Traditionsgeschäft 'Ebert' macht nach 111 Jahren dicht

Über ein Jahrhundert gingen hier Eisenwaren, Holzlatten und Farben über den Tresen. Ende November ist Schluss, im Dezember wird der Laden leergeräumt.

Traditionsgeschäft 'Ebert' macht nach 111 Jahren dicht

Die Scheiben des Ebert sind mit „Räumungsverkauf“- und „30%“-Schildern vollgeklebt. Drinnen im Laden feilschen Schnäppchenjäger, um Nägel und Holzlatten zu noch niedrigeren Preisen zu ergattern. Die Zeit des Ebert in der Wiesbadener Bleichstraße neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Und damit stirbt - mal wieder - ein Traditionsgeschäft in der Innenstadt.

„Firmen wie diese haben heute keine Überlebenschance mehr.“ - Hans-Heinrich Hohenner

Das Geschäft habe sich nicht mehr gelohnt, sagt Hans-Heinrich Hohenner, Inhaber des Ebert. „Firmen wie diese haben heute keine Überlebenschance mehr.“ Seit 1907 verkaufte das Geschäft, das heute noch immer im Familienbesitz ist, Baumaterialien, Holz- und Eisenwaren. Erst in der Schwalbacher Straße, dann in der Bleichstraße 14-16 und seit 1948 am heutigen Standort - noch immer in der Bleichstraße, aber an der Ecke Hellmundstraße.

Seit Jahren kämpfe das Geschäft gegen große Baumärkte und das Internet als kommerziellen Anbieter, erklärt Hohenner. Als in den 70er-Jahren die Baumärkte aufkamen, habe er beobachten können, wie immer mehr kleinere Anbieter ihre Geschäfte aufgeben mussten. Einige Kunden bedauern, dass Ebert schließt. Merkurist-Leser Toni zum Beispiel fühlte sich dort immer gut aufgehoben.

Mitarbeiter anderswo untergekommen

Hohenner selbst hängt gar nicht so sehr am Ebert. Für ihn sei die Firma seit zehn Jahren ein Hobby, er habe den Laden nicht mehr, um damit Geld zu verdienen. „Ich hänge aber sehr an meinen Mitarbeitern“, betont er. Weil er nach 111 Jahren aber in Wiesbaden doch recht gut vernetzt sei, habe er kein Problem gehabt, sie alle anderswo unterzubringen.

„Ich will mit meinem einen Enkel auf die Jagd, mit dem anderen Enkel will ich Golf spielen.“ - Hans-Heinrich Hohenner

Ziel sei laut Hohenner gewesen, dass die Firma, die er von seinem Vater geerbt hat, 100 Jahre alt wird. Das hat der Inhaber übertroffen. Jetzt, wo er Rentner ist, will er sich aber eigentlich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren: „Ich will mit meinem einen Enkel auf die Jagd, mit dem anderen Enkel will ich Golf spielen.“

Ein paar Monate bleiben Hohenner aber noch, um sich von seinem Geschäft zu verabschieden: Das Ebert bleibt bis zum 30. November geöffnet. „Im Dezember werden wir den Laden dann komplett leerräumen“, sagt Hohenner. Das Haus in der Bleichstraße, das ihm übrigens ganz gehört, will er aber behalten. Einen Nachfolger gebe es im Moment noch nicht, aber die Ladenfläche soll wieder vermietet werden.

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