Versorgungslage gefährdet: Kliniken bekommen zu wenig Blutspenden

Dem Deutschen Roten Kreuz geht das Blut aus: Die Konserven reichen noch für ein bis zwei Tage. An was das liegt und welche Folgen die derzeit mangelnde Spendenbereitschaft haben kann, erklärt das DRK im Merkurist-Interview.

Versorgungslage gefährdet: Kliniken bekommen zu wenig Blutspenden

Knapp 1000 Blutkonserven werden allein in Hessen täglich benötigt – für schwerstkranke Patienten, für Operierte und Verletzte. Das Blut stammt von anderen Menschen, die es freiwillig gespendet haben. Bis zu drei kranken oder verletzten Menschen kann nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit einer einzigen Blutspende geholfen werden.

Der Blutspendedienst des DRK Baden-Württemberg/Hessen ist einer der Hauptversorger der regionalen Kliniken mit den lebensnotwendigen Blutpräparaten. Doch nun geht ihnen allmählich das Blut aus: „Momentan reichen die Vorräte für eineinhalb Tage“, teilt Pressesprecher Eberhard Weck auf Merkurist-Anfrage mit.

Große Herausforderungen für die Kliniken

Dieser Mangel sei sehr „unbefriedigend“ und stelle das DRK und die Kliniken gerade vor „große Herausforderungen“. Denn der Bedarf an Blutpräparaten sei in den Krankenhäusern anhaltend hoch, der Bestand jedoch gering. „Wir beraten derzeit die Ärzte, ob es in manchen Situationen auch anders geht“, so Weck. In den vergangenen Tagen seien die Lieferungen an die Krankenhäuser um etwa die Hälfte gekürzt worden. Auch die „Notfallblutgruppe 0 RH neg“ könne nicht in den üblich vorgesehenen Mengen ausgeliefert werden. Lediglich sechs Prozent der Menschen besitzen diese Blutgruppe, die Kliniken bestellen aber in der Regel für zehn Prozent. „Dieses Blut ist meistens auch mit anderen Blutgruppen kompatibel“, erklärt Weck. Daher werde es im Notfall oft als „Universalspende“ genommen.

Die Gründe für den derzeitigen Mangel seien vielfältig. Zum einen seien die Menschen aufgrund der aufgehobenen Corona-Restriktionen mehr unterwegs. „Die vielen Feiertage und das schöne Wetter werden zudem für Kurzurlaube und Aktivitäten genutzt, vor allem jetzt, nach zwei Jahren Corona“, so Weck. Das DRK veranstaltet daher regelmäßig Blutspendeaktionen am Flughafen. Auch biete es derzeit Sonderkonditionen für die Feiertagswochen an: ein Grill wird verlost und die Spender erhalten kleine Geschenke.

Deutschlandweites Problem

Das Problem bestehe aber nicht nur in der Region, sondern in allen deutschen Bundesländern gebe es diese Versorgungsengpässe. Gegenseitig aushelfen könne man sich dadurch derzeit nicht. Das habe Folgen auf den Betrieb in den Krankenhäusern, denen nun bedeutend weniger Konserven zur Verfügung stehen, als sie bestellen. So müssten beispielsweise planbare Operationen wieder zurückgestellt und verschoben werden.

Dass es in absehbarer Zeit gar keine Blutkonserven mehr gebe, könne aber nicht passieren, so Weck. Das Problem bestehe eher darin, dass Blut nur begrenzt haltbar ist, und daher nicht lange gelagert werden kann. „Wir brauchen also dringend mehr Spendenbereitschaft, um jetzt sicher versorgen zu können.“

So könnt ihr helfen

Blut spenden kann jeder gesunde Mensch ab dem 18. Geburtstag bis einen Tag vor dem 76. Geburtstag. Wer zum ersten Mal Blut spendet, darf nicht älter als 68 Jahre sein. Frauen dürfen viermal, Männer sechsmal innerhalb von zwölf Monaten Blut spenden. Alle Termine findet ihr online unter www.blutspende.jetzt. Dort könnt ihr auch einen Termin reservieren. Auch nach überstandener Corona-Infektion könnt ihr spenden. Informationen und aktuelle Regelung dazu findet ihr hier. Fragen könnt ihr auch über die Hotline klären: 0800 1194911.

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