Warum ein Wiesbadener Unternehmen nun eine Unisex-Toilette hat

Am 5. Juni feierte Volunta, in der Zentrale in Wiesbaden, den „Deutschen Diversity Tag“. Mit einer besonderen Aktion kämpft die Organisation für Gleichberechtigung.

Warum ein Wiesbadener Unternehmen nun eine Unisex-Toilette hat

Vor sechs Jahren wurde der Deutsche Diversity Tag von der Organisation Charta der Vielfalt ins Leben gerufen. Über 1800 Aktionen erinnern deutschlandweit am 5. Juni an die Gleichberechtigung der Menschen in der Arbeitswelt - ganz gleich welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion, Alter und Sexualität. In Wiesbaden feierte auch Volunta den Tag.

2,5 Millionen Deutsche wollen sich nicht auf ein Geschlecht festlegen

Volunta ist eine Tochtergesellschaft des Deutschen Roten Kreuzes, und ist in Hessen Träger der Freiwilligendienste der DRK-Gliederungen. Die Organisation setzt sich außerdem für Gleichberechtigung in allen Belangen ein und nennt sich politisch sowie weltanschaulich Neutral. Um das Thema „Gleichberechtigung“ sichtbar zu machen, wurde am Diversity Tag nun in der Wiesbadener Zentrale in der Abraham-Lincoln-Straße eine Unisex-Toilette eröffnet. „Im Jahr 2018 beschäftigen wir uns mit der Geschlechteridentität“, verrät eine Mitarbeiterin von Volunta. „Laut einer Studie der Zeit von 2016, wollen sich 3,3 Prozent der Menschen in Deutschland nicht als Mann oder Frau einordnen lassen. Das sind 2,5 Millionen Mitbürger, fast so viel wie die Hälfte der Hessen.“

„Die Unisex-Toiletten sprechen vielen Vorurteilen entgegen.“ - Ram Paramanathan, Aktivist

Die Toiletten im dritten Stock des Henry-Dunant-Hauses werden nun diesen Menschen gewidmet. „Die Urinale der ehemaligen Herrentoilette wurden abmontiert, die Sitztoiletten dürfen von Frauen, Männern und Non-Binären Menschen genutzt werden“, erklärt Isabelle Jauernich von Volunta.

Ausschlaggebend für die Eröffnung der Unisex-Toiletten waren die Bemühungen des Aktivisten Ram Paramanathan, der gegen Diskriminierung jeglicher Art kämpft. „Die Unisextoilette hebt viele binäre Konstrukte auf und spricht vielen Vorurteilen entgegen“, sagt Paramanthan. Damit spricht er vor allem viele Menschen an, die sich keinem Geschlecht fest zugeordnet fühlen, und sich aus Scham nicht für eine Damen- oder Herrentoiletten entscheiden möchten.

„Oft werde ich für einen Mann gehalten, der auf Toilette Frauen bespannen will.“ - Sandra, Transsexuelle

„Auch wenn ich mich als Frau fühle, bin ich wegen meiner männlichen Körpermerkmale auf einer Damentoilette unerwünscht, oft erschrecken sich Frauen, weil sie nicht mit einer Person wie mir gerechnet haben“, bestätigt Sandra, eine Transsexuelle aus Wiesbaden. „Nicht selten werde ich für einen Mann gehalten, der nur die Frauen bespannen will. Eigentlich will ich nur zur Toilette und allerhöchstens das Makeup auffrischen.“ Was Sandra anspricht sind Vorurteile, mit denen alle Transsexuellen und Transgender täglich zu kämpfen haben, denn auch auf Herrentoiletten sei man oft unerwünscht.

Abhilfe zu solch unangenehmen Situationen versprechen, laut vieler Meinungen, die Unisextoiletten. „Dort begegnet man bewusst allen Geschlechtern. Man brauch sich nicht wundern, nicht erschrecken und auch nicht zu lästern“, freut sich Sandra. „Leider sind Unisextoiletten in Deutschland noch eine seltene Einrichtung.“ Anders ist das in den USA: Dort gibt es laut einer Erfassung von YELP 160.000 Betriebe mit genderneutralen Toiletten, die meisten davon seien Restaurants.

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