Verbraucher können Lebensmittel jetzt selbst mitgestalten

Wer im Supermarkt einkauft, akzeptiert automatisch die hinter den Einkäufen steckenden Produktionsbedingungen. Wer dabei mitbestimmen möchte, schaut in die Röhre. Ein Verein aus dem Rheingau will das jetzt ändern.

Verbraucher können Lebensmittel jetzt selbst mitgestalten

Habt Ihr Euch schon mal Gedanken darüber gemacht, welches Futter die Kühe bekommen, die Eure Milch gegeben haben? Ist Euch wichtig, dass diese auch mal grasen können, oder soll die Milch am Ende einfach nur möglichst billig sein? Und welche Rolle spielt ein Bio-Siegel bei Eurer Auswahl?

Viele Verbraucher beschäftigen sich immer mehr mit den Inhaltsstoffen und der Herkunft ihrer Lebensmittel. Wer das wirklich ganz genau tun und alles nachvollziehen möchte, für den ist die Plattform „Du bist hier der Chef!“ wie gemacht. Dahinter steckt der gleichnamige Verein aus Eltville, der 2019 gegründet wurde.

„Verbraucher entscheiden selbst, nach welchen Kriterien Lebensmittel produziert werden.“ - Nicolas Barthelmé, Mitgründer

„Verbraucher entscheiden ab jetzt selbst, nach welchen Kriterien ihre Lebensmittel produziert werden sollen und zu welchem Preis sie bereit sind, diese zu kaufen“, erklärt Nicolas Barthelmé, einer der Gründer. Ziel des Vereins: Transparenz und Mitbestimmung für Verbraucher sowie gute und nachhaltige Produkte und eine faire Vergütung für die Landwirte.

Jeder kann mitbestimmen

Mitbestimmen können die Verbraucher dabei ganz einfach per Online-Fragebogen. Derzeit und noch bis zum 29. Februar wird über Milch abgestimmt. Acht Kriterien stehen dort zur Auswahl: Tierhaltung, Fütterung, Herstellung des Futtermittels, Vergütung der Landwirte, Herkunft der Futtermittel, Tierwohl, Verpackung und weitere Hilfe für die Betriebe. Je nachdem, welche Prioritäten die Teilnehmer setzen, ändert sich der Literpreis für die Milch.

„Am Ende wird es dann die Variante zu kaufen geben, die mehrheitlich gewählt wurde“, erklärt Barthelmé. Bei sehr knappen Ergebnissen sei es auch denkbar, dass zwei Varianten in den Handel kommen. Die wird es dann sowohl online als auch in ganz normalen Supermärkten zu kaufen geben.

„Wir möchten zeigen, dass es möglich ist, gute und nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen.“ - Nicolas Barthelmé

„Wir möchten aufzeigen, dass es möglich ist, gute und nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen, die sowohl erfolgreich als auch fair sind“, sagt Barthelmé. Den Grundstein dafür legt der Verein mit Milch. Wenn die erste Abstimmung vorbei ist, wird das nächste Produkt zur Abstimmung online gestellt. Welches das sein wird, auch darüber können die Verbraucher abstimmen. Derzeit stehen unter anderem Nudeln, Kartoffeln, Eier, Butter, Honig und Konfitüre zur Wahl.

Zusammenarbeit mit den Erzeugern

Im Vorfeld schaut sich das „Du bist hier der Chef!“-Team den existierenden Markt an und überlegt, welche Kriterien für die Verbraucher relevant sein könnten. Im Anschluss erfolgt die Suche nach potenziellen Partnern, sowohl im Hinblick auf den Fragebogen als auch die Produktion. Wenn sich der Verein, Landwirte und Hersteller in allen Punkten einig sind — dazu gehört auch der veranschlagte Preis — wird der Fragebogen programmiert und online gestellt.

Hier könnt Ihr Euch an der Abstimmung beteiligen. Das erste Voting zum Thema Milch läuft noch bis zum 29. Februar. Anschließend wird ein weiteres Produkt online gehen. (ms)

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