Wiesbadenerin bangt um private Wildtierstation

Nadine Vervoort lebt mit ihrer Familie, Gartenschläfern, Eichhörnchen und Waschbären auf dem Freudenberg. Sie kümmert sich seit Jahren ehrenamtlich um die Tiere. Doch langsam wird es eng in der Wohnung und im Garten.

Wiesbadenerin bangt um private Wildtierstation

Nadine Vervoort hatte schon als Kind ein Herz für Tiere. Als sie 2012 auf dem Gelände des Kindergartens ihrer Tochter ein Gartenschläferbaby fand, wollte sie ihm unbedingt helfen. Sie griff zum Telefon und versuchte eine Auffangstation für Wildtiere zu finden, die das Tier aufziehen könnte. Doch die Suche blieb ergebnislos.

Zuhause aufgenommen

„Ich hatte schon eine kleine Meerschweinchenstation.“- Nadine Vervoort

„Es gibt zwar Stationen in Hünfelden und Gau-Algesheim, doch die haben sich auf andere Tierarten spezialisiert“, erklärt Vervoort sieben Jahre später. Sie entschloss sich, das Fundtier bei sich zuhause selbst großzuziehen. „Ich hatte schon eine kleine Meerschweinchenstation“, sagt sie. Bereits im Jahr zuvor habe sie Haustiere bei sich aufgenommen, denen andere kein Zuhause mehr bieten konnten. Doch mit Wildtieren hatte sie zu diesem Zeitpunkt noch keine Erfahrungen gesammelt.

„Ich habe Literatur über die Aufzucht von Gartenschläfern gesucht — leider vergebens“, berichtet sie. Über das Internet sei sie schließlich mit einer Frau in Kontakt gekommen, die ihr für die Anfangszeit einige Tipps im Umgang mit den Tieren geben konnte. Vervoort nahm die Herausforderung an und zog das Tier groß. Und dabei sollte es nicht bleiben.

Aufzucht, Pflege und Vorträge

Bis zu 40 Tiere leben zeitweise bei Familie Vervoort auf dem Freudenberg. Im Moment seien es nur zehn, darunter auch Eichhörnchen und zwei Waschbären. „Doch im Sommer ist bei uns Hochsaison, da werfen die Gartenschläfer und es kommen neue Jungtiere nach“, weiß Vervoort, die inzwischen deutschlandweit als Expertin gilt.

„Tierschutz fängt mit guter Aufklärung im Kindesalter an.“ - Nadine Vervoort

In Wiesbaden sei sie vor allem bei Kindern bekannt. „Ich werde oft in Kitas oder Grundschulen eingeladen und halte dort Vorträge. Das mache ich mit Leidenschaft, denn Tierschutz fängt mit guter Aufklärung im Kindesalter an“, sagt sie. Aber auch für Erwachsene und Fachkleute habe sie schon Vortrags- und Informationsveranstaltungen initiiert.

Am liebsten würde die Tierschützerin den Interessenten auch die Station zeigen, doch das sei nicht immer möglich. „Wir haben Gehege und Volieren im Garten. In der Garage parkt bei uns schon lange kein Auto mehr, stattdessen haben wir dort Käfige stehen. Jungtiere, die alle vier bis fünf Stunden Futter brauchen, leben in der Anfangszeit sogar in unserem Wohnzimmer“, erzählt sie. Zeit für Familienurlaube bleibe dabei nicht mehr, und auch die Kosten für Tierfutter, Arztbesuche und Medikamente übernehme die Familie selbst. „Da kommen meist um die 300 Euro pro Monat zusammen“, sagt die Wiesbadenerin.

Zu wenig Platz

Mit ihrem Engagement komme sie seit einiger Zeit aber auch an ihre Grenzen. „Wenn ich die Station weiterhin führen will, brauche ich langfristig ein geeignetes Grundstück mit Lager dafür“, sagt sie. Aus eigener Tasche könne sie das aber nicht stemmen. „Dabei sind wir Anlaufstelle für Tierfunde im Umkreis von 300 Kilometern“, bedauert sie. Neben Privatleuten kämen auch andere Wildtierstationen, das Umweltamt und die Feuerwehr regelmäßig auf sie zu.

„Gerade in einer Stadt wie Wiesbaden haben Tiere zu wenig Platz. Waschbären werden aus der Innenstadt vertrieben, aber wenn sie bei mir landen, kann ich sie nicht mehr auswildern, das ist verboten“, erklärt die Tierschützerin eines der Hauptprobleme. Weitermachen wolle sie dennoch. Die Station ausbauen sei aber aber nicht möglich — aus Platz- und finanziellen Gründen. (ts)

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