Auf wie viel Grad, gibt der Bund vor, in Arbeitsräumen in öffentlichen Gebäuden seien 19 Grad vorgesehen, statt aktuell 20 bis 21 Grad.

Schärfere Maßnahmen möglich (Stufe 2)

Je nachdem wie sich die Situation entwickelt, können weitere Einschränkungen in Kraft treten. Dazu gehört folgendes:

  • Schwimmbäder könnten geschlossen werden, wenn es unvermeidbar ist. Das wolle man so gut es geht vermeiden, um die Bewegungsarmut der Kinder, die während der Pandemie entstanden ist, nicht weiter zu fördern. Sehr wahrscheinlich ist hingegen, dass die mit Gas beheizte Kaiser-Friedrich-Therme und das Thermalbad sowie weitere Saunen geschlossen werden.

  • Lüftungsanlagen könnten auch während der Heizperiode abgeschaltet bleiben.

  • Bestimmte Einrichtungen könnten geschlossen werden. „Denkbar wäre auch, lediglich Gebäudeteile zu schließen, vor allem, wenn sie besonders energieintensiv sind“, so Mende. Außerdem prüfe man, ob es sinnvoll ist, die städtischen Mitarbeiter im Winter wieder mehr Home-Office arbeiten zu lassen.

Langfristige Maßnahmen

Darüber hinaus werden langfristige Maßnahmen umgesetzt, um Energie zu sparen. So werden weiterhin Beleuchtungen in der Stadt nach und nach auf LED umgestellt, Gebäudetechnik ausgebaut, Heizungs- und Lüftungsanlagen optimiert und Bewegungsmelder installiert. ESWE Verkehr prüfe noch nicht ausgereizte Energiesparpotenziale.

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende appellierte auch noch einmal an die Bürger. Aber: „Ich bin kein Freund davon, die Menschen mit Vorschlägen zu gängeln“, sagte Mende. Man setze vor allem auf Aufklärung. Unter anderem auf der Website der Stadt gebe es viele hilfreiche Tipps für die Bürgerinnen und Bürger.

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