Wie ein 15-jähriger Afghane alleine nach Wiesbaden kam und jetzt um Asyl kämpft

Das Murnau-Filmtheater zeigt am Mittwoch eine Langzeitdokumentation über den Afghanen Samir. Mit 15 Jahren kam er alleine nach Wiesbaden, hat sich ein Leben aufgebaut und muss jetzt vielleicht wieder zurück in sein Geburtsland.

Wie ein 15-jähriger Afghane alleine nach Wiesbaden kam und jetzt um Asyl kämpft

Samir war erst 15 Jahre alt, als er alleine nach Wiesbaden kam. Er war 2014 vor den Taliban aus seinem Heimatland geflohen und hat sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut. Er machte seinen Realschulabschluss, besorgte sich ein WG-Zimmer in der Stadt und fand eine Lehrstelle. Nach drei Jahren in Wiesbaden dann der Schock: Sein Asylantrag wurde abgelehnt.

Fünf Jahre lang hat die Autorin Ulrike Schenk den inzwischen 20-jährigen Samir begleitet; am Mittwoch zeigt das Murnau-Filmtheater die Langzeitdokumentation „Dann wäre ich ein gemachter Mann - Samirs Lehrjahre in Deutschland“. Samir, Ulrike Schenk und weitere Gäste werden im Anschluss für Gespräche vor Ort sein.

Die Dokumentation beleuchtet Samirs Weg nach Deutschland, aber vor allem seinen andauernden Kampf um Asyl. Geflüchtet war er, nachdem sein Vater bei Auseinandersetzungen mit den Taliban in der Provinz Ghazni ums Leben kam. Seine Mutter floh daraufhin mit ihm und seinem kleinem Bruder in den Iran und schickte Samir über die risikoreiche Mittelmeeroute nach Deutschland. In Wiesbaden angekommen lotste ihn seine Mitbewohnerin Dinah durch den komplizierten deutschen Alltag, er lebte sich ein, begann seine Ausbildung, bevor sein Asylantrag drei Jahre nach Ankunft abgelehnt wurde.

In dem Film sieht man, wie sich Samirs Mitmenschen daraufhin für ihn einsetzen. Sein Rechtsanwalt reichte eine Klage beim Verwaltungsgericht ein. Ulrich Koch, Personalchef des Wiesbadener Unternehmens, in dem er seine Ausbildung macht, kündigte an, dass er sich „auf die Hinterbeine stellen werde“, sollte sein Lehrling abgewiesen werden. Auf den Termin für seine Gerichtsverhandlung wartet Samir inzwischen seit mehr als zwei Jahren.

Die Dokumentation läuft am Mittwoch, den 19. Februar ab 19:30 Uhr im Murnau-Filmtheater. Der Eintritt ist frei, das Filmtheater bittet aber um eine Spende für den Verami e.V., der sich für die Integration von geflüchteten Jugendlichen einsetzt. (js)

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