440 Euro für ein Ticket: Handel mit „Toten Hosen“-Karten für Wiesbaden blüht

Während viele Wiesbadener am Vorverkaufstag kein Glück hatten und mit leeren Händen nach Hause gehen mussten, scheinen sich andere mit Tickets für „Die Toten Hosen“ im Schlachthof eingedeckt zu haben. Ihre Mission: Möglichst viel Geld machen.

440 Euro für ein Ticket: Handel mit „Toten Hosen“-Karten für Wiesbaden blüht

Die Freude unter den Fans war groß, als die Nachricht die Runde machte: Anlässlich des 50. Geburtstags des Motorradclubs „Black Devils“ wird die Düsseldorfer Punk-Band „Die Toten Hosen“ am 27. Juli ein Konzert im Wiesbadener Schlachthof spielen. Karten dafür gab es nur an einem Vormittag vor dem Schlachthof zu kaufen. Vier Tickets pro Person wurden ausgegeben, der Preis lag bei 34 Euro.

Mit diesem speziellen Vorverkauf sollte ein Zusammenbrechen der Schlachthof-Homepage verhindert werden. Das war bei einem früheren „Toten Hosen“-Konzert in Wiesbaden passiert. Fans waren frustriert, konnten ihre Online-Bestellung nicht abschließen. Doch auch dieses Mal gab es Unmut.

Kritik am Vorverkauf

Der Ablauf für den Vorverkauf war eigentlich relativ einfach geregelt: Zunächst musste man sich an einem Stand eine Nummer geben lassen. An anderer Stelle wurden dann später die Nummern nach und nach aufgerufen und Tickets verkauft. Doch der Ablauf wurde vor Ort nicht klar genug kommuniziert, etliche Fans stellten sich ohne Nummer an — ohne überhaupt zu wissen, dass das eigentlich falsch war. Und auch bei der Reihenfolge der Vergabe sei es, laut einiger Wartender, unübersichtlich zugegangen. Auch Wartende ohne oder mit höherer Nummer, als andere, erhielten Karten. Die Folge: Wieder mussten viele Fans enttäuscht und ohne Ticket abziehen.

Schwarzmarkt-Boom

Wo so viel Nachfrage auf so wenig Angebot — also viele „Hosen“-Fans auf verhältnismäßig wenige Karten — trifft, lässt sich Geld verdienen. Das erkannten viele schon im Vorfeld. Denn nach dem „Ausverkauf“ tauchten mehr und mehr Eintrittskarten bei ebay zum Kauf auf.

Dort wechseln die Karten für mehr als 150 Euro pro Stück den Besitzer (Stand 15. Juli). Gründe wie „reisebedingte Abwesenheit“ oder ein sehr kurzfristig einberaumter OP-Termin werden in den Artikelbeschreibungen genannt. Wahrscheinlicher ist es aber, dass der Auktionator einfach nur viel Geld mit den Tickets verdienen will.

Wer bietet mehr?

Andere Verkäufer weichen auf „ebay Kleinanzeigen“ aus. Dort erzählt etwa ein Nutzer, dass er von den vier erworbenen Tickets nur zwei brauche. „Machen Sie mir ein Angebot. Der Höchstbietende erhält den Zuschlag“, schreibt er auf der Plattform, auf der eigentlich per Festpreis verkauft wird.

Doch am krassesten zeigen sich die Preisunterschiede — wie so oft — auf der Ticketplattform „Viagogo“. Dort können Nutzer Tickets zu den von ihnen gewünschten Preisen abgeben. Egal ob Konzert,- Fußballspiel oder anderes Sportevent: Regelmäßig werden dort Karten zu horrenden Preisen verkauft — oftmals sind auch gefälschte Tickets darunter, eine Kontrolle gibt es nicht.

Für das „Toten Hosen“-Konzert in Wiesbaden sind dort ebenfalls noch Tickets zu finden. Wer nur eine Karte möchte, muss 396 Euro bezahlen. Will man zwischen zwei und vier Karten erstehen, werden 440 Euro fällig — Pro Ticket, versteht sich. Bleibt aus moralischer Sicht nur zu hoffen, dass bei dem Konzert im Schlachthof einige Plätze leer bleiben und die ehrlichen Fans mehr Platz zum Pogen haben werden. (ms)

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